Gender Gap Report

26. Oktober 2016 06:43; Akt: 26.10.2016 08:50 Print

Im Jahr 2186 sind Frauen und Männer gleichgestellt

Die Fortschritte bei der Gleichstellung von Mann und Frau haben in der Schweiz stark nachgelassen. Vor allem in der Wirtschaft gibt es Nachholbedarf.

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Unter dem Motto «Wir sind wütend» demonstrierten 2004 mehrere Hundert Frauen haben in Zürich im Rahmen des Internationalen Frauentages. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

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In einem internationalen Ranking von 144 Ländern hat die Schweiz ihren Platz in den Top 10 sogar abgeben müssen - an Nicaragua. Damit ist die Schweiz nicht mehr unter den 10 besten Ländern, was die Gleichstellung angeht.

Die höchste Geschlechter-Gerechtigkeit haben gemäss dem Global Gender Gap Report Island, Finnland, Norwegen und Schweden. Auch Ruanda, Irland, die Philippinen, Slowenien und Neuseeland sind Länder mit hoher Geschlechtergerechtigkeit. Die Schweiz belegt neu Platz 11. Vor zehn Jahren lag sie allerdings noch auf Platz 26.

Gleichstellung in 170 Jahren

Der in der Nacht auf Mittwoch veröffentlichte Bericht bewertet jedes Jahr die Fortschritte bei der Gleichstellung. Untersucht werden das Bildungsniveau, die Gesundheit und die Lebenserwartung, die wirtschaftliche Beteiligung sowie die politische Mitwirkung. Der Report ging im Vorjahr noch davon aus, dass die Kluft in diesen Bereichen innerhalb von 118 Jahren überwunden werden können. Neu rechnen die Autoren mit 170 Jahren.

In den wirtschaftlichen Kernbereichen, also beispielsweise Lohngleichheit und Aufstiegschancen, stellt der Report eine dramatische Verlangsamung des Fortschritts fest. Noch nie seit 2008 war das Gefälle mit 59 Prozent grösser (100 Prozent = totale Gleichstellung).

Für die Hälfte des Lohns doppelt so lange arbeiten

Für den Rückschritt machen die Autoren der Studie die ungleichen Löhne verantwortlich. Weltweit erhalten Frauen durchschnittlich die Hälfte des Gehalts ihrer männlichen Kollegen, obwohl sie im Schnitt länger arbeiten. Zudem stagniert die Erwerbsquote: Der Durchschnitt für Frauen liegt weltweit bei 54 Prozent, für Männer hingegen bei 81 Prozent.

Die Anzahl Frauen in leitenden Positionen bleibt ebenfalls gering. Nur vier Länder beschäftigen gleich viele männliche wie weibliche Führungskräfte, obwohl mittlerweile in 95 Ländern gleich viele oder sogar mehr Frauen als Männer einen Hochschulabschluss besitzen.

Schweiz verliert an Boden

Beim Bildungsniveau hat sich die Lücke um 1 Prozent verringert und ist zu 95 Prozent geschlossen. Im Bereich Gesundheit und Lebenserwartung ist die Lücke zu 96 Prozent geschlossen, was einer kleinen Verschlechterung entspricht. Die Säule der politischen Mitwirkung hat sich um ein Prozent verbessert und ist zu über 23 Prozent geschlossen.

Die Schweiz erreicht über alle Bereiche hinweg 77 Prozent, eine leichte Verschlechterung gegenüber Vorjahr. Bei der politischen Gleichstellung hat sie sich zwar um einen Rang auf Platz 15 verbessert. Hingegen ist sie bei der ökonomischen Gleichstellung um 13 Plätze auf Rang 30 abgerutscht.

Der Wert von 77 Prozent ist insgesamt aber hoch. Staaten aus Westeuropa mit den grössten Volkswirtschaften Frankreich, Deutschland und Grossbritannien haben die Kluft zu 75 Prozent überwunden. Lateinamerika und die Karibik sowie Osteuropa und Zentralasien erreichen 70 Prozent. Die afrikanischen Ländern Ruanda, Burundi, Namibia und Südafrika erreichen knapp 68 Prozent. Südasien kommt auf 67 Prozent und Nahost sowie Nordafrika nur auf 60 Prozent.

(sep/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M. F. am 26.10.2016 07:16 Report Diesen Beitrag melden

    Gender-Gap?

    Verstehe manchmal nicht ganz, was mit Gender-Gap gemeint ist und in welche Richtung. Bin Pflegefachmann HF und aufgrund Diabetes Typ 1 militärdienstuntauglich. Ich verdiene also pro Jahr 400 Fr. weniger als eine Pflegefachfrau HF.

  • Chonny Jash am 26.10.2016 08:22 Report Diesen Beitrag melden

    Genderrinderwahn

    Wenn die Entwicklungen so weitergehen gibts 2186 entweder nur 1 Geschlecht (damit sich niemand benachteiligt fühlt) oder unendliche viele Geschlechter (damit jeder sein kann was er denkt zu sein) Auf jeden Fall graust es mich daran zu denken!

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  • Advocatus Diaboli am 26.10.2016 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    Von Äpfeln und Birnen.

    Immer wieder dieser Mythos von der Lohnungleicheit. 1. gibts in der Schweiz keine Lohntransparenz, von daher möchte ich gerne wissen woher man weiss, dass Männer mehr verdienen. 2. Falls nun eine Frau doch den Lohn der Mitarbeiter kennt sollte sie sich fragen, ob wirklich alles identisch ist: Alter, Ausbildung, Dauer der bisherigen Anstellung, Arbeitsleistung und -qualität, etc. Ich habe auch in Büros gearbeitet, in welchen ich gleichzeitig mehr und weniger als Frauen dort verdient hatte. Die eine arbeitete schon 30 Jahre länger dort als ich, die andere 3 Jahre weniger. Erkärt den Lohn.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • CookingSamurai am 27.10.2016 03:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na hör mal

    Wenn man für die Gleichberechtigung Demonstrieren will, dann sollte man anfangen für die Frauen in bestimmten Ländern zu kämpfen die in meinen Augen wirklich unterdrückt werden. Es ist leicht zu behaupten das es in der Zukunft eine "vollständige" Gleichberechtigung gibt, aber Weltweit wird das wohl nie geschehen, so lange es in der Regierung Einflüsse wie: Religion, Weltmächte evtl. Bestechungen und Anderes sich einmischen, so wird es nie 100% Gleichberechtigung geben. Wenn ich demonstrieren würde, dann zuerst für eine gerechtere Verteilung des Weltreichtums, die unendlich grossen unglaublichen Unterschiede die es zwischen arm und stink reich gibt, das es keine Grenzen gibt, also ins Unendliche gehen können, solange es da kein System oder Regelung oder Gesetzt  für eine gerechtere Verteilung gibt, ist das auch eine art Unterdrückung der Mehrheit der Menschen.

  • Peter Silie am 26.10.2016 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kommt diese Studie

    aus dem Gleichstellungsbüro? Dort wo 97% der Mitarbeiterinnen Frauen sind?

  • RichtigWütend am 26.10.2016 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin auch wütend!

    6 Jahre auf unsere Tochter geschaut, alles für sie gemacht und getan. Arbeit aufgegeben, meine Ex hat voll gearbeitet, sich nicht um die Kleine gekümmert und kein Unterhalt bezahlt. Nun lebt sie seit 2 Jahren bei der Mutter und ICH darf nun Unterhalt zahlen, und das nicht zuwenig. Ich bin sowas von wütend!

  • Innozenz am 26.10.2016 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    arbeiten Gleichstellungbüros überhaupt?

    Sagt mal, seit 25 Jahren gibt es Frauenbeauftragte und Gleichstellungsbüros, aber jedes mal kommt die ewig gleiche Leier von Gender Pay Gap. Arbeiten die überhaupt etwas, oder machen die bella Vita auf Staatskosten? Wäre der Lohnunterschied wirklich so hoch, würde er schlagartig nach unten korrigiert, oder das männliche Geschlecht fände sich auf der Strasse wieder. Schliesslich leben wir im Shareholder Value. Und warum sind gutbezahlte MINT-Berufe immer noch Mänerbastionen?

  • fastreader am 26.10.2016 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist ja klar

    Ist auch kein Wunder bei der antifeministischen Stimmung die im Moment überall herrscht