Brände in Kalifornien

08. Dezember 2017 08:31; Akt: 08.12.2017 12:50 Print

Mann rettet Hase aus Feuer

In Kalifornien wüten Waldbrände. Villen von Stars sind bedroht. Im Norden von Los Angeles erzielt die Feuerwehr Erfolge.

Ergreifend: Ein Autofahrer rettet in Kalifornien einen Hasen vor dem nahenden Feuer. Video: Tamedia/RMG
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Tausende Feuerwehrleute kämpften am Donnerstag weiter gegen sechs grössere Brände in Südkalifornien an. Heftige Winde breiteten die Flammen an mehreren Stellen weiter aus, doch an anderer Stelle konnten die Helfer die Feuersbrunst eindämmen.

Im Raum San Diego brach am Donnerstag ein neues Feuer aus, das von den stürmischen Santa-Ana-Winden schnell ausgebreitet wurde. Tausend Häuser seien dort bedroht, teilte die Feuerwehrzentrale mit.

Waldbrände in Kalifornien

Am schlimmsten wüteten die Flammen im Bezirk Ventura County, nordwestlich von Los Angeles, wo seit dem Ausbruch der Brände am Montag nun bereits eine Fläche von mehr als 380 Quadratkilometern abbrannte. Zehntausende Menschen wurden dort aus ihren Häusern vertrieben.

In einem der brennenden Gebiete nahe Ojai war eine Frau nach einem Autounfall tot aufgefunden worden. Die Todesursache müsse noch geklärt werden, hiess es.


Kalifornien brennt: Alleine im Ventura County wurden 380 Quadratkilometer zerstört. Video: Tamedia

Kalifornien brennt: Alleine im Ventura County wurden 380 Quadratkilometer zerstört. Video: Tamedia

Murdochs Weinlager abgebrannt

Das ganze Ausmass der Schäden war zunächst noch nicht abzusehen. Die Behörden befürchten, dass hunderte Häuser vernichtet wurden. Schaden hat auch ein Weingut des Medien-Moguls Rupert Murdoch in Bel Air genommen.

Wie ein Mitarbeiter dem Magazin «Wine Spectator» am Donnerstag mitteilte, konnte die Feuerwehr die meisten Gebäude vor den Flammen schützen, doch ein Lagerhaus mit teuren Weinen sei abgebrannt. Murdoch habe das Anwesen 2012 für knapp 29 Millionen Dollar erworben, hiess es.

Feuer in Bel Air unter Kontrolle

Ein Buschfeuer am Rand des Prominenten-Viertels Bel Air war am Donnerstagabend (Ortszeit) zu 30 Prozent unter Kontrolle, wie die Behörden mitteilten. Sechs Häuser seien abgebrannt, zwölf weitere beschädigt worden, hiess es. Mehrere Tausend Menschen hatten dort ihre Villen räumen müssen.

In Bel Air besitzen Stars wie Jennifer Aniston, Gwyneth Paltrow, Jennifer Lopez, Jay-Z und Beyoncé teure Domizile.

Villen von Stars sind bedroht: Die Feuerwehr bekämpft die Brände in Bel Air. (6. Dezember 2017) Bild: Keystone/Jae C. Hong/AP

Das nahe gelegene weltberühmte Getty-Kunstmuseum im Westen von Los Angeles kam ohne Schaden davon. Nach zweitägiger Schliessung wollte das Museum am Freitag wieder für Besucher öffnen.

Dagegen sollten Hunderte Schulen in Südkalifornien weiter geschlossen bleiben. Die Behörden warnten vor dem starken Rauch und der schlechten Luftqualität in den betroffenen Gebieten.

Farmer bringen Tiere in Sicherheit

In der Nähe von Sylmar sind auf einer Ranch 29 Pferde und zahlreiche andere Tiere verbrannt. Nicht weit davon entfernt, im Ort Lake View Terrace, musste die Feuerwehr durchgebrannte Pferde einfangen. Sylmar liegt rund vierzig Kilometer nordwestlich von Los Angeles.

Erst im Oktober tobte in den malerischen Weinregionen um Sonoma und Napa ein Flammeninferno – 44 Menschen starben, zeitweise waren 100'000 Anwohner vor den Flammen auf der Flucht. Nun trifft es den Süden des Bundesstaates.

Auch vor teuren Villen in den durch hohe Mauern geschützten «Gated Communities» machen die Flammen nicht halt. In Sylmar müssen nach wie vor viele Menschen in Notunterkünften bleiben.

«Ein Wunder, dass es keine Toten gibt»

Zehntausende Menschen wurden aus ihren Häusern vertrieben. Es sei ein «Wunder», dass bisher keine Todesopfer aus den Brandgebieten gemeldet wurden, sagte Eric Garcetti, der Bürgermeister von Los Angeles. Nach vorläufigen Schätzungen brannten mehr als 180 Häuser ab, doch diese Zahl könnte noch steigen.

Wie Satellitenbilder der Nasa vom Dienstag zeigen, wüten die grössten Brände in der Nähe der Ortschaft Ventura. In den betroffenen Bezirken waren nach einem Bericht der «Los Angeles Times» 260'000 Menschen ohne Strom.

Ein Satellitenbild des Nasa Earth Observatory. (5. Dezember 2017) Bild: Nasa

«Die Aussichten für eine Eindämmung stehen nicht gut», sagte Venturas Feuerwehrchef Mark Lorenzen: «Das wird von Mutter Natur entschieden.»

Die ständige Feuer-Bedrohung, besonders wenn die heftigen Santa-Ana-Winde wehen, ist die Kehrseite des Lebens im sonnenverwöhnten Kalifornien. Schon vor zwei Jahren, nach einer Serie schwerer Buschbrände, hatte der kalifornische Gouverneur Jerry Brown ein düsteres Bild gezeichnet.

Ein «Weckruf»

Die häufigen Feuer seien ein echter «Weckruf» für den dürregeplagten Westküstenstaat. Brown vertritt die Position zahlreicher Forscher, die den Klimawandel mit steigenden Temperaturen für schlimmere Dürren, heftigere Waldbrände und andere Wetterextreme verantwortlich machen.

Die Einsatzkräfte bekämpfen die Flammen mit Helikoptern. (6. Dezember 2017) Bild: Keystone

Einige der schwersten Brände in der Geschichte Kaliforniens wüteten in den Herbstmonaten im Anschluss an einen trockenen Sommer. Im Oktober und November 2007 zerstörten Flammen in Südkalifornien mehr als 1500 Häuser, 1900 Quadratkilometer Land verbrannten.

Kein Regen im grünen Streifen

Klimaexperten machen die extreme Trockenheit und die seit Montag tobenden Santa-Ana-Winde für die starke Feuersbrunst im Süden Kaliforniens verantwortlich.

Für die Jahreszeit sei es in der Küstenregion ungewöhnlich trocken, sagte der Klimaforscher Daniel Swain am Donnerstag der «Los Angeles Times». Heisses Sommer- und Herbstwetter hätten die Pflanzendecke völlig ausgedörrt. Die typischen Winterregen seien bisher ausgeblieben. Nach der Vorhersage der Meteorologen muss noch bis Samstag mit starken Böen gerechnet werden.

(mch/oli/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Iron Man am 06.12.2017 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Blind

    Nein, das Klima verändert sich nicht, und deshalb kündigen die USA auch das Klimaabkommen. America burn first!

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  • G. Brand am 06.12.2017 15:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Armes Amerika?

    Jeden Dollar, den die US Regierung in Brandbekämpfung, Wiederaufbau und Prävention investiert, wird nicht für Kriege eingesetzt. Soweit sind das gute News. Den Betroffenen viel Glück, und hoffentlich sind sie gut versichert.

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  • Nordamerika am 06.12.2017 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    Notstand

    Der Notstand wird in den USA auch immer häufiger ausgerufen. Wenn dann mal die Kassen leer sind (was sie ja eigentlich schon längst sind...), dann wird irgendwann den Notstand auszurufen nix bringen. Die Kriegskasse ist ja immer noch von Irma und Co. bis auf den Boden ausgetrocknet...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • o.p. am 10.12.2017 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gut gemacht!

    Diese Situation wiederspiegelt für mich genau einige Eigenschaften, die ich mir von einem Menschen wünsche: hilfsbereit, mutig, aufmerksam, liebevoll, tierlieb...

  • p.s am 09.12.2017 10:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    LA La la.

    Sie sind selber schuld, man baut auch nicht in der Wüste eine Stadt... Die man versucht zu begrünen, mit Wasser das auch fehlt...Sie sollen endlich aufhören zu jammern.... Sie sind ihres Untergang Selbstschuld. Wers nicht selbst merkt soll brennen.

  • Stardust am 09.12.2017 08:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So schön

    das lässt mich hoffen dass der Mensch doch noch einen Funken gutes in sich hat

  • SonjaA am 09.12.2017 04:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Männer mit Werten

    Wieder fängt der Tag melancholisch, schön an, was für ein Held! Ein Mann rettet einen Hasen, es gibt noch wirkliche Männer mit dem Herz am rechten Fleck, danke sehr dafür! Solche Menschen sind das Balsam für die Seele! Ich habe vor gut 3 Wochen einen älteren Kunden, den ich schon seit bald 4 Jahren fast täglich an meiner Kasse bediene, gefragt, warum er denn so traurig sei. Seine Antwort mit unterdrückten Tränen: Vor einem Jahr starb mein Sohn bei einem Autounfall, 19, vor 8 Monaten meine Frau, Hirntumor, gestern meine letzte Freundin, Katze Mauzi, 6 jährig, wurde vergiftet. Sah ihn nie mehr

  • Brian am 08.12.2017 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Nix Klimaerwärmung

    Das Phänomen heisst Santa-Ana-Winde und gab es schon immer. Das milde Winter-Wetter ist ja der Grund wieso da alle hinziehen.