Silvester-Mob

22. Februar 2016 09:34; Akt: 23.02.2016 07:37 Print

Kölner Sextäter tanzt der Polizei auf der Nase herum

Nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln hat die Polizei Täter identifiziert. Trotzdem sind die meisten Verdächtigen kaum aufzuspüren.

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Mob von 1000 Menschen: In der Silvesternacht hatten am Kölner Hauptbahnhof überwiegend aus dem nordafrikanischen Raum stammende Täter massive Übergriffe auf Frauen und Diebstahlsdelikte verübt. (31. Dezember 2015). Auch in Hamburg kam es zu Übergriffen: Diese beiden Männer sollen in der Silvesternacht eine Frau sexuell genötigt haben. Die Männer sollen vom 18-jährigen Opfer erkannt worden sein. In Hamburg sind bislang über 200 Anzeigen eingegangen. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (l.) dementiert die Anschuldigungen, wonach versucht worden sei, die Vorfälle der Silversternacht in Köln herunterzuspielen. (Archivbild) Härtere Gangart: Innenminister Thomas de Maizière (links) informiert die Medien über den Entscheid einer Verschärfung des Sexualstrafrechts. (12. Januar 2016) Marokko und Algerien nehmen ihre kriminellen Landsleute nach Aussagen der Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens nicht zurück: Hannelore Kraft in der ARD-Sendung «Hart aber fair». (11. Januar 2016) Mehrere Hundert Pegida-Anhänger haben sich am Kölner Hauptbahnhof zu einem Demonstrationszug formiert. (9. Januar 2016) Die Polizei stoppt den Pegida-Zug nach einigen hundert Metern, drängt ihn zum Bahnhof zurück und löst die Demonstration schliesslich auf. (9. Januar 2016) Zur selben Zeit findet sich eine viel grössere Menschenmenge zu einer Gegendemonstration, ebenfalls am Kölner Hauptbahnhof, ein. (9. Januar 2016) «Bitte habt keine Angst»: In Köthen verteilen syrische Flüchtlinge ein Schreiben. (8. Januar 2016) Ein Mitglied der deutsch-tunesischen Gemeinschaft übergibt Passanten Blumen vor dem Kölner Bahnhof. (7. Januar 2016) Die Kölner Polizei hatte in der Silvesternacht Verstärkung von Kollegen aus Duisburg abgelehnt: Einsatzwagen vor dem Kölner Hauptbahnhof. (5.1.2015) Wurden heftig kritisiert: Bürgermeisterin Henriette Reker und Polizeipräsident Wolfgang Albers an einer Pressekonferenz in Köln. Albers soll nun abgesetzt worden sein. (5.1.2015) Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker kündigte ein stärkeres Polizeiaufgebot und den Einsatz mobiler Videokameras an. (5. Januar 2016) Der deutsche Justizminister Heiko Maas spricht auf Twitter von «abscheulichen Übergriffen»: Alle Täter müssten konsequent zur Rechenschaft gezogen werden. «So kann die Polizei nicht arbeiten»: Innenminister Thomas de Maizière kritisierte das Vorgehen der Polizei. Frauen protestieren und kritisieren indirekt auch die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Merkel. (5. Januar 2016) «Wir schweigen nicht» und «Wir haben die Schnauze voll» – Frauen demonstrieren gegen die Gewalt auf offener Strasse. (5. Januar 2016) Kanzlerin Angela Merkel, hier während der Neujahrsansprache, drückte «ihre Empörung über diese widerwärtigen Übergriffe und sexuellen Attacken aus». Raubüberfälle und sexuelle Übergriffe: Mehrere Männergruppen haben in der Silvesternacht am Kölner Bahnhof Frauen attackiert. (31. Dezember 2015) Feuerwerk in die Masse: Zusätzlich zu den Attacken sind in der Menschenmenge auch Feuerwerkskörper gezündet worden. (31. Dezember 2015)

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Vor rund zwei Wochen hat eine Studentin Mehdi E.-B. auf einem Polizeifoto erkannt. Sie ist sich zu «100 Prozent sicher», dass er in der Silvesternacht in Köln vor ihr stand, wie der «Spiegel» berichtet. Die junge Frau ist nach eigenen Angaben gegen 0.30 Uhr von mehreren Männern umzingelt worden. Mindestens einer von ihnen habe ihr in die Hose gegriffen.

«Dass eine Zeugin einen Täter wiedererkannt haben will, und zwar mit grosser Gewissheit, ist ein Einzelfall und ein Novum bei diesen Ermittlungen. Normalerweise sind wir auf die mühsame Auswertung von Videobeweisen angewiesen. Das hat bislang weniger zum Erfolg geführt», sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln, Ulrich Bremer, zum «Spiegel». Gegen E.-B. wurde ein Haftbefehl wegen Raub und sexueller Nötigung in einem besonders schweren Fall erlassen.

Ist er in Neapel?

Dennoch ist E.-B. auf freiem Fuss. Grund: Er ist untergetaucht. Die Beamten vermuteten E.-B. in einer Asylunterkunft in Würselen. Doch der Marokkaner hat dort Hausverbot – wegen Gewaltausbrüchen und Drogenkonsums.

Die Hausmeisterin eines weiteren Asylheims hat auf Anfrage von «Spiegel» E.-B. auf einem Foto sofort erkannt. «Alle suchen ihn. Der hatte immer neue Klamotten an, von Kopf bis Fuss. Der hat geklaut wie ein Rabe.» Ein kosovarischer Bewohner fügt hinzu: «Der ist nicht mehr hier. Er ist abgehauen nach Italien. Er wollte nach Neapel.»

Ermittlungen gegen 78 Personen

Der Asylbewerber ist auch bei der Justizbehörde kein Unbekannter. Weil er im Januar ein Handy am Kölner Hauptbahnhof gestohlen hatte, stand er mit einem weiteren Marokkaner vor Gericht. «Wir bitten um Vergebung», so die beiden. Damals bestritt der 18-Jährige, an den Übergriffen in Köln beteiligt gewesen zu sein.

Nach den Vorfällen in Köln ermittelt die Polizei gegen 78 Personen, 14 von ihnen sind in Untersuchungshaft. Der untergetauchte Mehdi E.-B. ist kein Einzelfall: Bei Razzien letzten Donnerstag in Köln, Hamm, Troisdorf und Bornheim stiessen die Ermittler lediglich auf einen von acht gesuchten Verdächtigen.

(woz)