Der Rächer von Seattle

18. November 2012 10:44; Akt: 18.11.2012 10:44 Print

Leg dich nicht mit Phoenix Jones an!

Vor den Augen der Polizei fordert ein betrunkener Rassist einen Schwarzen im Superhelden-Kostüm heraus. Er ahnt nicht, dass die Verkleidung ernst gemeint ist: Der Attackierte ist Rächer des kleinen Manns.

. Quelle: YouTube/ThePhoenixJones
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Anfang November 2012 in Seattle. Betrunkene beleidigen zwei Schwarze in bizarren Kostümen. Sie wollen sich prügeln. Ein Streifenwagen hält. Die Polizisten hören zu, greifen aber nicht ein. Auch nicht, als sich einer der Kostümierten schliesslich eines Aggressors annimmt.

Umfrage
Wie beurteilen Sie das Sendungsbewusstsein von Phoenix Jones?
29 %
14 %
47 %
10 %
Insgesamt 2284 Teilnehmer

Während die Cops zuschauen, entwickelt sich ein handfester Kampf, bei dem der Besoffski den Kürzeren zieht. Er konnte nicht wissen, dass er an einen Mixed-Martial-Arts-Kämpfer geraten war. Während die Kumpels des Niedergeschlagenen wüten, zieht das maskierte Duo unbehelligt von dannen. Beim Anblick dieses Videos fragt sich der unbedarfte Europäer natürlich: Was geht, Amerika?

Seattle Sumpf formt positiven Widerstand

So ging es auch Benjamin John Francis Fodor, dem kämpfenden Kostümierten im obigen Clip. Er wurde 1988 geboren und war in seiner Jugend wohl kein Superheld, doch die Gewalt in seiner Heimat Seattle veränderte ihn. Erst erlebte er, wie ein Freund vor einer Bar so übel attackiert wurde, dass er permanente Gesichtsverletzungen davontrug.

«Und ich dachte: Warum hat ihm keiner geholfen? Da waren 70 Leute vor der Bar und niemand hat etwas gemacht», sagt er später in einem Interview. Kurz darauf wurde sein Auto aufgebrochen – sein Sohn verletzte sich an Glasbruchstücken. Obwohl mehrere Zeugen sahen, wie der Täter einen Stein in eine Skimaske wickelte und die Scheibe einschlug, schritt niemand ein.

Die Geburt eines selbsternannten Helden

Die Skimaske bewahrt Fodor fortan auf. 2010 fasst er einen Entschluss: Er will nicht mehr zusehen. Er verkleidet sich, legt sich sein Pseudonym zu: Phoenix Jones. Er verfügt über Superkräfte, allerdings nur irdische: Als «Fear the Flattop» hat er elf Amateur- und vier Profikämpfe in Mixed Martial Arts bestritten – und alle gewonnen.

In seiner Verkleidung beginnt er, sich in Streitereien einzumischen und gilt bald als der «Typ, der Kämpfe beendet». «Sie fingen an, mich zu erkennen und forderten mich heraus. Also begann ich, Masken zu tragen», erzählt er. Weil die Sturmhaube den Menschen Angst und die Cops nervös macht, wechselt er zum Superhelden-Kostüm. Er kommt auch dann, wenn die Polizei abwinkt. Etwa wenn jemand Angst hat, abends alleine zu seinem Auto zu gehen. Bewaffnet ist er nur mit seinen Fäusten, einem Taser, Pfefferspray und Tränengas.


Im Januar 2011 berichten Lokalmedien in Seattle darüber, dass Phoenix Jones auf die Nase bekommen hat: Sie wurde von einem Bewaffneten gebrochen. Die Polizei zeigt sich not amused ob der ungebetenen Hilfe durch den Superhelden und hofft damals, es werde ihm eine Lehre sein. Quelle: YouTube/UpdatedEntertainment

Eine schusssichere Weste soll ihn vor Verletzungen schützen, doch das gelingt nicht immer. «Ich bin schon mehrmals gestochen worden. Und es gab diesen Vorfall in Tacoma mit einer Pistole. Ich werde nicht sagen, wie weit es ging, aber es war böse», erinnert sich Phoenix James in einem Interview im Jahr 2010. Weiter ins Detail will er nicht gehen, weil Ben Fodor damals noch inkognito war.


Im Oktober 2011 wurde Phoenix Jones nach einem Pfeffersprayeinsatz verhaftet. Der Fall wurde einen Monat später jedoch fallen gelassen. Quelle: YouTube/dfvsdfasdfable

Phoenix Jones schliesst sich dem «Rain City Superhero Movement» an: Die zehn Mitglieder, die «Green Reaper» oder «Penelope» heissen, bekämpfen wie er als Superhelden auf eigene Faust Verbrechen. Wer in diesem Verein mitmacht, muss in der Armee oder Kämpfer gewesen sein. «Buster Doe», der auch im Video ganz oben zu sehen ist, wird sein Begleiter: Wenn Fodor Superman wäre, hiesse «Doe» natürlich Robin.


Eine Nacht auf Streife mit dem «Rain City Superhero Movement». Quelle: YouTube/ MrBillyPineapples

Die Polizei ist kein Fan des selbsterklärten Retters und besorgt, dass Nachahmer Leib und Leben riskieren. Warum aber schaut sie dann in dem Ausgangsvideo tatenlos zu? Der Held hatte sie selbst gerufen und auf die Cops gewartet. Denn im Bundesstaat Washington sind Schlägereien dann legal, wenn beide Parteien zustimmen und die Staatsmacht vor Ort ist.


Extremes Gewaltpotenzial – und Phoenix Jones im März 2012 in Seattle mittendrin. Quelle: YouTube/mcnameeproductions

(phi)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jackmans am 18.11.2012 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Comichelden

    Die Hemmschwelle gewaltbereiter Menschen schwindet immer mehr. Es ist nicht unbedingt ein US - Phänomen, sondern mittlerweile bald überall vorhanden, auch bei uns. Die Bildung von Bürgerwehren oder ähnliches nimmt auch immer mehr zu, weil dank der Sparpolitik Polizeistellen zum Opfer fallen u der Bürger auf sich gestellt bleibt. Kostümierte Pseudohelden allerdings dürfte wohl nur in den USA eine Ausnahme bleiben u scheinbar erfüllen sie sogar ihren Zweck, auch wenn es für uns Europäer eher nach Comic schmeckt.

  • Martin am 18.11.2012 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht alles

    Für mich sieht das so aus, als ob der irgendwas schon vor Beginn des Viedos getan hat, ansonsten würde der Typ wohl kaum so ausrasten. Die habe ich gar nicht gerne: Erst provozieren, dann zuschlagen und sich als Helden feiern lassen. Von denen gibt es genug auch in der CH; so pseudo Helden! Nein Danke!

  • objektiver beobachter am 18.11.2012 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    An alle Fans hier

    Auch schon mal überlegt, dass in vielen Situationen die Emotionen gar nicht erst hochgehen würde, wenn er nicht als kostümierter Möchtegern-Superheld auftreten würde? Klar rasten die aus, wenn sich jemand einmischt... Man könnte schon fast behaupten, er stiftet Unruhe um diese dann zu schlichten...

    • B.R. am 18.11.2012 23:31 Report Diesen Beitrag melden

      Gleicher Meinung

      Wenn er wirklich helfen wollte dann in zivil und nicht in einem lächerlichen Kostüm. Vor allem Betrunkene machen sich dann eine Spass daraus so jemanden zu necken. und wie leicht wird dann eine Schlägerei daraus wo sonst gar nichts gewesen wäre ...

    • allan am 19.11.2012 00:21 Report Diesen Beitrag melden

      aha...

      das heisst also, ausrasten weil leute in verkleidung auf der strasse rumlaufen ist normal und eine völlig logische reaktion?

    einklappen einklappen
  • ma b am 18.11.2012 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    peinlich

    zu viel kick-ass geschaut.

  • absorber am 18.11.2012 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    Solche Selbstjustiz geht immer nach

    hinten los. Verstehen kann ich den Drang schon das Recht in die eigene Hand zu nehmen. Der Negativtouch ist dabei, das die Aggressoren aktiver werden und die zukünftigen Opfer noch mehr gefährdet werden. Unsere Gesellschaft braucht mehr Verstand und nicht mehr Gewalt. Eine Aufgabe die in den Elternhäusern anfangen muss. Leider ist aber genau da all zu oft die Quelle für Gewalt. Stichwort häusliche Gewalt.