Israel

29. Dezember 2015 16:32; Akt: 29.12.2015 16:32 Print

Löcher am Toten Meer verschlingen Menschen

Jeden Tag ein neues Schluckloch: Das Meer reisst grosse Krater in die Erde. Das ist nicht nur für Touristen bedrohlich.

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Das Tote Meer verwandelt sich nach und nach in eine Mondlandschaft: Kurz vor dem jüdischen Fest Pessach, das im April stattfand, riss die Erde auf – mehrere Anwohner fielen in das metertiefe Loch. Die Route 90, die am beliebten Gewässer vorbeiführt, wurde umgeleitet – die beiden öffentlichen Strände geschlossen. Viele Feriengäste machten kehrtum, wollten ihr Leben nicht riskieren, schreibt «Die Welt».

Seit Jahren sinkt der Wasserspiegel: Die Strassen sind übersät mit Schildern, die vor Schlucklöchern warnen. Bis zu 20 Meter Tiefe Krater reihen sich aneinander und mittlerweile kommen jeden Tag neue Löcher dazu. Das Salzwasser weicht zurück, der Salzgehalt wird abgebaut, dafür wird Süsswasser von den Bergen angespült. Daraus entstehen Hohlräume, die dann über der Oberfläche zusammenbrechen.

«Nur noch ein kleiner Teich»

Grund für den Rückgang des Meeres ist der Eingriff in den Jordan. Der einst mächtige Fluss erinnert heute nur noch an ein Flüsschen – kein Wunder: Rund 98 Prozent des Flusses wird für Haushalte, Landwirtschaft und die Industrie abgezweigt. Wenn es nach der Hydrologin Carmit Ish Shalom geht, «wird im Jahr 2050 nur noch ein kleiner Teich übrig sein».

Das Gewässer ist zehnmal salziger als der Atlantik und lockt damit tausende Wellnessgäste in das Gebiet. Doch durch das riesige Loch, das sich kurz vor dem Fest Pessach öffnete, und die Schliessung der zwei einzigen öffentlichen Strände bleiben die Touristen aus. «Der Tourismus ist die wichtigste Einkommensquelle für die Region, vom einen auf den anderen Tag haben wir so gut wie kein Einkommen mehr», sagt Gundi Schachal, eine deutsche Forscherin. Die Tankstelle und der Kiosk hätten auch schon zugemacht.

Bis jetzt ist noch niemand tödlich verunglückt, Verletzte gab es aber schon einige: Eine Putzfrau fiel mit einem Camping-Wagen in ein Loch – fünf Meter tief. Sie brach sich einige Knochen. Ein Forscher brach ein und musste einen ganzen Tag auf seine Rettung warten. Er hatte bereits mit seinem Leben abgeschlossen und schrieb sein Testament und Abschiedsbriefe an seine Familie auf Klopapier. Nach 14 Stunden konnte er dann gerettet werden.

(nab)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • andy am 29.12.2015 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Rücksicht

    98% des Wassers wird zweckentfremdet und dann wundert sich noch jemand, das so etwas passiert. Einfach wieder mal ohne Rücksicht auf Verluste die Natur schröpfen und sich dann wundern und jammern! Die Erde wird das überleben, die Menschheit zum Glück nicht.

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  • Darren am 29.12.2015 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unse liebe welt

    Der mensch ist einfach schrecklich... Alles wirklich alles zerstört nur vom menschen...

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  • DäCapo am 29.12.2015 16:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwupps und weg.

    Wusste gar nicht, dass es dem Toten Meer auch schon so dreckig geht. Dem droht offesichtlich dasselbe Schicksal wie dem Aralsee. Aber immer mehr Menschen brauchen nun mal immer mehr Wasser. Und ohne etwas Rücksicht zu nehmen, ist das einfacher.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • E.T. am 30.12.2015 06:23 Report Diesen Beitrag melden

    Schwachsinn

    Und in der Schweiz wird mit dem kostbaren Gut Schnee produziert, damit ein paar Skigeile skilaufen können. Alles nur wegen dem Geld.

    • andy am 30.12.2015 10:50 Report Diesen Beitrag melden

      98% !!!

      und dafür wird rund 98% des Wassers der Aare benötigt? Wohl eher nicht... Ich verstehe es auch nicht, warum um jeden Preis Ski gefahren werden muss, auch wenn's noch gar keinen Schnee hat, aber das Verhältnis ist doch in einem etwas anderen Rahmen.

    • Dave H am 30.12.2015 11:02 Report Diesen Beitrag melden

      Schnee aus dem Jordan?

      Das ist mir jetzt neu, dass die Schweizer Skigebiete Wasser aus dem Jordan zu Schnee verarbeiten. Tatsächlich hilft es trockenen Gebieten überhaupt nicht, wenn wir bei uns das im Überfluss vorhandene Nass "sparen". Es hilft auch Peking nicht, wenn wir aus Solidarität unsere relativ saubere Luft nicht atmen.

    • sam am 31.12.2015 07:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dave H

      und mir ist neu,dass wir wasser im überfluss haben. dave du tscheggst es nicht...

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  • Rach73 am 30.12.2015 00:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Biblische Prophezeiung

    Hesekiel 47, 1-12 Dies wird schon im alten Testament prophezeit.

    • Genesis am 30.12.2015 01:52 Report Diesen Beitrag melden

      Im alten Testament steht auch

      Das die Haltung von Sklaven erlaubt sei. Dies schließt zur Not auch Christliche Sklaven ein. Wer also an Prophezeiungen glaubt, sollte seine letzten Tage in Freiheit genießen. Der eine oder andere mag sich als Sklave seines iPhone oder seiner Firma fühlen. Das ist allerdings nicht das, was die Bibel ankündigt

    • Fabo am 30.12.2015 07:19 Report Diesen Beitrag melden

      ah ja?

      @Genesis es ist ein Unterschied ob über das Verhalten gegenüber Sklaven bzw. über Sklaven geschrieben ist, oder ob zum Versklaven aufgefordert wird, bitte lies es nochmals durch, damit Du es richtig verstehst!

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  • jayjay am 29.12.2015 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    immer israel schuld

    hätte israel nicht die modernsten entsalzungsanlagen müssten sie alles wasser aus dem jordan nehmen und es gäbe das tote meer schon lang nicht mehr. aber hauptsache die leserschaft kann wieder mit dem finger auf israel zeigen. jordanien hat übrigens auch wasser vom jordan...

    • Moshe am 29.12.2015 23:10 Report Diesen Beitrag melden

      Rotes Meer bringt Hilfe

      Ich liebe dich 3 Im Artikel sollte auch erwähnt werden, dass Israel und Jordanien einen Kanal bauen, der Wasser vom Roten zum Toten Meer hinbringt. Das Tote Meer wird wieder aufgefüllt.

    • Mal Gelesen am 29.12.2015 23:54 Report Diesen Beitrag melden

      Trugschluss das Wasser vom Rotenmeer ...

      @Moshe, Gemäss Wissenschaftlern, ratet man davon ab den Wasserspiegel des Totenmeers mit dem des Rotenmeers aufzustocken, da sich so die ganzen Eigenschaften des Totenmeers verändern würden. Bakterien & Algen und andere Lebensformen des Rotenmeers würden sich invasiv verhalten und das Totemeer zerstören

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  • Moses am 29.12.2015 21:34 Report Diesen Beitrag melden

    Meerteilung

    Oh das Meer geht zurück, dann wird wohl bald wieder einer kommen der durchlaufen will.

    • Moses Wasserfloh am 30.12.2015 10:50 Report Diesen Beitrag melden

      Ein weiteres Wunder...

      Braucht es nicht mehr. Heut hat man Vierrad-Antrieb mit oben liegendem Auspuff (das Auto natürlich...).

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  • Mr. Wash am 29.12.2015 21:23 Report Diesen Beitrag melden

    wie sich die Zeiten wandeln...

    Früher gab es diesen Uralt-Kalauer: "Woran ist das Tote Meer gestorben? Es ist ertrunken!"... In Zukunft muss man wohl eher sagen "Es ist verdurstet!"