Nie wieder frei?

26. April 2016 10:12; Akt: 26.04.2016 10:12 Print

Lolita, der einsame Wal

Sie schwimmt in einem Mini-Aquarium, hat keine Gefährten und spult jeden Tag ihr Programm ab: Lolita ist der älteste in Gefangenschaft lebende Schwertwal der USA.

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Lolita lebt seit 46 Jahren in Gefangenschaft in Miami. Sie ist der am längsten in Gefangenschaft gehaltene Schwertwal in den USA. Einige Medien bezeichnen den 3200 Kilogramm schweren Meeressäuger als «traurigsten Orca der Welt». Lolitas Aquarium ist nur sechs Meter tief und nur viermal so lang wie sie selbst. Zudem muss sie ohne Artgenossen auskommen, obwohl die sogenannten Killerwale als sehr sozial gelten. 1980 hatte ihr Begleiter Hugo seinen Kopf wiederholt gegen die Aquariumwand geschlagen und war in der Folge an einem Aneurysma gestorben. Seither teilt sich Lolita ihren knappen Platz mit ein paar Delfinen.

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Jeden Tag führt die Wal-Dame im Miami Seaquarium die immer gleichen Kunststücke vor. Wenn die Shows vorbei sind, dümpelt sie reglos vor sich hin. «Das ist schwer mitanzusehen», sagt Wal-Expertin Ingrid Visser gegenüber dem britischen «Express».

Steine in den Wal-Bäuchen

Lolita war 1970 zusammen mit sechs weiteren Babys gefangen worden. Auf traumatisierende Weise, wie die Umweltschutzorganisation One Green Planet schreibt: Die Walfänger an der US-Nordwestküste setzten Seile, Netze und Sprengsätze ein, um die Jungtiere von ihren Müttern zu trennen. Bei dieser Jagd seien vier Jungtiere und ein erwachsener Schwertwal getötet worden. Um diese «Begleiterscheinung» geheim zu halten, hätten die Fischer die Bäuche der Tiere aufgeschnitten und mit Steinen gefüllt, damit die Kadaver nicht an Land geschwemmt würden. Anwohner berichteten, die Laute der Walmütter, die danach nach ihren Babys suchten, hätten wie Menschenschreie geklungen.

Lolita wurde an das Seaquarium verkauft, wo sie bis heute ihr Dasein fristet. Tierschützer kämpfen seit Jahren dafür, dass dem Schwertwal ein besseres Leben zugestanden wird. Der Schutzstatus, der seit 2005 nur für wild lebende, südlich beheimatete Schwertwale galt, wurde kürzlich ausgeweitet. Wie die Nationale Ozean- und Atmosphärenverwaltung (NOAA) mitteilte, gelten Tiere in Gefangenschaft ebenfalls als vom Aussterben bedroht und müssen geschützt werden.

«Lolitas Leben könnte gefährdet sein»

Davon zeigt sich das Miami Seaquarium unbeeindruckt. Lolita werde nicht in Freiheit entlassen, denn: «Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass das 49-jährige Tier im Pazifischen Ozean überleben würde, und die Freilassung soll kein Experiment sein», sagte Geschäftsführer Andrew Hertz dem «Independent». Lolita solle nicht das gleiche Schicksal wie das Orca-Männchen Keiko ereilen. Der tierische Held des Spielfilms «Free Willy» war 2002 ausgesetzt worden und nach eineinhalb Jahren in einem Fjord in Norwegen gestorben.

Ähnlich sieht es die Investmentfirma Arle Capital, der das Aquarium gehört. Lolita in die Wildnis zu entlassen wäre «ein fahrlässiges und grausames Experiment. Allein der Transport wäre traumatisierend und Lolitas Leben könnte in Gefahr sein», so eine Sprecherin.

Ziel der Aktivisten: Lolita mit Mutter vereinen

Tierschützer fordern dagegen, Lolita solle in eine abgesperrte Bucht gebracht werden, sodass sie sich an ihr neues Leben in Freiheit gewöhnen könne. Wenn sie wieder jagen könne, werde man sie an der US-Nordwestküste mit ihrer Familie vereinen. Diese lebt im Pazifik und gehört zu den meistbeobachteten Orca-Populationen der Welt. Lolitas Mutter ist mittlerweile 90 Jahre alt und wurde von Wissenschaftlern auf den Namen Ocean Sun getauft. Die Aktivisten, aber auch Experten vom Centre for Whale Research, gehen davon aus, dass Lolita selbst nach 46 Jahren in Gefangenschaft von ihrer Familie erkannt und akzeptiert würde.

Aktivisten von Orca Network, Peta und anderen Tierschutzorganisationen haben mehrfach gegen das Miami Seaquarium geklagt. Bislang vergeblich. Auch im kommenden Monat wird sich ein Gericht in den USA mit Lolitas Schicksal befassen. Möglicherweise wird die Ausweitung des Schutzgesetzes für Tiere in Gefangenschaft zum Wendepunkt im Leben der Wal-Dame.

(gux)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • G.K. am 26.04.2016 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Da kann man nur hoffen, dass das Tier bald eines "natürlichen" Todes stirbt und daher von seiner grausamen Gefangenschaft erlöst ist...

  • Sina am 26.04.2016 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffen

    Ich hoffe sehr für dieses schöne Tier, dass es noch ein Happy End gibt, bevor es zu spät ist.

  • Black Fish am 26.04.2016 10:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sozialsten Tiere der Welt

    Seht euch mal die Doku 'Blackfish' an! Da gehts um Schwertwale in gefangenschaft! Grausam. Mir sind die Tränen nur so runtergekullert.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lina am 27.04.2016 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echt widerlich

    Das ist echt widerlich. Aber typisch Mensch. Er masst sich an, dass er das Recht hat, Tiere zu benutzen, wie es ihm gefällt. Menschen, die solche Shows anschauen, sind leider nicht in der Lage Emphatie zu empfinden. Das heisst, dass sie emotional verkümmert sind.

  • Scotti am 27.04.2016 06:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit ?

    In diesem grausligen Becken würden wahrscheinlich nicht mal die Halter schwimmen. Eine Schande für Amerika.

  • Jery hubi am 26.04.2016 20:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Schlimm

    Nicht mein Problem. Ich liebe Tier shows, diese gehe ich immer wieder anschauen. Ein Tier ist wie en Stuhl, man muss ihn benützen und zu Geld machen.

    • James Morgan am 26.04.2016 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jery hubi

      Ja dann schwimmen Sie doch mal 46 Jahre im Kreis liebe Grüsse an ihre Psyche.

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  • CrazyGirl am 26.04.2016 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    46 Jahre...

    46 jahre.... eine endlose Zeit. 46 jahre in gefangenschaft - 46 jahre die selben Wände- 46 jahre die selben runden drehen- 46 jahre die selben Abläufe machen... 46 jahre ein Leben dass einer Hölle gleicht.... 46 Jahre in denen dieses Schicksal nie aber auch nicht einmal geändert wurde =( hoffen wir dass nun entlich ein Durchbruch gelingt... traurig...da bluten manche Herzen...

    • NoName am 26.04.2016 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Schlimm

      So lange bleibt in der schweiz nicht einmal ein zu 'lebenslang' verurteilter in die kiste (oder)

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  • Martin am 26.04.2016 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaubliche Qual

    Ich hoffe das wir alle verstehen, Dass es nicht auf die Grösse der Tiere ankommt die in Gefangenschaft leben. Sondern nur allein das ihnen alles weggenommen wird! Ich werde deshalb auch nie einen Zoo besuchen oder dergleichen ( was mit Tieren tu tun hat.

    • kewi am 26.04.2016 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martin

      Ich kann ihre Einstellung nachvollziehen. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass einige Tierarten nur dank den Zoos noch Leben. Es sollte einfach dem Tier angepasst sein. Einige Tierarten sind auch Erfolgreich wieder ausgewildert worden. Diesem Orca wünsche ich eine andere Zukunft wie das was er jetzt hat!

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