Gefallener Promi

23. April 2013 12:23; Akt: 23.04.2013 12:37 Print

Macht Hoeness jetzt den Wulff?

Glaubt man deutschen Medien, reibt sich Sepp Blatter wegen der Steuer-Affäre die Hände, während der «kultivierte Krawallbruder» Roger Köppel den Finanzplatz Schweiz verteidigt. Eine Presseschau.

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«» gilt als der Meinungsmacher des Stammtischs. Schiesst das Blatt wie bei der Causa Christian Wulff auf den gefallenen Promi ein? Noch hält sich die Zeitung zurück und fragt bloss: «Ist Hoeness süchtig?» Der Manager habe ein «geheimes Schweizer Konto» mit 20 Millionen Euro «Spielgeld» und handelt «auf allen Märkten». Die Redaktoren diagnostizieren deshalb eine «Börsen-Sucht». Die «» hält sich ebenfalls mit Kritik zurück und lobt stattdessen die Opposition: Grüne und SPD hätten mit ihrem Nein zum Steuerabkommen verhindert, dass einer wie Uli Hoeness sich anonym aus seinem Vergehen herauskaufen kann und finanziell profitiert: «Wer regelmässig Schwarzgeld in die Schweiz geschafft hat, hätte mit einem Steuersatz zwischen 32 und 35 Prozent rechnen müssen. Beides ist deutlich günstiger als der Spitzensteuersatz auf Einkommen, der bei 42 Prozent liegt.» Die «» konzentriert sich auf den Überbringer der Skandal-Nachricht. «In der gestrigen Ausgabe des Focus stand kein Iota mehr als das, was am Sonntag schon alle wussten – und es stand auch darin, dass weder der Beschuldigte noch die Staatsanwaltschaft eine Hausdurchsuchung bei Hoeness bestätigt haben. Das war eine schon verdächtig dürre Enthüllungsgeschichte.» Bemerkenswert ist, dass die Frankfurter sich auch Roger Köppels Auftritt in der ARD-Talkshow «» vornehmen. «Vom Schweizer Publizisten und Chefredakteur der Weltwoche weiss man verlässlich, dass er immer genau das sagen wird, wovon er glaubt, dass er damit am meisten anecken werde. Dass einer zwar nicht versteht, wie Hoeness das tun konnte, zugleich aber meint: Wenn selbst Leute wie Hoeness ihr Geld in Sicherheit bringen, ist das kein Vertrauensbeweis in den deutschen Staat; dass er den behördlichen CD-Kauf als Hehlerei bezeichnet und schliesslich noch darauf verweist, wie Gewerkschaften und Juden in den dreissiger Jahren ihr Geld in der Schweiz deponierten, das entspricht dem Rollenbild des kultivierten Krawallbruders.» «» hatte als erstes Medium über den Fall berichtet. Doch nun rudern die Münchner verbal zurück – und kritisieren ausgerechnet die Presse. «Ein anderer Fall liegt gerade mal ein Jahr zurück. Dass Christian Wulff und (vor allem) seine Frau kein würdiges Paar in Schloss Bellevue waren, ist die eine Sache. Für manchen gar eine Tatsache. Doch die Hysterie und der Zerfleischungsmechanismus in diesem Fall zeigen, wie Deutschland sich auf viele Themen mit moralischem Furor stürzt. Wer Fleisch frisst, wird zum Mörder. Wer nicht stillt, missbraucht sein Kind. Wer verbal dirndlt, darf als Sexist geschlachtet werden.» Der «» lässt den Leser zu Wort kommen. Einer fasst die Stimmung treffend so zusammen: «Als Unternehmer und Privatmann hat er immer öffentlich die soziale und gesellschaftliche Verantwortung der Besitzenden betont und gelebt. Wohltuende Worte und Taten in unserer auf persönliche Nutzenmaximierung getrimmten Gesellschaft. Sein Engagement und seine Leistung wird durch die Steueraffäre nicht geschmälert, es fügt dem Wirken von Uli Hoeness aber eine Komponente dazu, von der wir Bürger gehofft haben, dass sie hier endlich mal fehlt: Zu meinen, sich nicht an Regeln halten zu müssen, die für Millionen andere gelten.» Die «» flüchtet sich in Ironie. Ein Auszug aus der lesenswerten Kolumne: «Er ist halt ein Sauhund, dieser Hoeness, ein echter Pfundskerl. Den haut so schnell nichts um. Wie eine Edeltanne steht er am Tegernsee und denkt sich seinen Teil. ... Auch der Hoeness ist ein Mensch. Der hat auch Rechte. Gerade einer, der immer an die Schwächeren denkt, an den alkoholkranken Mitspieler und kaputte Vereine, den darf man nicht von heute auf morgen zum Verbrecher und zum Kriminellen machen. [] Er sollte sich nicht vergraulen lassen von diesen Neidhammeln und Medientrotteln. Angst vor den Staatsanwälten sollte er schon gar nicht haben. Er kennt doch den Edi [Edmund Stoiber, CSU] und den Horst [Seehofer, CSU]. Die werdns schon irgendwie richten.» In einem ernsteren Kommentar lenkt die «» klug den Blick auf jene, die sich nach dem Skandal die Hände reiben. «Am Zürichsee dürften am Samstagabend die Sektkorken geknallt haben. Sepp Blatter, die Skandalnudel des Weltfussballverbands Fifa, hat wieder einen Gegenspieler weniger. Uli Hoeness, einer der grössten Blatter-Kritiker, hat sich mit seiner Steueraffäre selbst ins Aus gesetzt.» Der «» hält nichts von Hoenss-Rücktrittsforderungen und kommentiert lakonisch: «Wenn Joachim Gauck oder Angela Merkel unversteuert Millionen in die Schweiz geschafft hätten - na gut, da hätte man mal kurz an der Menschheit zweifeln mögen. Aber Hoeness? Ein Mann, der öffentlich über die steuerliche Belastung von Fußballern und ihren Managern klagt? [] Da wäre man fast ja schon enttäuscht gewesen, wenn so ein gewiefter Stratege, so ein Transfer-Genie und Millionenjongleur so gar keine Schwarzgeldkonten gehabt hätte.» Der Berliner «» fragt: « Es gibt heute mehr legale und illegale Möglichkeiten der Steuervermeidung für reiche Individuen und multinationale Konzerne als je zuvor. Und es ist eine Schande, wie wenig die Politiker dagegen tun. Oder werden die Reichen bewusst geschont?»

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Der Champions-League-Halbfinal Bayern München - FC Barcelona hat das Potenzial zum «Strassenfeger». Doch vor dem heutigen Hinspiel geht es wenig um Fussball und viel um Justiz, Politik und Justiz. Am Montagmittag war Uli Hoeness für ein paar Minuten kein Thema.

Als Trainer Jupp Heynckes und Captain Philipp Lahm vor die Medien traten, gab die Kommunikationsabteilung des FC Bayern München eine klare Order aus. «Keine Fragen zur Affäre des Präsidenten.» Die Selbstanklage von Uli Hoeness wegen Steuerhinterziehung soll die Vorbereitung auf das Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Barcelona nicht beeinträchtigen. Gegen aussen stellten die Bayern die Affäre weiterhin als Privatsache ihres Chefs dar.

«Süddeutsche» kritisiert «besserwisserischen Ton»

Doch mit Heynckes und Lahm verschwanden nach der Medienkonferenz auch die Gedanken an den unklaren Formstand von Lionel Messi, an das Gegenmittel gegen katalanisches Tiki-Taka oder an die Verfolgung bayrischer Rekorde und an die Sperre von Topskorer Mario Mandzukic sowie an den Champions-League-Halbfinal als solchen vom Radar. Wieder gab es nur ein Thema: Uli Hoeness.

Nach dem Erdbeben vom Samstag, als bekannt wurde, dass Hoeness dem deutschen Staat Ertragsgewinne auf einem Schweizer Bankkonto in Millionenhöhe verheimlicht hatte, und endlosen Debatten darüber am Sonntag kamen am Montag Fragezeichen auf. Die «Süddeutsche Zeitung» fragte sich, «ob Uli Hoeness, der die Missstände nicht nur in der Welt des Fussballs, sondern auch jene in der Welt der Wirtschaft in einem scharfen, nicht selten besserwisserischen Ton anprangerte, [...] irgendwann, nach Ende des Verfahrens, noch einmal Gehör finden wird.»

Hoeness heute im Stadion

Doch während die «Westfalenpost» die Münchner «‹Abteilung Attacke› auf dem Abstellgleis» wähnt, geht Hoeness bereits wieder in den Angriff. «Gegen die Exzesse in einigen Berichterstattungen werde ich mich anwaltschaftlich zur Wehr setzen», sagte Hoeness und platzierte gleich noch eine Drohung. «Für die wird es richtig teuer.»

Am Samstag in der Bundesliga gegen Hannover war Uli Hoeness dem Stadion ferngeblieben. Am heutigen Dienstag wird er in der Allianz Arena Platz nehmen, wenn der FC Bayern gegen die «Übermannschaft» aus Spanien zum drittletzten Schritt auf dem Weg zum seit zwölf Jahren ersehnten Champions-League-Triumph ansetzt. Die Rekordsaison soll mit dem Triple enden. Es wäre der Höhepunkt in der beispiellosen Funktionärskarriere von Hoeness.

(phi/si)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Reto am 23.04.2013 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Peinliche Nummer

    Sorry, das ist eine peinliche Nummer von Honess. Er hätte seit dem auftauchen der allerersten Daten CD, vor vielen Jahren reinen Tisch machen können. Er tut es erst jetzt, weil er wusste, dass er nun wohl auch auf den neuen Daten sein könnte.

  • Roger Zürich am 23.04.2013 17:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt ulli.. 

    Er wird reinen tisch machen, so wie das immer gemacht hat..!! Ich habe auf jeden fall hohen respekt vor ihm..!!

  • Leserin am 23.04.2013 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    Hoeness und Bayern

    Ohne ihn sind die Bayer Nichts. Das Geld kann Rostock gebrauchen. Fördert doch lieber Vereine die es verdienen.

  • P. Buchegger am 23.04.2013 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Köppel erntete ungläubiges Kopfschütteln

    Ich hab gestern Abend die Talkshow "hart aber fair" bei ARD gesehen, wo auch Roger Köppel auftrat. Oben im Bild 4/10 könnt Ihr seine peinliche Aussage in einer Art Zusammenfassung lesen. Um die Schwarzgeld-Politik der Schweizer Banken von HEUTE zu rechtfertigen, kam unser Roger nun tatsächlich mit den Geldern der Juden und Gewerkschaften der 1930er Jahre daher. Man kann sich auch so lächerlich machen.

    • Schweizerin am 23.04.2013 16:25 Report Diesen Beitrag melden

      Aussage

      Wenn es war ist, darf man es auch sagen, und beim Namen nennen !

    • Gabi G am 23.04.2013 17:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Recht hast Du 

      Ganz recht einfach nur peinlich der Herr.

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  • B. H. am 23.04.2013 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wo war das Amtsgeheimniss ?

    Der Sinn der Selbstanzeige ist das dieses normalerweise NICHT öffentlich bekannte wird. Ja Herr Hoeness hat einen Fehler gemacht und wollte diesen richten. Aber jetzt sieht man mal dass im sogenannten Rechtsstaat Deutschland das Amtsgeheimiss nichts wert ist. Sonst würde es diesen Rummel jetzt nicht geben. Hier kann man nur sagen Kopf hoch Herr Hoeness, den Privat ist Privat und Geschäft ist Geschäft. Auch sollte man nicht Vergessen das er seine Bezahlungen für Reden immer direkt einen Hilfseinrichtung zukommen liess, im Gegensatz zu einen Herr Kanzlerkandidaten.

    • Kudi am 23.04.2013 16:14 Report Diesen Beitrag melden

      Alles vergessen

      Ja genau, auch ansonsten hat er sehr viel für sozial Schwache gemacht. Aber das wird dann sofort alles vergessen.

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