Welle holt Jungen

12. März 2013 11:50; Akt: 12.03.2013 12:35 Print

Menschenkette rettet Bub vor sicherem Tod

Ein 12-jähriger Neuseeländer spielt im knietiefen Wasser, als ihn die Wellen hineinziehen. Minutenlang ringt er um Luft, bis Polizisten und Badegäste die Idee haben: Gemeinsam sind wir stark.

Ein Amateurvideo der Rettungsaktion. Quelle: Liveleak

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Josh McQuoid hat nicht bloss einen Schutzengel. Er hat gleich mehrere Retter, denen er sein Leben verdankt. Der 12-Jährige spielte am 10. März gegen 17 Uhr mit seinem ein Jahr älteren Kumpel Hikiroa Ratapu am Strand von Napier in Neuseeland, als es passierte. «Ich war nur knietief drin – deshalb wurde ich so überrascht. Es hat mich von den Füssen gerissen», sagte der Junge der Zeitung «Dominion Post».

Das Meer wollte sich den Knaben holen. «Die Welle traf mich so hart, dann kamen fünf hintereinander. Sie haben mich einige Male herumgewirbelt. Ich war bis zu 20 Sekunden unter Wasser. Als ich da drin war, dachte ich, ich sterbe», sagte Josh gegenüber «Television New Zealand». 150 Meter wurde der Knabe am Strand umhergespült, für acht Minuten wurde er zum Spielball der Wellen. «Ich wusste nicht, wo oben war. Es fühlte sich an wie in einer Waschmaschine.»

«Werden Sie nachher nach zwei Leichen suchen?»

Wenn nicht Polizisten und ein deutscher Tourist hervorgeprescht wären und zusammen mit Badegästen eine kluge Rettungsaktion gestartet hätten, wäre Josh dem Tod nicht von der Schippe geschwommen. Als Erster sprang Constable Pasul Bailey in die schwere See. «Ich verlor Josh etwa drei Mal und hatte Panik, ob ich ihn zurückholen kann. Unter den Wellen habe ich mich einige Male gefragt: Habe ich das Richtige getan?» Der 30-Jährige hat selbst vier Kinder. «Werden sie nachher nach zwei Leichen suchen?»

Sein Kollege Constable Bryan Farquharson besann sich auf das Motto «Gemeinsam sind wir stark». «Ich schrie und forderte die andere Leuten am Strand herüberzukommen: ‹Kommt und helft uns!› Als sie näher kamen, sagte ich: ‹Greift ineinander und formt eine Kette!›» Die Rettungsaktion gelingt. «Es war unglaublich mit anzusehen und eine grosse Erleichterung, zu sehen, wie der Junge an Land gebracht wurde», sagte eine Augenzeugin.

«Wenn sie nicht gewesen wären, wäre ich tot»

Als Josh aus dem Wasser gezogen wird, ist er ohne Bewusstsein, doch dank Erster Hilfe erholt sich der Neuseeländer im Spital schnell und kann noch am Sonntag das Spital verlassen. «Ich möchte allen herzlich danken, sie haben mein Leben gerettet. Wenn sie nicht gewesen wären, wäre ich tot», sagt der dankbare Schüler. Sein Vater, Shane McQuoid, lobt auch Hikiroa, den Freund seines Sohnes. Er sei ein «kleiner Held», weil er Alarm geschlagen habe. «Wenn er nicht richtig überlegt hätte, wäre er auch reingesprungen.»

Neuseelands Küsten sind nicht selten ein Gefahrenherd. An besagtem Marine-Parade-Strand in Napier kamen seit 1996 fünf Menschen um. Die Sommer-Badesaison dauert auf der anderen Erdseite noch bis zum 3. März. Sie hat im ganzen Land bisher 11 Todesopfer gefordert.


Der Bericht des TV-Senders TVNZ. Quelle: Liveleak

(phi)