Kein #MeToo im Silicon Valley

11. Dezember 2017 05:47; Akt: 11.12.2017 05:47 Print

Models sollen Nerds am Weihnachtsfest amüsieren

Während alle Welt über Sexismus debattiert, engagieren Agenturen im Silicon Valley hübsche Damen, die für gute Stimmung und Spass an den Weihnachtspartys sorgen sollen.

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Von wegen #MeToo: Im Silicon Valley engagieren Eventagenturen attraktive Frauen, um die Weihnachtspartys der grossen Tech-Firmen aufzulockern. Die jungen Damen sollen sich unter die männlichen Gäste mischen und sich mit ihnen unterhalten. Dafür bekommen sie zwischen 50 und 200 Dollar pro Stunde ausbezahlt.

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Hübsche Frauen für Weihnachtspartys anheuern: Darf man das?

Wie das Wirtschaftsportal «Bloomberg» berichtet, ist der Partydienst ausgerechnet in diesem Jahr, in dem weltweit Debatten über sexuelle Belästigung geführt werden, besonders gefragt.

Models sind irgendjemandes «Kollegin»

Das Event-Unternehmen Cre8 Agency gab gegenüber «Bloomberg» an, 25 Frauen und fünf Männer für die Weihnachtsparty einer grossen Internet-Firma vermittelt zu haben. Die Geschäftsführerin von Cre8, Farnaz Kermaani, erklärte, sie habe die 30 Kandidaten lediglich aufgrund ihres Aussehens gewählt.

Die Auserkorenen seien gezwungen worden, ein Geheimhaltungsabkommen zu unterzeichnen, so Kermaani. Ausserdem wurden den Frauen die Namen gewisser Mitarbeiter angegeben, damit sie sich als dessen «Kollegin» ausgeben können – im Fall, dass sich jemand an der Anwesenheit der Fremden stören sollte. Bei der Sache gehe es auch um Diskretion, betont die Eventmanagerin. «Keiner möchte den Eindruck bekommen, dass sein Gegenüber mit ihm quatscht, nur weil es dafür bezahlt wird.»

Keine Ausschnitte, keine Minijupes

Das Geschäft sei nicht neu, dennoch habe sich in den letzten Jahren einiges geändert, sagt Chris Hanna von der Agentur TSM. Seien es früher eher Hostessen gewesen, die bei den Partys aushelfen sollten, seien heutzutage Frauen gefragt, die für «gute Stimmung und Spass» sorgen sollen.

Olya Ishchukova, CEO von Models in Tech, weigert sich, Models an Partys zu schicken, wenn der Kunde «tiefe Ausschnitte oder zu kurze Shorts» bestellt. «Ich erkläre ihnen, dass das nicht unser Business ist.» Ausserdem ist es für sie wichtig, dass man für die Frauen eine konkrete Aufgabe definiert. «Entweder an der Bar oder im Kleiderraum. Es soll einfach klar sein, dass die Frauen dort arbeiten und nicht mehr als das.»

Wichtig: den Kunden genau kennen

Für die Models von Chris Hannas Agentur gelten strenge Richtlinien: kein Alkohol und keine zu kurzen Jupes. Zudem wird ihnen verboten, private Kontakte mit den Partygästen auszutauschen. Das sei schwierig, gibt der Boss zu, wenn die Models eigentlich so tun müssen, als seien sie ebenfalls geladene Gäste.

Agenturmanagerin Farnaz Kermaani geht oft zuerst die Firmen besuchen, die ihre Models für Weihnachtspartys engagieren wollen. «Wenn mir jemand komisch vorkommt, dann lehne ich den Auftrag ab. Denn ich kann nur annehmen, dass sich diese Menschen auch komisch gegenüber meinen Models verhalten werden. Das Silicon Valley hat nicht gerade den besten Ruf», sagt sie.

(kle)