Reliquien des Bösen

29. Januar 2012 20:13; Akt: 29.01.2012 20:13 Print

Mörder-Souvenir, kaum getragen, 1800 Dollar

Der Taschenrechner eines Amokläufers, der Armreif eines Psychopaten – in den USA ist ein morbider Markt mit Gegenständen von Serienmördern entstanden. Opfer-Angehörige sind entsetzt.

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Die 33-Zentimeter-Strähne für 1800 Dollar - sie gehörte Mordanstifter Charles Manson. (Bild: Screenshot murderauction.com)

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Bevor Seung-hui Cho im April 2007 an der technischen Hochschule von Virginia 32 Menschen umbrachte, verkaufte er seinen Taschenrechner auf ebay für 62 Dollar, Versandkosten inklusive. Heute steht das Gerät für 3700 Dollar bei «supernaught.com» zum Verkauf – es ist ein sogenanntes «Murderabilia», ein ehemaliger Gegenstand eines Killers oder Mörders, das zum Sammelobjekt wurde.

In den USA haben sich eine Handvoll Webseiten auf den Verkauf von Murderabilia spezialisiert. «Der Markt boomt», sagt Eric Gein, Besitzer der Webseite «serialkillersink.com» gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. In den letzten drei Jahren hat der Namensvetter des Mörders und Leichenschänders Ed Gein (er diente als Vorlage für den Hitchcock-Film Psycho) über 500 der makabren Gegenstände verkauft.

Gein selbst gab in einem Interview an, schon in früher Kindheit eine grosse Faszination für Serienkiller entwickelt zu haben. Zu seinen Freunden zählt er heute den mehrfachen Mörder Richard Ramirez, der in einer Todeszelle auf seine Hinrichtung wartet – und Gein bis dahin mit Souvenirs beliefert. Mit der Satanistin und Mörderin Christa Pike war Gein nach eigenen Angaben gar verlobt.

Verschwitzt vom Vergewaltiger

Derweil laufen die Geschäfte für den Mann aus Jacksonville wie geschmiert. Kürzlich verkaufte er den Ring eines Gründungsmitglieds der Arischen Bruderschaft für 400 Dollar – für denselben Preis wechselte auch eine Insassenkarte des Gefängnisses San Quentin den Besitzer. Ein Brief des UNA-Bombers Ted Kaczynski (175 Dollar) oder naive Portraits von Pornostarlets des Mörders Roberto Bardo (30 Dollar) waren günstiger. Die Angebote von Geins Konkurrenten liefern ein ähnliches Bild.

Das Unterhemd des satanistischen Kannibalen Edward Spreitzer, das er in seiner Todeszelle getragen haben soll, wird auf «supernaught.com» für 160 Dollar angeboten, reduziert von 275 – ein Schnäppchen. «Murderauction.com» bietet eine Haarlocke von Charles Manson feil. Der berühmte Anstifter mehrerer Morde (unter anderem von Roman Polanskis schwangerer Frau Sharon Tate) steht bei den Sammlern hoch im Kurs. Deshalb auch der stolze Preis: 1800 Dollar kostet die 33 Zentimeter lange Strähne.

Widerstand regt sich

Wirkt der Erwerb solcher Murderabilia bereits befremdlich, stossen noch extremere Verbrecher-Souvenirs endgültig auf Unverständnis. Kürzlich wurden Fotografien von ermordeten Kleinkindern verkauft: «Welches kranke Individuum will mit den Bildern meines toten Babys Profit erzielen?», fragte sich kürzlich Pam Hobbs, die Mutter eines der abgebildeten Opfer in einem Interview mit «WMC-TV». Auch andere Hinterbliebene sind entsetzt: «Das glorifiziert die Kriminellen», sagte Harriett Semander der «New York Times». Ihre Tochter wurde 1982 von Coral Eugene Watts umgebracht – ein Brief von Watts wurde Jahre später online verkauft.

In acht Staaten der USA ist der Handel mit Murderabilia verboten. Zu wenig, findet Anwalt Andy Kahan: «Es ist eine heimtückische und ekelhafte Industrie», sagte er gegenüber «theage.com». Kahan führt einen Feldzug gegen den Markt und strebt ein nationales Verbot an. Für Sammler wie Verkäufer ist er damit ein rotes Tuch.

Als Kahan von CNN zu einem Streitgespräch mit Eric Gein eingeladen wurde, liess sich der Besitzer von «serialkillersink.com» entschuldigen, nur um auf der eigenen Homepage Kahan mit antisemitischen Hassparolen zu beschimpfen. Überraschen kann diese Reaktion nicht mehr.

(tog)