Rügen

16. April 2018 12:41; Akt: 17.04.2018 06:46 Print

Münzschatz von Wikingerkönig entdeckt

Auf der Insel Rügen haben Archäologen einen Schatz aus dem 10. Jahrhundert ausgegraben. Er gehörte wohl einem König, den heute jeder kennt.

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Teile des Silberschatzes mit gewendeltem, verschliessbarem Drahtring, Silberperlen mit Granulationsauflage, zerhacktem Silberschmuck, Thorshammeramulett und dänischen sowie ottonischen Münzen. Zusammenstellung von sächsischen, ottonischen, dänischen und byzantinischen Münzen, z.T. wohl als Anhänger genutzt (durchlocht). In einem Acker auf der Ostseeinsel Rügen sind Archäologen auf einen wertvollen skandinavisch dominierten Silberschatz aus dem späten 10. Jahrhundert und damit aus der Umbruchsepoche von der Wikingerzeit zum Christentum gestossen. Auf einer Fläche von etwa 400 Quadratmetern nahe der Ortschaft Schaprode bargen sie diversen Schmuck sowie Münzen. Ein Teil des Funds: Vollständiger und zerhackter silberner Ringschmuck und verschiedene Schmuckfragmente als Hacksilber. Ein Ohrring aus Silberblechkapseln mit Fadengranulation (slawische oder skandinavische Werkstatt). Eine Münze aus der Zeit von Harald Blauzahn (936–984); diese Brakteate war der erste eigenständige Münztyp Dänemarks. Mit einem Silbergewicht von 0,3 Gramm hat sie nur einen geringen Silberwert. Bereits in den Jahren 1872 und 1874 war nur wenige Kilometer entfernt der berühmte Hiddenseer Goldschmuck entdeckt worden, der dem Dänenkönig Blauzahn zugeschrieben wird. Hobbyarchäologe René Schön hat den wertvollen Silberschatz des Dänenkönigs Blauzahn zufällig mit seinem Metalldetektor entdeckt. Der als Wikinger geborene Blauzahn gilt als Begründer des dänischen Reiches, indem er das Land einte, das Christentum einführte und Reformen durchsetzte.

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In einem Acker auf der Ostseeinsel Rügen haben Archäologen einen Silberschatz aus dem späten 10. Jahrhundert gefunden. In der Nähe der Ortschaft Schaprode gruben sie am Wochenende verschiedene Schmuckstücke sowie etwa 600 teilweise zerhackte Münzen aus. Mehr als 100 Münzen ordneten sie der Regentschaft des legendären Dänenkönigs Harald Blauzahn (910–987) zu.

«Dieser Schatz ist der grösste Einzelfund von Blauzahn-Münzen im südlichen Ostseeraum und damit von herausragender Bedeutung», sagte der Archäologe und Grabungsleiter Michael Schirren. Er geht davon aus, dass die Wertsachen gezielt versteckt wurden, man müsse den Fund nun aber zunächst genauer untersuchen.

Zufällig von Hobbyarchäologen entdeckt

Entdeckt wurde der Schatz vom Hobbyarchäologen René Schön und dem 13-jährigen Luca Malaschnitschenko. Die beiden suchten die Gegend mit Metalldetektoren ab und stiessen dabei zufällig auf den Fund ihres Lebens. Es handelt sich um kunstvoll geflochtene Halsreife, Perlen, Fibeln, einen Thorshammer, zerhackten Ringschmuck und die rund 600 teils zerhackten Münzen.

Die Ausgrabungsfläche auf dem Acker ist etwa 400 Quadratmeter gross. Nur wenige Kilometer entfernt liegt die Insel Hiddensee. Dort wurde in den Jahren 1872 und 1874 der berühmte Hiddenseer Goldschmuck entdeckt, der dem Dänenkönig Blauzahn beziehungsweise seinem engen Umfeld zugeschrieben wird.

Bluetooth-Logo zeigt Initialen des Königs

Der als Wikinger geborene Blauzahn gilt als Begründer des dänischen Reiches, indem er das Land einte, das Christentum einführte und Reformen durchsetzte. Er nutzte dazu die Hilfe der Kirche, war aber auch für seine Kommunikationsfähigkeit und die Zusammenarbeit mit allen skandinavischen Völkern bekannt. Als die Firmen Ericsson und Nokia zusammen mit anderen Unternehmen einen Datenübertragungsstandard entwickelten, wählten sie den Namen als Hommage an den dänischen Wikingerkönig: Bluetooth. Das Zeichen zeigt die Initialen HB in Runenschrift.

Die Zusammenarbeit von Harald Blauzahn mit der Kirche führte allerdings zum Konflikt mit seinem Sohn Sven Gabelbart (965–1014), der sich immer noch als Wikinger sah. Zwischen Vater und Sohn kam es 986 zur Ostseeschlacht von Helgenes, welche der Sohn mithilfe der Jomswikinger gewann. Der unterlegene Blauzahn floh ins heutige Grenzgebiet von Deutschland und Polen, wo er ein Jahr später auf der Jomsburg starb. Sein Sohn trat die Nachfolge als König von Dänemark an.

(anf)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • steff am 16.04.2018 13:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Arbeit

    Gelungener Artikel mit spannenden Infos. Ich finde es wichtig dass die Autoren auch mal gelobt werden, wenn die Arbeit gut war.

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  • S.meier am 16.04.2018 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Man lernt nie aus

    Oha, da hab ich doch wirklich was gelernt bei 20. Minuten. Wusste nicht, dass bluetooth dem wikingerkönig gewidmed wurde.

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  • Maler50 am 16.04.2018 13:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratuliere

    Gratuliere den beiden Findern.Welch ein Gefühl muss dies sein solch einen Schatz zu finden, unabhängig davon ob die beiden einen Finanziellen nutzen ziehen dürfen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Leo65 am 17.04.2018 13:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur brotprösel....?

    und was bekommt der kleine jung finder finanziell....?

  • Arya am 16.04.2018 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    Blauzahn

    Hail Harald Blauzahn, Bruder unseres Volkes! Schön hat man deinen Schatz heben können, damit sich deine Nachfahren daran erfreuen.

    • marko 33 am 16.04.2018 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Arya

      Genau

    • Pingvellir am 16.04.2018 19:30 Report Diesen Beitrag melden

      Richtigstellung

      Leider hat Blauzahn das Chrinstentum eingeführt und somit unsere gesamte Kultur verraten. Is also nix mit "Bruder unseres Volkes".

    • Sverige am 16.04.2018 19:42 Report Diesen Beitrag melden

      Kristendom

      Seh ich auch so. Ein Volksverräter.

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  • poli am 16.04.2018 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    ..kann nichts dafür..

    was bedeutet den der Begriff "Hobbyarchäologe"...und ausgerechnet dieser findet einen Schatz von Blauzahn oder Goldzahn oder wie er heisst.....ist mir etwas suspekt..

    • marko 33 am 16.04.2018 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @poli

      Genau

    • @Yep am 16.04.2018 19:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @poli

      Und warum erscheint Ihnen das suspekt ? Was meinen Sie damit ?

    • k.d. am 16.04.2018 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @poli

      "Hobbyarchäologe" ist jemand, der Archäologie nicht als Wissenschaft betreibt, sondern dem es primär um die Funde geht. Dass diese dieses Depot gefunden haben, liegt einzig und alleine daran, dass sie verbotenerweise mit dem Metalldetektor nach Metall im Boden gesucht haben.

    • M.G. am 16.04.2018 22:00 Report Diesen Beitrag melden

      Major Tony Clunn

      war auch Hobbyachäologe. Als Offizier der britischen Rheinarmee meldete er sich beim Kreisarchäologen der Stadt Osnabrück und bekam das Gebiet um das Dorf Kalkriese zugeteilt. Dort hatte er den Zustand der Denkmäler zu dokumentieren und Prospektionen zu machen. Nach Hinweisen der Landwirte fand er 1987 mit einem Metalldetektor den Ort der Varusschlacht. Ohne Mr. Clunn hätte es keine Ausgrabungen gegeben und es gäbe heute kein Museum. Für seine Arbeit wurde er 1996 von Queen Elisabeth II. zum Ritter ernannt.

    • PedroZH am 16.04.2018 23:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @k.d.

      Verbotenerweise?

    • Hebbert am 17.04.2018 05:17 Report Diesen Beitrag melden

      Archäologie als Hobby

      In D sind das amtlich registrierte, freiwillige Bodendenkmalpfleger. Die machen das in Ihrer Freizeit und arbeiten eng mit den Denkmalschutzbehörden zusammen

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  • Al Capone am 16.04.2018 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Finderlohn

    Ich würde dem Staat sagen: "Hey, ich habe etwas gefunden . Wollt Ihr wissen, wo es ist? was ist es euch wert?" Je nach Grösse des Schatzes würde ich ohne schlechten Gewissens einen Finderlohn verlangen.

    • marko 33 am 16.04.2018 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Al Capone

      Genau

    • k.d. am 16.04.2018 19:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Al Capone

      Kulturerbe ist für Dich kein Begriff oder? Aber dann wahrscheinlich am Stammtisch über alles was nicht traditionell ist schimpfen. Hier geht es um die Geschichte eines Landes bzw Volkes. Es geht um das Entstehen unserer Kultur. Aber Finderlohn ist natürlich wichtiger (selbstverständlich für dich, die anderen sollen sich gefälltigst an die Gesetze halten, sind ja unsere Kultur und unsere Errungenschaft)

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  • Alex Keller am 16.04.2018 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Das Hobby und der Neid

    Hier in der Schweiz könnte man auch solche Artefakte finden, wenn die Gemeinde es möchte. Leider sind Sondengänger hier nicht gerne gesehen, sondern werden als Grabräuber angesehen. Ist halt viel Neid dabei, wenn ein Hobby-Archäologe etwas findet, der studierte Archäologe erst einmal bis 6-8 Jahre durch die Uni-Lesungen durchkämpfen muss, bis er das erste Mal eine Schaufel in die Hände nehmen darf.

    • marko 33 am 16.04.2018 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Alex Keller

      Genau

    • @Yep am 16.04.2018 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Alex Keller

      Ja aber weiss denn der Hobby-Archeologe was er ausgegraben hat ? Oder muss er dann doch die Studis fragen ?

    • k.d. am 16.04.2018 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Alex Keller

      Was bringt es einen solchen Depotfund zu finden ohne den Kontext zu kennen? Nur weil Du ein Pflaster auf eine Wunde kleben kannst, macht dich das noch nicht zum Chirurgen. Archäologie ist nicht umsonst ein langjähriges Studium, bei dem wohlgemerkt bereits früh gelernt wird, wie ausgegraben wird (nichts mit 6 Jahre warten).

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