Voyeurismus?

06. Dezember 2017 17:58; Akt: 06.12.2017 17:58 Print

Museum trotzt Protesten gegen Mädchen-Gemälde

Über 9000 Menschen wollen ein Werk des Malers Balthus aus einem New Yorker Museum verbannen, weil es die «Sexualisierung von Kindern» romantisiere. Das Museum hält dagegen.

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«Therese, träumend» heisst das Werk, das seit fast 80 Jahren im Metropolitan Museum of Art (Met) in New York hängt. Es zeigt ein Mädchen, das mit angezogenem Bein so auf einem Stuhl sitzt, dass seine Unterwäsche zu sehen ist.

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Das Museum sollte «Therese, träumend» ...

Kritikern ist diese Darstellung zu anzüglich. In einer Petition fordern sie das Met auf, die Entscheidung, das Gemälde zu zeigen, zu überdenken. In einer Zeit, in der sich Berichte über sexuelle Gewalt und Übergriffe häuften, sei ein solches Bild nicht mehr angebracht. Das Museum verkläre damit «den Voyeurismus und die Sexualisierung von Kindern», heisst es weiter. Mehr als 9000 Menschen haben die Petition bereits unterzeichnet.

Balthus malte öfter junge Mädchen

Geschaffen hat das Gemälde der polnisch-deutsch-französische Maler Balthasar Kłossowski de Rola, genannt Balthus, im Jahr 1938. Balthus ist bekannt für seine erotisch aufgeladenen Bilder von jungen Mädchen. Therese soll seine Nachbarin und eines seiner Lieblingsmodelle gewesen sein. Als das umstrittene Bild entstand, war sie ungefähr 13 Jahre alt.

Die Diskussion hat die Unternehmerin Mia Merrill ins Rollen gebracht. Sie schlug dem Museum vor, das Werk von Balthus durch ein Gemälde einer Malerin aus derselben Epoche zu ersetzen.

«Gelegenheit zu einer Diskussion»

Doch das Museum weigert sich. Das Gemälde «Thérèse Dreaming» gebe die Gelegenheit zu einer «informierten Diskussion» mit Respekt für den künstlerischen Ausdruck, argumentierte Museumssprecher Ken Weine.

Man solle nun nicht «Kunst von den Wänden nehmen», pflichtete ihm Philip Kennicott, der Kunstkritiker der «Washington Post», bei. «Der Fokus sollte auf den sozialen Strukturen liegen, die den Missbrauch aufrechterhalten, und auf den Menschen, vor allem den Männern, die ihn begehen.»

Es ist nicht das erste Mal, dass Werke von Balthus hinterfragt werden. 2014 sagte das Museum Folkwang im deutschen Essen eine Fotografie-Ausstellung des Künstlers nach öffentlicher Kritik ab. Sie sollte Polaroids des Mädchens Anna Wahli zeigen, das während der Aufnahmen zwischen acht und 16 Jahren alt war.

(kko/ap)