Ausbeutung während Fotoshooting

04. Mai 2018 13:30; Akt: 04.05.2018 13:30 Print

NFL-Cheerleader mussten oben ohne posieren

Die Cheerleader des American-Football-Clubs Washington Redskins erheben schwere Vorwürfe. Bei den Aufnahmen für einen Kalender mussten sie sich mit nackten Brüsten ablichten lassen.

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Es geschah 2013 in Costa Rica. Die Cheerleader der Washington Redskins sollten dort an einem Fotoshooting für den neuen Kalender des Clubs teilnehmen. Was nach professionellem Posieren tönt, entwickelte sich für die Frauen rasch zu unzumutbaren Zuständen.

Die Tänzerinnen werfen dem Football-Club vor, sie seien oben ohne oder nur mit Körperfarben bemalt abgelichtet worden. Dies, obwohl der offizielle Kalender keine Nacktbilder zeigt. Daneben habe das Team Besucher eingeladen, die bei den Aufnahmen dabei gewesen seien. Ausserdem sei von einigen der Frauen nach dem Shooting verlangt worden, männliche Sponsoren in einen Nachtclub zu begleiten.

Keine sexuellen Handlungen

«Sie hielten uns nicht gerade eine Pistole an den Kopf, aber sie zwangen uns, dorthin zu gehen», wird eine Cheerleaderin in der «New York Times» zitiert. «Wir wurden nicht gefragt, wir wurden einfach aufgefordert.»

Zu sexuellen Handlungen sei es nicht gekommen, sagen die Frauen, doch hätten sie sich wie in einem Bordell gefühlt. Insbesondere störten sie sich daran, dass sie sich wie Sex-Objekte vorgekommen seien, die den Sponsoren hätten gefallen müssen. Das sei nicht Teil ihres Jobs.


«Es ist einfach nicht in Ordnung, Cheerleader mit einem fremden Mann ausgehen zu lassen, wenn dies das Mädchen nicht will», sagte eine Frau der Zeitung. «Aber leider denke ich, dass nichts geschehen wird, bis etwas Schreckliches passiert, bis ein Mädchen angegriffen oder vergewaltigt wird.»

«Ich bin der Mama-Bär»

Stephanie Jojokian, langjährige Direktorin und Choreografin der Redskins-Cheerleaders, widerspricht den Anschuldigungen. Niemand sei gezwungen worden, den Nachtclub zu besuchen: «Ich habe von niemandem verlangt, dorthin zu gehen», sagte Jojokian der «New York Times». «Ich bin der Mama-Bär und schaue zu allen. Wir sind eine grosse Familie, deren Mitglieder einander respektieren.»

Die Redskins weisen die Vorwürfe zurück. In einem offiziellen Statement des Clubs heisst es: «Das Programm ist eines der besten der Liga. Allen unseren Cheerleadern ist ein sicheres und konstruktives Umfeld vertraglich zugesichert. Wir sind stolz darauf, was unsere Cheerleader für unser Team, die Gesellschaft und unsere im Ausland stationierten Truppen leisten.»

In den vergangenen 48 Stunden habe der Verein Gespräche mit früheren und aktuellen Cheerleadern geführt. Dabei seien auch widersprüchliche Aussagen gefallen. Aber: «Wir nehmen diese Anschuldigung sehr ernst. Sollte sich nach Abschluss der Untersuchungen herausstellen, dass sich ein Mitarbeiter unangemessen verhalten hat, wird dieser mit Konsequenzen rechnen müssen», so Bruce Allen, Präsident der Redskins.


(bee)