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22. November 2012 15:24; Akt: 22.11.2012 15:24 Print

Nächste Ausfahrt Wohnzimmer

Weil sich ein chinesisches Ehepaar weigert, seine Wohnung zu räumen, müssen die Autofahrer auf der neuen Schnellstrasse nun einen kleinen Umweg in Kauf nehmen.

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In der chinesischen Stadt Taiyuan ist ein grösseres Bauprojekt blockiert. Zwei Hochhäuser sollten hier erstellt werden, doch diese Grabstelle stoppt den Bau des einen Gebäudes. Der Bau des zweiten Hochhauses (im Hintergrund) ist derweil schon weit fortgeschritten. Rundum wurde die Erde bereits abgetragen. Der Grabstein steht nun auf einem rund 10 Meter hohen Hügel. Der Bauherr hat den Nachkommen des Verstorbenen einen Betrag von umgerechnet rund 150000 Franken angeboten. Doch so einfach läuft das in China nicht, wo der Ahnenvereherung einen derart wichtigen Stellenwert einnimmt. Denn die Chinesen verstehen den Tod als eine Art Schlaf, aus dem der Verstorbene wieder aufwachen kann. Die Nachkommen des Verstorbenen wollen ein glücksbringendes Datum abwarten, um das Grab zu verlegen. Oder vielleicht spekulieren sie auch auf eine höhere Entschädigung. Dieses Haus war ein echter Hingucker. Es stand auf einer neu gebauten Autobahn, die in die Stadt Wenling führt. Eine Wohnung gehörte Rentner Luo Baogen und seiner Gattin. Erst hatten die beiden sich geweigert, ihr Haus zu verlassen: Die Kompensation reiche nicht aus, befanden die Senioren. Luo Baogen und seine Aussicht: Während das Haus früher umgehend geräumt worden wäre, werde heute Privateigentum mehr geachtet, sagte er. Doch dann kamen die Bagger doch noch. Nachdem sich die Besitzer einer Wohnung erst geweigert hatten, ihre Bleibe zu verlassen, stiegen sie nun doch auf ein Kompensations-Angebot der Behörden ein. Diese boten dem chinesischen Ehepaar umgerechnet 38'000 Franken. Jeder hat seinen Preis. Vielleicht hat sich das Autobahn-Ehepaar ja diese Hausbesitzerin zum Vorbild genommen. Im März 2007 weigerte sich eine Dame namens ... .... Wu Ping ihr Haus zu verlassen, obwohl ein Gericht die Räumung angeordnet hatte. Drei Jahre lang hielt die Chinesin durch, ... ... doch 2010 wurde ihr Heim in Chongqing schliesslich abgerissen.

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Mit dem Kapitalismus ändern sich in China auch die Gesetze. Seit März 2007 ist privates Wohnungseigentum im Reich der Mitte geschützt. Der Nachteil: Mega-Bauprojekte werden nicht mehr ganz so rasant umgesetzt wie früher.

Im Fall eines Rentnerpaares im Dorf Xiazhangyang in der Provinz Zhejiang, das sich weigerte, seine Wohnung zu räumen, arbeiteten die Bauarbeiter dennoch weiter. Nun steht das Haus inmitten einer mehrspurigen Autobahn, die in die Stadt Wenling führt.

Den Senioren war eine Entschädigung von umgerechnet knapp 12 000 Franken angeboten worden, die sie aber nicht ausreichend finden. Dafür besteht ihr Vorgarten jetzt aus Teer. Und es wird noch schlimmer kommen, denn die Autobahn ist noch gar nicht eröffnet: Zu der schnöden Aussicht werden dann auch noch Lärm und miese Luft hinzukommen.

(phi)