22-Jährige wartete stundenlang

09. Mai 2018 19:45; Akt: 10.05.2018 08:33 Print

Starb Naomi, weil der Notruf sie ignorierte?

Eine junge Mutter im Elsass meldet sich mit starken Schmerzen beim Rettungsdienst. Von der Person am anderen Ende der Leitung bekommt sie nur eine freche Antwort.

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Der Tod einer jungen Frau im Elsass, deren Notruf zuvor nicht ernst genommen worden war, hat in Frankreich Entrüstung ausgelöst. «Ich bin zutiefst empört über die Todesumstände von Naomi Musenga im Dezember», schrieb die französische Gesundheitsministerin Agnès Buzyn am Dienstagabend auf Twitter.

Die junge Frau aus Strassburg, Mutter einer kleinen Tochter, hatte im Dezember mit starken Schmerzen und Blutungen den Notruf gewählt, wie die Lokalzeitung «L'Alsace» berichtete. Die Frau am anderen Ende der Leitung wimmelte Musenga ab, wie aus einem Mitschnitt des Telefonats hervorgeht, den mehrere Medien veröffentlichten.

Stunden später starb die 22-Jährige. Der Fall wurde erst jetzt bekannt, nachdem die Familie der Toten sich an Lokalmedien gewandt hatten.

«Sie werden sterben wie jeder andere auch»

In der Aufnahme ist zu hören, wie Musenga zu der Mitarbeiterin des Rettungsdienstes sagt: «Madame, helfen Sie mir.» Diese entgegnete: «Wenn Sie mir nicht sagen, was los ist, lege ich auf.» Darauf Musenga: «Ich habe starke Schmerzen, ich werde sterben.» Die Rettungsdienstmitarbeiterin erwiderte: «Ja, Sie werden sterben, eines Tages, wie jeder andere auch.»

Wiederholt empfahl sie Musenga, den Ärztedienst «SOS Médecins» anzurufen. Dem Sender «France Bleu Alsace» zufolge wartete Musenga im Anschluss mehrere Stunden auf Hilfe, um schliesslich doch vom Rettungsdienst ins Spital gebracht zu werden. Dort starb sie der Tageszeitung «Le Monde» zufolge an multiplem Organversagen. Laut dem Autopsiebericht, der der Zeitung vorliegt, ist noch unklar, ob ihr Tod bei früherer Hilfe hätte verhindert werden können.

Rettungsdienst-Mitarbeiterin suspendiert

Die Mitarbeiterin des Rettungsdiensts wurde vorläufig suspendiert, wie eine Sprecherin der Universitätsklinik Strassburg am Mittwoch sagte. Ausserdem leitete die Staatsanwaltschaft Strassburg Vorermittlungen gegen den Rettungsdienst und gegen unbekannt ein, wie die Behörde am Mittwoch auf Anfrage bestätigte. Bei Vorermittlungen wird geprüft, ob Indizien für ein Vergehen vorliegen. Anzeige erstattet hatte die Familie der Toten.

Gesundheitsministerin Buzyn kündigte die Aufarbeitung der «schweren Missstände» an. «Ich werde dafür sorgen, dass die Familie alle Informationen bekommt», schrieb sie auf Twitter.



(sda)