Wers glaubt

02. Dezember 2012 22:57; Akt: 03.12.2012 08:51 Print

Nordkorea entdeckt Einhorn-Nest

In nordkoreanischen Geschichtsbüchern steht schon lange, dass ein König vor langer Zeit gerne auf einem Einhorn ritt. Jetzt wollen Archäologen einen Beweis dafür gefunden haben.

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Fangen wir mit den wirklich wahren Tatsachen an.Aufgrund des Ausreiseverbotes können keine Nordkoreaner nach Südafrika reisen, um ihre Mannschaft anzufeuern. Deshalb wurden 1000 Tickets an Chinesen abgegeben - damit diese den Job übernehmen. Allerdings könnte es sich bei diesen Fans im Spiel vom 15. Juni 2010 gegen Brasilien (1:2) auch um Parteifunktionäre handeln. Die Tatsache: Falls er tablettenabhängig wird, sollen das auch alle anderen werden.Schenkt man einem Buch Glauben, das ein ehemaliger Mitarbeiter des Diktators schrieb, fiel Kim einst von seinem Pferd, worauf ihm Schmerzmittel verschrieben wurden. Kim hatte Angst, von ihnen abhängig zu werden. Deshalb verordnete er einigen Mitarbeitern, täglich die gleiche Dosis zu schlucken, damit er - im Falle eines Falles - nicht als einziger abhängig sei. Die Tatsache: Kim Jong-Il entführte einmal einen prominenten Filmregisseur, der für ihn ein Godzilla-Plagiat filmen sollte.Shin Sang-ok ist ein südkoreanischer Filmemacher. Er wurde 1978 entführt, ins Gefängnis gesteckt und schliesslich dazu gebracht, einen Film namens «Pulgasari» zu machen. Dabei kam ein kommunistischer Propagandafilm frei nach Godzilla heraus. 1986 gelang Shin Sang-ok die Flucht zurück in seine Heimat. Die Tatsache: Kim Jong-Il verbannte behinderte und kleine Menschen aus der Hauptstadt.Zur Vorbereitung der in Pjöngjang stattfindenden Weltfestspiele der Jugend und Studenten 1989 liess Kim behinderte Bewohner aus der Hauptstadt entfernen. Ausserdem verteilte die Regierung Flugblätter mit Werbung für ein Wundermittel: Es solle kleine Leute wachsen lassen. Wer es allerdings bestellte, wurde zusammen mit den behinderten Menschen auf mehrere unbewohnte Inseln verteilt. Dies zum Zweck, die nächste Generation vor den angeblich minderwertigen Genen zu verschonen. Die Tatsache: Kim Jong-Il war einmal der beste Kunde von Hennessy.Die Cognac-Firma bestätigte, dass der Diktator in den frühen 1990ern für einige Jahre ihr bester Kunde war. Während dieser Zeit soll Kim umgerechnet rund 650'000 bis 950'000 Franken jährlich für Hennessy-Cognac ausgegeben haben. Dabei soll er vor allem den Paradis Cognac bevorzugt haben, der bis zu 800 Franken (pro Flasche!) kosten kann. Zum Vergleich: Ein gewöhnlicher Arbeiter verdient in Nordkorea rund 1'100 Franken. Im Jahr. Die Tatsache: Kim hält eine Stadt instand, die nur gebaut wurde, um sie anzusehen.Kijong-Dong ist ein Propaganda-Dorf. Es wurde in den 1950er-Jahren unter Kim Jong-Ils Vater Kim Il-sung unmittelbar an der Grenze zu Südkorea gebaut, um dieses zu beeindrucken. Lichter gehen zwar an und aus und Strassenwischmaschinen fahren herum. Doch dies alles nur zum Zweck, Aktivität vorzutäuschen. Denn das Dorf hat keine Einwohner. Beobachtungen haben ergeben, dass einige Gebäude keine Fensterscheiben haben und andere lediglich aus einer Fassade bestehen. In Kijong-Dong steht der höchste Flaggenmast der Welt (160 Meter). Auf seiner Spitze weht eine fast 270 Kilogramm (andere Quellen sprechen von 135 Kg) schwere Flagge. Der Mast war ursprünglich nicht so hoch. Er wurde ausgebaut, nachdem der Flaggenmast im nur zwei Kilometer entfernten südkoreanischen Dorf Daeseong-dong über die Höhe seines nordkoreanischen Pendants hinaus erhöht worden war. Nun folgen die «Tatsachen» mit Anführungszeichen. Diese sind gar nicht mal so viel kurioser als die nicht frei erfundenen Tatsachen:Gemäss der nordkoreanischen Geschichte kam Kim Jong-Il in einem Blockhaus in einer geheimen Festung auf Nordkoreas heiligstem Berg, dem Mt. Baekdu, zur Welt. Zum Zeitpunkt seiner Geburt erhellte ein Stern den Himmel, die Jahreszeit wechselte spontan von Winter zu Frühling und Regenbögen erschienen. Gegenüber dieser Erzählung erscheint der westliche Bericht zu Kim Jong-Ils Geburt weit weniger spektakulär: Der Diktator kam laut diesem in einem Guerilla-Lager in Russland zur Welt. Sein Vater war auf der Flucht vor den Japanern. Die «Tatsache»: Die Welt liebt ihn.Glaubt man den nordkoreanischen Medien, ist Kim Jong-Il der beliebteste Staatsmann überhaupt und sein Geburtstag wird weltweit gefeiert. Es werden dann Festivals abgehalten und Filme über Kim ausgestrahlt. Die «Tatsache»: Er ist ein Mode-Trendsetter.Laut einer nordkoreanischen Zeitung hat sich die Modewelt rund um den Globus an Kim Jong-Ils Stil orientiert. Seine khakifarbene Jacke mit Reissverschluss zu den dazupassenden Hosen wird weltweit imitiert - ein weiterer Beweis für seine Beliebtheit. Nicht erwähnt wurde dabei, ob die zehn Zentimeter hohen Plattformschuhe ebenfalls so populär sind. Seine überdimensional grossen Sonnenbrillen jedenfalls kommen auch in der westlichen Welt gut an. Die «Tatsache»: Kim Jong-Il hat den Hamburger erfunden.Da jeglicher amerikanische Einfluss auf Nordkorea unterbunden wird, war der Diktator gezwungen, neues, nicht-westliches Essen zu erfinden. Eine nordkoreanische Zeitung berichtete, dass Kim Jong-Il ein neuartiges Sandwich, «Doppelbrot mit Fleisch» genannt, erfunden habe. Damit wolle er den Studenten Qualitätsessen ermöglichen. Daraufhin liess Kim eine Fabrik bauen, in der die Hamburger massenweise für Studenten und Professoren hergestellt werden können. Dabei liess er ausser Acht, dass viele Nordkoreaner viel zu arm sind, um zu studieren oder sich sein Doppelbrot leisten zu können. Die «Tatsache»: Er ist der beste Golfer der Geschichte.1994 berichteten nordkoreanische Medien, dass Kim Jong-Il 34 Schläge auf einem 18-Loch-Platz brauchte. Das sind ganze 38 weniger als vorgegeben. Darunter fünf Holes in One. Dieses Resultat schlägt das beste, jemals erzielte Resultat um sage und schreibe 25 Schläge. Dazu kommt erst noch, dass es das erste Golfspiel des Diktators war.

Nordkorea kommuniziert immer wieder Kurioses - manchmal ist es wahr, manchmal nicht. (Foto Teaserbild: Rob Boudon)

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In Nordkorea hat es einmal Einhörner gegeben. Zumindest wenn man der offiziellen staatlichen Nachrichtenagentur Glauben schenken will. Ihr zufolge haben Archäologen eine Höhle gefunden, in dem ein Einhorn gelebt haben soll. Dieses sei rund 200 Jahre vor Christus von einem koreanischen König geritten worden.

Wie die «Korean Central News Agency» schreibt, wurde die Höhle 200 Meter entfernt vom Yongmyong-Tempel in Pjöngjang gefunden. Davor stehe ein Fels, auf dem die Worte «Einhorn-Nest» eingemeisselt sind – sie stammen aus der Zeit des Königs Koryo (918 – 1392).

Jo Hui Sung, Leiter des historischen Instituts der koreanischen Akademie für Sozialwissenschaften, hat die Höhle entdeckt. Er sieht sich durch die akademische Literatur bestätigt: «Die koreanischen Geschichtsbücher beschäftigen sich mit dem Einhorn, das vom König Tongmyong geritten wurde.»

Die staatliche Nachrichtenagentur Nordkoreas ist für ihre kuriosen Meldungen berüchtigt. So vermeldete sie schon, der verstorbene «geliebte Führer» Kim Jong-Il habe den Hamburger erfunden, während der Uni 1500 Bücher geschrieben und bei seiner ersten Golf-Partie 11 Hole-in-Ones geschafft.

(rey)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans Maulwurf am 03.12.2012 08:09 Report Diesen Beitrag melden

    So what?

    Na und das christentum lehrt uns noch ganz andere Märchen.

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  • einenationweniger am 03.12.2012 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    wenigstens kommen die nicht...

    ...und wollen uns übernehmen. die sind schon völlig beschäftigt damit, sich selbst anzulügen x)

  • aldo kofler am 02.12.2012 23:35 Report Diesen Beitrag melden

    michi

    Einhörner gibt es mit 100 %iger Sicherheit. Tatsache. Man nennt sie Narwale. es gibt ach noch andere: Nashorn, Schwertfisch, Sägezahnhai, Löffelstör, usw., und auch zweihörnige Tiere, die ein Horn verloren haben

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mauresi am 03.12.2012 23:40 Report Diesen Beitrag melden

    was mir dazu einfällt ...

    "Wo warst du vor 20 Jahren, vor 10 Jahren? Wo warst du, als ich noch jung war, als ich noch eines dieser unschuldigen, jungen Mädchen war, zu denen du immer kommst? Wie kannst du es wagen? Wie kannst du es wagen jetzt zu mir zu kommen? Jetzt wo ich das bin!" - MOLLY GRUE, Das letzte Einhorn

  • MSCH am 03.12.2012 15:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle Schimmel

    Alle Schimmel hatten mal Hörner, aber die Asiaten auf der Suche nach Potenzmittel haben es über lange Zeit geschafft, dass da nichts mehr wächst. Jetzt müssen die Nashörner daran glauben

  • einenationweniger am 03.12.2012 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    wenigstens kommen die nicht...

    ...und wollen uns übernehmen. die sind schon völlig beschäftigt damit, sich selbst anzulügen x)

  • kim und jong am 03.12.2012 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    gesetz ist gesetz

    endlich werden märchen wahr und gemäss dem neuesten koreanischen gesetz müssen alle koreaner unter androhung der todesstrafe daran glauben

  • Ringelnatter am 03.12.2012 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    überhaupt gestorben?

    mich wundert nur, dass dieser Super-Führer überhaupt sterblich war.... bei der Geschichte, also wirklich.