Salisbury (GB)

10. Juli 2018 19:25; Akt: 10.07.2018 19:25 Print

Nowitschok-Opfer ist wieder bei Bewusstsein

Charlie Rowley liegt im Krankenhaus von Salisbury, seit er mit dem Gift Nowitschok in Kontakt gekommen ist. Jetzt ist er wieder bei Bewusstsein.

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Der 45-jährige Charlie Rowley wurde mit Nowitschok vergiftet. Zwei Tage nach dem Tod seiner Freundin Dawn Sturgess ist der Mann, der derzeit im Spital von Salisbury liegt, wieder bei Bewusstsein. Die mit Nowitschok vergiftete Dawn Sturgess (45) ist gestorben, wie die britische Polizei am Sonntag, 8. Juli 2018, mitteilt. Sie hinterlässt drei Kinder. Der Mann ist weiter in einem kritischen Zustand, wie ein Polizeisprecher sagte. Wegen des Todes der Frau seien nun Mordermittlungen aufgenommen worden, erklärte die Polizei. Die 44-jährige Frau und ihr 45-jähriger Partner waren vor einer Woche in ein Spital in Salisbury eingeliefert worden. Die britische Premierministerin Theresa May zeigte sich betroffen. «Ich bin entsetzt und geschockt», sagte sie einer Mitteilung zufolge. Die britische Polizei ist in Teilen von Salisbury und Amesbury im Südwesten Englands auf der Suche nach einem, mit Spuren des tödlichen Nervensystems Nowitschok, kontaminierten Gegenstand. (6. Juli 2018) Am 7. Juli ist auch ein britischer Polizeibeamter wegen Verdachts auf Kontakt mit dem Nervengift in ein Spital gebracht worden. Der Beamte habe am Abend zunächst ein anderes Spital aufgesucht, um medizinische Beratung im Zusammenhang mit einem Gift-Vorfall in Amesbury vergangene Woche zu bekommen. Die Polizei sperrte sechs Areale in Amesbury und im 13 Kilometer entfernten Salisbury ab, in denen sich das Paar kurz vor den ersten Symptomen aufhielt. Dazu zählen eine Apotheke, eine Kirche und das Wohnhaus des 45-Jährigen. Das Hostel, in dem seine Freundin lebte, wurde evakuiert.

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Dem mit dem Kampfstoff Nowitschok vergifteten Mann aus Südengland geht es etwas besser. Der 45-Jährige sei wieder bei Bewusstsein, teilte das Spital in Salisbury am Dienstagabend mit.
Sein Zustand sei weiter kritisch, aber stabil. «Das sind gute Nachrichten, er ist aber noch nicht über den Berg», mahnten die Ärzte. Der Mann müsse weiter rund um die Uhr von Spezialisten versorgt werden.

Der Brite und seine 44 Jahre alte Frau waren Ende Juni mit Vergiftungserscheinungen in Amesbury gefunden worden. Die Frau starb am Sonntagabend im Salisbury District Hospital.

Dosis sei sehr hoch gewesen

Die Polizei geht davon aus, dass die beiden einen Behälter mit dem Nervengift berührt haben müssen. Die Dosis des Kampfstoffes sei sehr hoch gewesen, teilte Scotland Yard mit. Untersucht wird, ob es Verbindungen zum Fall Skripal gibt. Das Spital bat die Medien, auf die wenig hilfreichen und störenden Spekulationen zu verzichten.

Unweit von Amesbury, in Salisbury, waren der russische Ex-Spion Sergej Skripal und seine Tochter Julia im März infolge eines Anschlags ebenfalls mit dem Nervengift in Kontakt gekommen. London hatte Moskau dafür verantwortlich gemacht. Russland bestreitet jegliche Verstrickung.

«Heben Sie keine Behälter, Spritzen oder ähnliche Dinge auf»

Am Dienstag warnte die britische Regierung davor, in der Gegend rund um Salisbury und Amesbury unbekannte Gegenstände aufzuheben. Das gelte besonders für Behälter, die eine Flüssigkeit oder ein Gel enthalten könnten, teilte die Gesundheitsbeauftragte Sally Davies mit.

«In der Praxis bedeutet das, heben Sie keine Behälter, Spritzen, Nadeln, Kosmetika oder ähnliche Dinge aus Materialien wie Metall, Plastik oder Glas auf», so Davies. Insgesamt bleibe die Gefahr für die Öffentlichkeit aber gering.

(sda)