Hautfetzen als Andenken

15. Oktober 2014 15:31; Akt: 15.10.2014 15:31 Print

Nun kann man Tattoos seinen Kindern vererben

Wer seinen Liebsten die Tätowierung hinterlassen will, kann dies ab sofort tun: Eine neue Methode verwandelt die Haut mitsamt Tattoo in ein Kunstwerk für die Ewigkeit.

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Tattoos hat man ein Leben lang. Manche halten sogar noch länger. Dank einer holländischen Stiftung können Tätowierte ihre in die Haut gestochenen Kunstwerke für die Ewigkeit präparieren lassen. Nach dem Tod schneidet ein Pathologe die Tattoos aus der Haut, taucht sie in Formaldehyd oder friert sie ein. Danach werden sie mit flüssigem Polymer und Silikon präpariert. «Wir machen sie zu Plastik», sagt Peter van der Helm, der die Stiftung im Jahr 2013 gründete, gegenüber npr.org.

Laut van der Helm haben sich bereits 50 bis 60 Kunden bei ihm gemeldet. Unter ihnen ist auch die 26-jährige Luci Cook. Sie trägt auf ihrer Wade ein Porträt von Chelsea Wolfe, ihrer Lieblingssängerin, als Tattoo. Insgesamt 14 Tattoos hat Cook. Ihre Verwandten hat sie gefragt, welche Tattoos sie präparieren lassen soll. Denn: Cook, die an einem Herzfehler leidet, ist auf ein Spenderherz angewiesen. Sollten die Ärzte nicht bald ein passendes finden, wird sie sterben.

Ausstellung mit Hautfetzen

Van der Helm selbst ist Tätowierer. Auf die Idee mit der Präparation kam er, nachdem ihm Kunden immer wieder gesagt haben, dass sie nach dem Tod am liebsten mal in einem Museum ausgestellt werden würden. «Nun können sie das», sagt er. Denn wer sein Tattoo nicht seinen Angehörigen oder Freunden vermacht, kann es auch der Stiftung überlassen. Diese Tattoos werden möglicherweise einmal ausgestellt.

Zurzeit sei van der Helm in Verhandlung mit einem 80-jährigen Mann, der seine gesamte Haut präparieren lassen will. «Das wird sehr teuer», sagt van der Helm. Jedoch habe der Mann 20'000 bis 30'000 Dollar in die Tattoos investiert. So bleibe wenigstens etwas davon zurück. Wer lediglich ein kleineres Tattoo für die Ewigkeit erhalten will, zahlt um die 400 Dollar.

Jahrtausendealte Idee

Gemäss Matthew Lodder, Kunsthistoriker an der Universität in Essex, ist die Idee, Tätowierungen der Nachwelt zu überlassen, nicht neu. «Das gibt es schon seit Tausenden von Jahren», sagt Lodder. Es gäbe Sammlungen von herausgeschnittenen Tätowierungen in Museen in Krakau, Tokio und London.

Lodder glaubt nicht, dass van der Helms Idee weltweit auf starke Nachfrage stossen wird. «Es herrscht noch immer ein zu grosses Tabu, wenn es darum geht, Körperteile von Toten aufzubewahren», sagt Lodder. Zwar werde bei der Kremation ja auch die Asche aufbewahrt, doch die sei im Gegensatz zum Tattoo in einer Urne und nicht sichtbar.

(bat)