Kopilot k.o.

20. November 2012 17:45; Akt: 20.11.2012 18:34 Print

Passagier hilft bei Lufthansa-Notlandung

Weil der Kopilot einer Lufthansa-Maschine einen starken Migräneanfall hatte, sprang kurzerhand ein Passagier ein. Nicht ohne Grund: Der Mann arbeitet als Pilot in Nordamerika.

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Eine Lufthansa-Maschine ist in Dublin mithilfe eines Passagiers gelandet. (Bild: Keystone)

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Bei einem hollywoodreifen Luftzwischenfall über dem Nordatlantik hat ein Pilot ausser Dienst einem Jumbo-Kapitän der Lufthansa bei der ausserplanmässigen Landung in Dublin geholfen. Die Lufthansa bestätigte den Vorfall am Dienstag auf dapd-Anfrage. Der Flug LH403, eine Boeing 747-400 mit 264 Fluggästen an Bord, landete auf dem Weg von Newark bei New York nach Frankfurt am Main am Montagmorgen in der irischen Hauptstadt, nachdem der Kopilot wegen eines starken Migräne-Anfalls arbeitsunfähig geworden war.

Irische Zeitungen, die mit dem Ereignis teils auf der Titelseite aufmachten, zitierten eine Lufthansa-Sprecherin, die den Passagier als «Helden» bezeichnete. Der «Irish Examiner» berichtete, dass der Passagier seine Hilfe angeboten habe, nachdem die Crew die Umleitung angekündigt hatte. Er habe dann geholfen, das Flugzeug sicher mit einer Notlandung auf dem Dubliner Flughafen zu landen. Im «Irish Independent» wurde die Aussage wiedergegeben, auch die Kabinencrew - also Stewardessen und Stewards - seien darauf trainiert, mit dem Piloten die Checklisten durchzugehen, wenn es nötig ist.

Von Fluggesellschaft zu Fluggesellschaft verschieden sind die Vorschriften, bis zu welcher Entfernung oder Flugdauer zwei Piloten im Cockpit ausreichen oder die Besatzung aufgestockt werden muss. Die Grenze liegt in der Regel bei acht oder neun Stunden Flug, was für eine Verbindung von Mitteleuropa zur nördlichen Ostküste ausreicht.

Sechs Stunden Verspätung

Es sei ein normales Vorgehen, dass bei Zwischenfällen dieser Art nach Fachkräften unter den Passagieren, etwa Medizinern, gefragt werde, sagte die Sprecherin am Dienstag. Der Passagier, Pilot ausser Dienst einer nordamerikanischen Fluggesellschaft, habe eine Lizenz für eine Boeing 767 gehabt und den Jumbo-Kapitän unterstützt. Damit widersprach sie Meldungen, es habe sich um einen Air-Berlin-Piloten gehandelt.

Das Flugzeug landete nach Angaben der Fluggesellschaft um 5.30 Uhr sicher auf dem Flughafen der irischen Hauptstadt. Dort wurde der kranke Kopilot medizinisch versorgt. Der Jumbo-Jet flog mit einer aus Deutschland nach Dublin beorderten Crew nach Frankfurt und landete am Ziel mit gut sechsstündiger Verspätung.

(dapd)