Windsor

04. Januar 2018 19:04; Akt: 04.01.2018 19:04 Print

Tory will Obdachlose vor Harrys Hochzeit verbannen

Bis zur Hochzeit von Prinz Harry ist es noch etwas hin. Doch der Ratsvorsitzende von Windsor hat jetzt schon Sorge, die Obdachlosen könnten im Weg sein.

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Dem konservativen Politiker Simon Dudley sind die Obdachlosen in Windsor ein Dorn im Auge. Um so mehr, seit bekannt ist, dass Prinz Harry und seine Verlobte Meghan Markle am 19. Mai auf Schloss Windsor heiraten werden. Der Chef des Royal Borough of Windsor and Maidenhead, des Verwaltungsbezirks, zu dem Windsor gehört, hat die Polizei gebeten, die Gegend im Vorfeld der Feierlichkeiten von Obdachlosen zu säubern.

Dudley schrieb dem «Guardian» zufolge einen Brief an die zuständige Polizeibehörde und bat um Massnahmen gegen «aggressives Betteln und Einschüchterung» sowie gegen «Taschen und Müll», die auf den Strassen herumliegen würden.

Zuvor hatte der Ratsvorsitzende bereits auf Twitter seinem Unmut über die «Epidemie der Obdachlosigkeit und Landstreicherei» Luft gemacht und laut «Daily Mail» behauptet, Bettler würden Touristen sogar dazu bringen, an Geldautomaten Bares für sie abzuheben.


Sicherheitsrisiko Obdachlose

In seinem Brief betont Dudley, es gebe genügend Anlaufstellen für Hilfesuchende, wie Notunterkünfte in der Nacht oder Betreuungsstellen für Drogen- und Alkoholkranke. Viele Menschen auf den Strassen von Windsor, so fährt der Kommunalpolitiker fort, bettelten, aber seien nicht obdachlos. Und die, die wirklich obdachlos seien, seien es freiwillig, weil sie alle Hilfsangebote zurückwiesen.

Das Problem, so Dudley, lasse «eine hübsche Stadt in einem leider unvorteilhaften Licht» erscheinen. Zudem seien Unrat und Habseligkeiten der Obdachlosen, die teilweise unbeaufsichtigt zurückgelassen werden, ein Sicherheitsrisiko. Weil Windsor für viele Touristen attraktiv sei, müsse man hier ausserdem härter gegen Bettler vorgehen. Diese würden für Bewohner und Touristen eine «besorgniserregende und feindselige Atmosphäre» schaffen. Der Vorsitzende des Kommunalparlaments forderte die Polizei auf, nach einem Gesetz von 1824 zu handeln, das Obdachlosigkeit und Bettelei unter Strafe stellt.


NGOs laufen Sturm

Gegen Dudleys Vorstoss formiert sich reger Widerstand. Mehrere Hilfsorganisationen für Obdachlose haben die lokalen Behörden aufgefordert, mehr für Heimatlose zu tun, anstatt sie zu drangsalieren. «Obdachlose zu stigmatisieren oder zu bestrafen, ist komplett kontraproduktiv», sagte etwa Greg Beales von der Hilfsorganisation Shelter.

Auch die Polizei befremdet Dudleys Forderung: «Wir müssen die Schwächsten der Gesellschaft beschützen, indem wir zusammenarbeiten. Aber jede Behörde sollte sich auf ihre eigenen Zuständigkeiten besinnen», zitiert der «Guardian» einen Sprecher.

(mlr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Monika am 05.01.2018 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Einladen

    Am Tag der Hochzeit die Obdachlosen in ein Hotel einladen. Dort können sie duschen und dann zur Feier des Tages ein feines Essen geniessen. Für viele würde das so auch der schönste Tag in ihrem Leben und sie sind während den Feierlichkeiten von der Strasse weg. Ich gehe sowieso davon aus, das an der Hochzeit mehr gekocht wird als dann gegessen.

  • Girly60 am 04.01.2018 23:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lasst die Obdachlosen einfach in Ruhe !

    Finde ich schlimm diese Aussage ! Jeder kann plötzlich aus irgendeiner schlimmen Situation in diese Lage kommen ! Lasst die armen Leute einfach in Frieden , sie habens schon schwer genug ! Die Windsors sollen ihr Glück und Reichtum geniessen , aber eben lasst die schwächeren einfach in Ruhe !

  • Treki am 04.01.2018 23:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschlicher Abfall

    Als solchen werden Obdachlose hier bezeichnet. Eine Schande ist das.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sulejka am 06.01.2018 13:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schade, man könnte auch...

    Schöner wäre es, wenn Prinz Harry den Obdachlosen irgendwo in Winsor einen Platz zur Verfügung stellen würde, wo diese armen Obdachlosen sich aufhalten könnten und sich dort einrichten könnten, mit einer Dusche und WC's. So müsste man niemand verbannen.

  • bad am 06.01.2018 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurig

    Diana hätte das nie zugelassen ,die würde sich im Grab umdrehen !

  • Londinium Cross am 05.01.2018 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    Königlicher als königlich

    ...sind die meisten, die sich tagtäglich um die britischen Royals scharen, und auch englische Politiker. Harry und Meghan haben ganz sicher nichts dergleichen gefordert. Da sind wieder einige Übereifrige am Werk, die noch nicht gemerkt haben, wie nahe Harry den Armen steht. Armutszeugnis an die, die am Red-Carpet-Fieber leiden.

  • löli am 05.01.2018 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    schikanen

    Was die meisten nicht wissen, da es in der CH fast keine kritische UK-Berichterstattung gibt: Auch Arme, Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger werden in UK extrem schikaniert. Eines modernen Landes unwürdig!

  • The eye am 05.01.2018 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Der hut

    Ihr Hut sieht aus wie das AA-Emoji

    • Diegito am 05.01.2018 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @The eye

      aa emoji :)))

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