Nach Abstimmung

08. November 2012 16:37; Akt: 08.11.2012 16:38 Print

Porno-Industrie wehrt sich gegen Kondomzwang

Die Bürger von Los Angeles stimmten für eine Kondompflicht bei Pornofilmen. Die Industrie in Los Angeles will nun gerichtlich dagegen vorgehen. Die Vorschrift verletze die Grundrechte.

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Das prominente Pornosternchen Jenna Jameson hat bis jetzt immer demokratisch gewählt. Für den Wahlkampf im November erhält aber der konservative Mitt Romney ihre Stimme. Denn: «Wenn du reich bist, willst du einen Republikaner im Weissen Haus.» Kayden Kross hingegen stimmt für Barack Obama. Sie hat gute Gründe: «Er inhaliert, wenn er raucht, er unterstützt die Schwulen-Ehe und er folgt mir auf Twitter.» Doch am wichtigsten: «Seine Politik ist gut für die Mehrheit des Volkes, nicht nur für seine Wählerschaft.» Auch Kimberly Kane unterstützt den Demokraten: «Seine Positionen bei Frauenthemen, dem Gesundheitswesen und Rechten für Homosexuellen stimmen voll und ganz mit meinen überein. Und er hat Osama bin Laden getötet!» Kristina Rose ist ebenso auf Barack Obamas Seite. Aus einem ganz simplen Grund: «Weil er der heissere Kandidat ist. Lügen tun sie eh alle. Also vergebe ich meine Stimme nach dem Aussehen.» Sarah Shevon zieht einen anderen Kandidaten vor: «Ich wünschte mir, Dennis Kucinich würde wieder antreten.» Der Demokrat Kucinich vertritt für US-Verhältnisse stark linke Positionen. Er kandidierte bei den letzten beiden Wahlen, konnte sich aber bei den Vorwahlen nie durchsetzen. Stimmt Jessica Drake für Romney? Nein, auch sie ist pro Obama: «Ich bin zufrieden mit dem, was Obama erreicht hat. Unsere Nation ist nicht über Nacht in diesen Zustand geraten. Es braucht Zeit, den Schaden zu reparieren. Und dafür ist Obama der richtige Mann.» Etwas weniger enthusiastisch gibt sich Joanna Angel: «Diese Abstimmung ist deprimierend. Ich glaube an keinen der beiden Kandidaten. Ich werde aber Obama wählen, weil die Demokraten das kleinere Übel sind.» Dana DeArmond bezieht zwar Stellung, bleibt dabei aber nicht allzu ernst: «Ich habe das letzte Mal für Barack gestimmt. Ich bin immer noch in ihn und Michelle verknallt. Ich wünschte mir, sie würden mich zu einem Date ausführen.» Jenna Jameson bleibt mit ihrer Unterstützung für Mitt Romney in der Pornowelt allein auf weiter Flur. Auch die letzte in unserer Reihe, Penny Pax, stimmt für Obama: «Ich glaube an ein landesweites Gesundheitssystem und er ist der Mann, der es endlich lanciert hat.»

Die Bürger von Los Angeles stimmten am US-Wahltag für die Kondompflicht in Pornos. Einige Pornosternchen äusserten sich vor der Wahl über ihren favorisierten Kandidaten.

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Die Porno-Industrie von Los Angeles will gerichtlich gegen einen Bürgerentscheid für eine Kondom-Pflicht bei ihren Dreharbeiten vorgehen.

Die Vorschrift, für die am Dienstag die Mehrheit der Bürger des Bezirks Los Angeles gestimmt hatte, sei «unhaltbar», erklärte am Mittwoch die Free Speech Coalition, die sich selbst als Verband der «Industrie für Erwachsenen-Produkte und -Unterhaltung» bezeichnet.

Gegen die Grundrechte

Eine gesetzliche Kondom-Pflicht verstosse gegen verfassungsmässige Grundrechte, hiess es zur Begründung. Ausserdem stehe es nicht der Bezirksregierung, sondern dem Bundesstaat Kalifornien zu, Regeln für die Porno-Produktion aufzustellen.

Die US-Porno-Industrie ist hauptsächlich im San-Fernando-Tal nördlich von Los Angeles angesiedelt und setzt jedes Jahr mehrere Milliarden Dollar um. Die Branche warnt davor, dass ihr durch eine Kondom-Pflicht Zuschauer verloren gingen.

55,9 der Bürger für Kondom-Pflicht

Parallel zu den US-Präsidentschafts- und Kongresswahlen hatten am Dienstag die Bürger des Bezirks von Los Angeles über die Kondom- Initiative abgestimmt, für die vorab mehr als 360'000 Unterschriften gesammelt worden waren. 55,9 Prozent der Bürger stimmten für die Kondom-Pflicht bei Porno-Drehs.

Die Aids Healthcare Foundation, die zu den Initiatoren der Abstimmung gehört, begrüsste das Ergebnis. Es sei ein «bedeutendes Referendum zum Thema sicherer Sex», sagte der Stiftungsvorsitzende Michael Weinstein der Zeitung «LA Times».

Vergangenes Jahr hatten die kalifornischen Porno-Produzenten ihre Dreharbeiten vorübergehend aussetzen müssen, nachdem ein Darsteller HIV-positiv getestet worden war.

(sda)