Vereinigte Staaten

23. November 2012 21:43; Akt: 23.11.2012 21:49 Print

Präsident will Mexiko umbenennen

Bevor er am 1. Dezember abtritt, will der mexikanische Präsident Felipe Calderón den offiziellen Landesnamen abändern. Er erinnert ihn zu sehr an den nördlichen Nachbarn.

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Geht es nach Präsident Felipe Cálderon, hiesse Mexiko einfach Mexiko. (Bild: Keystone/AP/Eduardo Verdugo)

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Bevor Staatsoberhäuper abtreten, vollziehen sie gerne symbolische Akte, so auch Felipe Calderón: Der Präsident von Mexiko schickt sich an, noch vor dem ersten Dezember sein Land umzubenennen. Dessen offizielle Bezeichnung lautet «Estados Unidos Mexicanos» («Vereinigte Mexikanische Staaten»). So steht es auf Münzen und offiziellen Dokumenten. Calderóns Vorschlag wäre, die Heimat schlicht so zu nennen, wie sie im Volksmund heisst: México.

Der Rattenschwanz geht auf die erste Verfassung von 1824 nach der Unabhängigkeit von Spanien zurück. Die Republikaner wählten einen Namen, der sich an einer jungen Demokratie im Norden, den Vereinigten Staaten von Amerika, orientierte. «Wir brauchen keinen Namen, der ein anderes Land imitiert und keinen Platz in der Alltagssprache hat», sagte Calderón am Donerstag laut AP an einer eigens einberufenen Pressekonferenz.

Warum nicht auch Tequila und Sombreros?

Der Einfluss der USA auf das Land ist ernorm: Mexikaner schauen amerikanisches Fernsehen und kaufen amerikanische Produkte. Millionen haben Verwandte, die auf der Suche nach einem besseren Leben in die USA emigriert sind. Es gibt aber auch Ressentiments, die im Gefühl gründen, der mächtige Nachbar schaue auf die Mexikaner herab. Schliesslich musste man nach dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg 1848 über die Hälfte des eigenen Territoriums an die USA abtreten.

Trotz dieser Faktenlage fällt der abtretende Präsident mit seinem Vorhaben bei vielen Mitbürgern durch: Unter dem Hashtag #CambialeElNombreAMexico entwickelte sich rasch eine lebhafte Twitter-Diskussion. «Von Vereinigte Mexikanische Staaten zu Mexiko, weil uns die ganze Welt so nennt. Nächste Woche schreiben wir uns Tequila und Sombreros auf die Fahne», witzelte El Señor Equis. Viele posteten Alternativen zu Calderóns Vorschlag, darunter «Chapoland», in Anlehnung an den gefürchteten Drogenbaron El Chapo Guzmán.

Damit Mexiko künftig auch offziell Mexiko heisst, muss Calderóns Vorschlag in beiden Parlamentskammern sowie von einer Mehrheit der Provinzparlamente abgesegnet werden. Die negativen Reaktionen dürften auch darauf zurückgehen, dass viele Mexikaner andere Probleme plagen. In der sechsjährigen Amtszeit Calderóns kamen Zehntausende im Drogenkrieg ums Leben. Wieviele es genau sind, ist unklar, denn die Regierung veröffentlicht seit letztem Jahr keine offiziellen Zahlen mehr.

(kri)