Tödliche Nachtschicht

10. November 2012 12:32; Akt: 10.11.2012 16:01 Print

Schiesserei in der 3M-Fabrik - ein Toter

Auf dem Gelände einer grossen Technologiefirma im nordrhein-westfälischen Hilden wurden zwei Menschen schwer verletzt, der Täter beging Selbstmord. Die Hintergründe liegen noch im Dunkeln.

Hilden in Nordrhein-Westfalen: Auf dem Gelände einer Technologiefirma kam es am Freitag zu einer Schiesserei.

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Nach einer Schiesserei mit zwei Schwerverletzten und dem Selbstmord des Täters auf dem Gelände der Technologiefirma 3M in Hilden steht die Polizei vor einem Rätsel. Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen sei kein Motiv erkennbar, sagte der Leiter der zuständigen Mordkommission Düsseldorf, Rainer Zöllner, auf einer Pressekonferenz am Samstag in Mettmann.

Nach Angaben der Polizei hat der später tot aufgefundene Mann zuvor zwei andere Opfer durch Schüsse schwer verletzt. Danach habe sich der Täter selbst hingerichtet. Insgesamt wurden am Freitagabend vier Menschen verletzt. Die Polizei in Mettmann will am Samstagnachmittag auf einer Pressekonferenz nähere Auskünfte zur Tat bekannt geben.

Auf die von den Schüssen getroffenen Kollegen sei der 38-jährige Täter Zeugenberichten zufolge offenbar gezielt zugegangen, sagte Zöllner. Die beiden Männer im Alter von 42 und 54 Jahren seien nach einer Notoperation ausser Lebensgefahr. Zwei weitere Mitarbeiter wurden durch umherfliegende Glassplitter leicht verletzt.

Selbstmord des Täters

Bei dem Täter soll es sich nach Angaben eines Sprechers der betroffenen Technologiefirma 3M um einen 37 Jahre alten Angestellten handeln, der dort seit 1997 arbeitet. Der Mann habe immer gute Beurteilungen bekommen, sein Handeln sei «absolut unverständlich», sagte Unternehmenssprecher Manfred Kremer der Nachrichtenagentur dapd.

Nach bisherigen Erkenntnissen sei der Täter am Freitagabend auf dem Weg zu seiner Nachtschicht gewesen und auf dem Parkplatz vor dem Werk auf zwei Kollegen getroffen. Plötzlich habe der 37-Jährige zwei Pistolen gezogen und auf einen Kollegen geschossen. «Anschliessend ist er ins Gebäude gegangen», sagte Kremer. In der Kantine habe er auf Mitarbeiter geschossen, die dort gerade Pause machten. Zum Schluss sei der Mann in die Umkleideräume gegangen und habe dort auf einen weiteren Kollegen geschossen. Nach der Tat beging der 37-Jährige Selbstmord.

Verletzte und Geschockte

Zwei Mitarbeiter wurden durch die Schüsse schwer verletzt und liegen im Krankenhaus. Die beiden anderen wurden nach Firmenangaben leicht verletzt und konnten nach ambulanter Behandlung wieder nach Hause gehen. Sie alle sowie deren Angehörigen würden seelsorgerisch betreut. «Wir sind hier alle geschockt und wissen nicht, wie wir uns das erklären sollen», sagte Kremer.

In dem Werk arbeiten rund 900 Menschen im Schichtbetrieb. Das amerikanische Unternehmen produziert dort unter anderem Hygieneprodukte und Spezialkleber. In einem der beiden Werksteile wurde die Produktion am Samstag unterbrochen. Die übrigen Mitarbeiter könnten selbst entscheiden, ob sie arbeiten wollten oder nicht, sagte der Firmensprecher. Das Management sei mit den Mitarbeitern im Gespräch.

(dapd)