Umstritten

26. März 2009 17:23; Akt: 26.03.2009 17:45 Print

Schon fast 20 000 Robben abgeschlachtet

Kanadische Robbenjäger haben seit Beginn der Jagdsaison in dieser Woche 19 400 Tiere getötet. Damit wurde die im Gebiet um die Magdalenen-Inseln im Sankt-Laurenz-Golf zulässige Quote schon erreicht.

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Aktivisten der Tierschutzorganisation PETA (People for the ethical treatment of animals) protestieren mit symbolischem Robbenschlachten gegen das Robbenmassaker am 26. März 2009, vor der kanadischen Botschaft in Bern. (Bild: Keystone)

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Eine weitere Phase der Jagd solle am Freitag in der Region südlich von Quebec beginnen, kündigte der Sprecher der kanadischen Fischereibehörde Phil Jenkins am Donnerstag in Toronto an. Im Sankt-Laurenz-Golf dürfen etwa 30 Prozent der insgesamt 338 200 freigegebenen Robben erlegt werden.

Tierschützer kritisierten die Jagd als grausam und erklärten, in Wahrheit seien vermutlich noch mehr Tiere getötet worden, unter ihnen zahlreiche Junge. «Die Robben, die dort draussen getötet wurden, waren etwa drei Wochen alt», sagte Rebecca Aldworth, Direktorin der Humane Society International Canada. Viele Tiere würden von den Jägern nur verwundet und erlägen später ihren Verletzungen. Jenkins erklärte hingegen, die Robben würden rasch getötet und seien keinem unnötigen Leiden ausgesetzt. «Es ist schwierig, getötete Tiere hübsch aussehen zu lassen», sagte er.

In Paris demonstrierten etwa zwei Dutzend Tierschützer gegen die Robbenjagd. Sie verteilten Flugblätter und schwenkten kanadische Flaggen mit der Aufschrift «Shame» (»Schande»). Zu der Protestaktion hatte die Organisation Fourrure Torture (Pelz-Folter) aufgerufen.

Jagd auch unter Politikern umstritten

Hauptschauplatz des Tötens wird die Nordküste von Neufundland sein. Dort soll die diesjährige Jagd voraussichtlich in der zweiten April-Woche beginnen. Es handelt sich um die weltweit grösste Jagd auf Meeressäuger überhaupt. Sie ist auch unter Politikern umstritten. Ein Ausschuss des Europa-Parlaments hat sich vor drei Wochen für ein Verbot der Einfuhr von Robbenprodukten in die Europäische Union ausgesprochen. Der Gesetzentwurf, der noch vom gesamten Parlament und den einzelnen EU-Staaten gebilligt werden müsste, gestattet allerdings den Ureinwohnern, den Inuit, eine begrenzte Robbenjagd für kulturelle und zeremonielle Zwecke.

In der Europäischen Union ist seit 1983 der Import des weissen Fells von Seehundbabys verboten. Die Niederlande und Belgien sind ebenso wie die USA schon weiter gegangen und haben ein generelles Einfuhrembargo gegen Robbenprodukte verhängt. Russland wiederum hat angekündigt, die Jagd auf Robbenbabys im eigenen Land verbieten zu wollen. Auch in Kanada dürfen Seehundbabys mit weissem Fell, das sie gewöhnlich schon nach 21 Tagen verlieren, nicht mehr gejagt werden.

(ap)