15. November 2006 18:49; Akt: 15.11.2006 18:56 Print

Schülerin von Lawine getötet: Lehrer droht Gefängnis

Für den Tod einer 15-jährigen Schülerin bei einem Lawinen-Unglück in Hasliberg drohen dem Lehrer und der Schulleitung einer Privatschule bis zu drei Jahre Gefängnis.

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Die Untersuchungsrichterin und die Staatsanwaltschaft Berner Oberland beschuldigen den mitverunfallten Lehrer der fahrlässigen Tötung.

Die Kantonspolizei Bern und das Untersuchungsrichteramt Berner Oberland haben die Ermittlungen zum Lawinen-Unglück vom 14. März 2006 in Berner Oberländer Wintersportort Hasliberg abgeschlossen, bei dem eine 15-jährige Schülerin aus dem Kanton Aargau tödlich verletzt wurde, wie das Untersuchungsrichteramt Berner Oberland und die Staatsanwaltschaft Berner Oberland am Mittwoch mitteilten. Die Untersuchungsrichterin Barbara Baumgartner-Wüthrich und der Staatsanwalt des Berner Oberlandes beschuldigen den mitverunfallten Lehrer sowie je ein Mitglied der Schulleitung und der Wintersportkommission der in Hasliberg ansässigen Privatschule «Ecole d'humanite» der fahrlässigen Tötung. Der Fall wurde zur Beurteilung dem Einzelgericht des Gerichtskreises Interlaken-Oberhasli überwiesen.

Wann der Prozess stattfindet, steht noch nicht fest, voraussichtlich aber nicht mehr in diesem Jahr, wie die Untersuchungsrichterin auf Anfrage bekannt gab. Dem Lehrer und den Schulleitungsmitgliedern drohen nach dem heutigen, noch bis Ende 2006 geltenden Strafgesetzbuch (StGB) im Minimum eine Busse von einem Franken und im Maximum drei Jahre Gefängnis. Die beiden Schulleitungsmitglieder waren bei der tödlich endenden Fahrt abseits der Skipiste nicht mitgefahren, sie werden laut der Untersuchungsrichterin aber wegen Verletzung der Sorgfaltspflichten mitbeschuldigt.

Unter der Leitung des Lehrers hatte die siebenköpfige Gruppe von Variantenskifahrern am Morgen des 14. März 2006 im Gebiet Käserstatt/Winterhalde das Gelände abseits der Pisten befahren. Der Lehrer sowie zwei Schülerinnen der Privatschule lösten an diesem Frühlingstag um zirka 10.00 Uhr beim Befahren eines Tiefschnee-Hangs ein Schneebrett aus und wurden von diesem mitgerissen. Die eine Schülerin konnte sofort geborgen werden, während der Lehrer und die 15-jährige Schülerin erst nach einer gross angelegten, rund dreistündigen Such- und Bergungsaktion schwer verletzt gefunden und in Spitalpflege geflogen werden konnten. Die junge Frau starb noch am gleichen Tag im Spital.

(ap)