Transsexuelle

21. Januar 2015 17:23; Akt: 21.01.2015 17:33 Print

Senator zwingt Schüler aufs «richtige» WC

Ein Lokalpolitiker in Kentucky will mögliche Begegnungen mit Transsexuellen im Schul-WC verhindern: Er schlägt Bussen von bis 2500 Dollar vor.

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Der Gender-Krieg ist bis in die amerikanische Provinz vorgedrungen. Seine neuste Ausprägung, der Kampf um gleiche Rechte für Transsexuelle, hat im konservativen US-Gliedstaat Kentucky zu einem aufsehenerregenden Gesetzesvorschlag geführt. Er will Schülerinnen und Schüler mit bis zu 2500 Dollar dafür entschädigen, wenn sie im Schul-WC auf Angehörige des anderen biologischen Geschlechts treffen.

Gliedstaat-Senator C. B. Embry will mit dem Gesetz Schulbehörden daran hindern, Transgender-Schülerinnen und -schülern Toiletten des anderen biologischen Geschlechts zugänglich zu machen. Er sieht vor, dass jene, die im WC eine unliebsame Begegnung mit einem Angehörigen des anderen Geschlechts machen, die Schule verklagen und bis 2500 Dollar einkassieren können. Zudem sollen sie – auf Kosten der Schule – psychologische und emotionelle Schädigung geltend machen können. Dann wären noch höhere Entschädigungen die Folge.

Konservative Organisation stand Pate

Der Republikaner Embry sagte dem Magazin «U.S. News & World Report», er habe den Gesetzesvorschlag auf Bitten der Family Foundation von Kentucky eingebracht. Die Organisation reagierte auf den Entschluss einer Mittelschule in Louisville, einem Transgender-Schüler die Benutzung der Mädchentoilette zu erlauben. In mehreren US-Gliedstaaten sind Gesetze eingeführt worden, die Transsexuellen die Benutzung der Toiletten und Umkleidekabinen ihrer angenommenen Gender-Identität gestatten. In Kalifornien zum Beispiel gilt das «Schul-WC-Gesetz» seit Anfang 2014.

Der Senator in Kentucky sagte, er habe «extrem hässliche E-Mails» erhalten. Persönlich habe er nichts gegen Homosexuelle oder Transsexuelle, beteuerte er. Sein Gesetzesvorschlag fordert von Schulen, Transgender-Schülern «auf die bestmögliche Weise entgegenzukommen». Aber er will verhindern, dass Schülerinnen und Schüler ganz oder teilweise entkleidet in unangenehme Situationen geraten.

Verhindern, dass Teens Vorfälle inszenieren

Gegenüber «U.S. News» anerkannte Embry indes die Grenzen seines Vorstosses: «Ich glaube nicht, dass wir eine Situation herstellen können, wo niemand je beleidigt wird oder in eine unangenehme Situation gerät.» Er sagte auch, dass das Gesetz wohl revidiert werden müsse, damit Teens keine Vorfälle inszenieren, um Strafzahlungen kassieren zu können.

Aber so weit wird es nur kommen, wenn das Gesetz vom Parlament in Kentucky verabschiedet wird. In vielen Fällen bleiben Vorschläge in der Gesetzesmühle stecken. Und bislang weiss Embry von keinem Kollegen, der sein Anliegen unterstützt.

(sut)