Starbucks

16. April 2018 08:27; Akt: 16.04.2018 20:59 Print

Polizei führt Schwarze ab, weil sie nichts bestellen

Zwei Männer warten in Philadelphia in einem Starbucks auf einen Geschäftspartner. Weil sie nichts bestellen, lässt der Kaffeeriese sie festnehmen. Nun drohen Kunden mit Boykott.

Dieses Video löste eine Welle der Empörung aus.
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Starbucks muss sich in den USA nach einem Vorfall gegen Rassismusvorwürfe verteidigen. Zwei Afroamerikaner sassen in einem Starbucks-Café in der US-Stadt Philadelphia und warteten auf einen Kollegen. Dass sie bis zu dessen Eintreffen noch nichts bestellt hatten, kam den Mitarbeitern von Starbucks verdächtig vor.

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Die Männer argumentierten, dass sie sich für einen Termin mit einer Drittperson in diesem Starbucks verabredet hatten. Offenbar glaubten die Mitarbeiter den beiden Schwarzen nicht, denn nach Aufforderungen, die Filiale zu verlassen, riefen sie die Polizei.

«Das ist diskriminierend»

Noch während die angerückten Beamten die fassungslosen Schwarzen festnahmen, tauchte Andrew Yaffe auf, der Mann, auf den die beiden gewartet hatten. Yaffe machte die Polizei und das Starbucks-Personal auf das Missverständnis aufmerksam. Er wollte sich mit den beiden Männern geschäftlich treffen, um eine Investition zu besprechen. «Wieso wurden sie aufgefordert, den Laden zu verlassen?», fragt er auf einem Handyvideo die Anwesenden. «Das ist diskriminierend, denkt sonst noch jemand, dass das absolut lächerlich ist?», wendet er sich an die anderen Gäste in der Filiale.

Seine Intervention nützt aber nichts mehr, die beiden Schwarzen werden abgeführt und bleiben neun Stunden in Gewahrsam. Sie müssen sich die Fingerabdrücke abnehmen lassen, werden fotografiert und befragt. Dann werden sie entlassen, denn es gebe «nicht genügend Beweise, um die Männer wegen eines Verbrechens anzuklagen», wie die Staatsanwaltschaft entscheidet.

Video führt zu Boykottaufrufen

Eine Frau, die den Vorfall im Starbucks gefilmt hat, veröffentlichte das Video auf Twitter und schrieb dazu: «Die Polizei wurde gerufen, weil diese Männer nichts bestellten. Sie warteten auf einen Freund. Der tauchte auf, als sie in Handschellen abgeführt wurden. Alle weissen Leute fragen sich nun, weshalb das uns nie passiert, wenn wir dasselbe machen.»

Auch Starbucks musste zugeben, dass viele Leute sich im Starbucks tagtäglich ähnlich verhalten wie die beiden Schwarzen, deswegen aber nicht vom Personal weggewiesen würden. Die Filialen seien Treffpunkte, wo Menschen auch nur hinkämen, um das Gratisinternet zu nutzen oder sich mit Freunden zu treffen. Nachdem das Video des Vorfalls viral ging, rufen Twitterer nun zum Boykott der Café-Kette auf.

Der Bürgermeister von Philadelphia zeigte sich bestürzt darüber, dass Philadelphia als Beispiel dafür herhalten müsse, wie Rassendiskriminierung im Jahr 2018 aussehe. Er ordnete eine Untersuchung des Vorfalls an. Der Polizeichef Richard Ross verteidigte die Festnahme. Die beiden Männer hätten die Toiletten benutzen wollen, was ihnen verweigert wurde, da sie nichts bestellt hatten. Ross, selbst Afroamerikaner, sagte, die Polizeibeamten hätten die beiden dreimal dazu aufgefordert, die Filiale zu verlassen, sie hätten sich aber geweigert. Deshalb seien sie festgenommen worden und mittlerweile wieder auf freiem Fuss. «Meine Männer haben nichts Falsches gemacht.»

Starbucks entschuldigt sich

Nachdem der Unmut in den sozialen Medien immer grösser wurde, äusserte sich Starbucks zum Vorfall und entschuldigte sich:

Starbucks-Chef Kevin Johnson entschuldigte sich bei den beiden Männern für die rassistischen Vorwürfe. In einer ausführlichen Stellungnahme bezeichnete er den Vorfall als «entmutigend» und die Festnahme als «verwerflich». Johnson sagte, es sei falsch gewesen, die Polizei zu verständigen. Er kündigte eine Überprüfung der Geschäftspraktiken an.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kingaling am 16.04.2018 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Halbe Geschichte

    Gemäss diesem Bericht müsste ich jetzt den Protestierenden recht geben, aber ich denke, es wurde nur die halbe Story erzählt. Denn wenn man aufgefordert wird zu gehen, hat man sowieso kein Bock mehr da zu bleiben. Ausserdem gibt es tatsächlich sehr viele Leute, die ein Restaurant mit ihrem Wohnzimmer verwechseln. Im Restaurant soll aber etwas konsumiert werden, denn man besetzt ja einen Tisch, der bezahlenden Gästen zusteht. Nun ja, aber dann natürlich soll die gleiche Regel für alle gelten, egal welche Hautfarbe, sonst passiert nämlich genau das.

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  • dä Joe am 16.04.2018 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Egal ob schwarzpinkweiß: Bestell einfach

    Warum hat man nicht vorgängig was bestellt, zbsp. um die Wartezeit zu überbrücken. Somit wäre es nie zu diesem Vorfall gekommen. Gab genügend Zeit um der Bitte etwas zu bestellen nachzukommen....also wieder mal viel wind. Egal ob blau/schwarz/pink/weiß: Bestell einfach etwas!

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  • mehrfach kontrollierter Passagier am 16.04.2018 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    was soll immer diese Rassismuskeule?

    Im Bus hat sich bei mir mal eine Schwarze beklagt, dass sie jetzt (bei einer offiziellen Ticketkontrolle) schon zum zweiten Mal kontrolliert werde. Dies natürlich nur weil sie schwarz sei. Ich habe ihr dann geantwortet, dass JEDER im Bus kontrolliert werde und ich (weisser Eidgenosse) heute schon zum dritten Mal in eine Kontrolle gerate.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Swissman am 17.04.2018 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    heutzutage ist alles Rassismus

    solange eine dunkelhäutige Person dabei ist. Wären dies Weisse oder Asiaten gewesen, würde kein Hahn danach krähen.

  • Roberto am 17.04.2018 08:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oooooh süss.

    Nur weil ich schwarz bin,mimimimi. Diese Opferrolle der Schwarzen geht mir langsam richtig auf den Keks.

  • Bündner am 16.04.2018 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein Erlebnis

    In Südafrika ging ich als Weisser in eine Bar und wollte etwas bestellen. Die Bardame sagte mir dann ganz freundlich ich solle doch mit ihr ins VIP kommen. Dort war ich dann alleine als einziger Gast. Hauptsache der Weisse war weg...

  • Sentencer am 16.04.2018 20:21 Report Diesen Beitrag melden

    provokativ

    Man trifft sich nicht mit "Geschäftsleuten" in einem Lokal um über "Investitionen" zu reden: Vor allem nicht vorher dort eintreffen, Daumendrehen, warten und nichts bestellen. Als Lokalbetreiber hätte ich genauso gehandelt. Egal ob die Kundschaft weiss oder schwarz gewesen wäre; sie nehmen Platz weg für andere zahlende Kunden.

  • marko 33 am 16.04.2018 19:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Normal

    Ist das normal