1300 km verfahren

15. Januar 2013 14:53; Akt: 15.01.2013 14:53 Print

Sie wollte zum Bahnhof und landete in Zagreb

Der Plan von Sabine Moreau: Einen Freund am 75 Kilometer entfernten Bahnhof in Brüssel abholen. Der Fehler von Sabine Moreau: Sie vertraute blind ihrem Navi.

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1300 Kilometer in die falsche Richtung fuhr Sabine Moreau. Die Belgierin wollte anfangs 2013 einen Freund in Brüssel abholen und bemerkte erst in Zagreb, dass sie die eigene Hauptstadt knapp verpasst hatte. Die simple Erklärung: «Ich bin meinem Navi gefolgt.» Der 21-jährige Deutsche fuhr dank Navi mit seinem Audi tief in den Churer Wald. Die weibliche Stimme im Navi-Gerät führte diesen LKW-Chauffeur im Juli 2007 in Sempach LU auf eine schmale Quartierstrasse, wo er zwischen Laternenpfählen und Bäumen steckenblieb. Zur Befreiung des Lastwagens samt Anhänger musste die Feuerwehr mit Motorsägen Bäume fällen. Nach einer Strassensperre im April 2006 war das englische Dorf Luckington täglich von Lenkern betroffen, die dank Navi in die Furt des Flusses Avon fuhren und stecken blieben. In diesem Bus in Seattle (USA) sass ein komplettes Mädchen-Softballteam, als der Chauffeur, geführt vom Navi, den Bus in den Brückenbogen fuhr. Viele Mädchen mussten ins Spital, niemand wurde aber ernsthaft verletzt. Auf dem Radweg gelandet: Dieser 22 Tonnen schwere Biertransporter fuhr diesen November in Uelzen bei Hamburg auf die falsche Strasse - oder besser gesagt: den falschen Weg. Darauf sank sein Lastzug im weichen Boden neben dem Radweg ein und drohte zu kippen. Im Oktober dieses Jahres verirrte sich der Fahrer dieses LKWs auf einen Feldweg bei Bremerhaven. Der vollbeladene Lastzug versank im Morast und drohte zu kippen. Er musste mit zwei Kränen geborgen werden. Dieser 33-Tönner versuchte in der Steiermark über eine Landbrücke für maximal 3 Tonnen zu fahren - dank Navigerät. Dieser LKW hat die Weinberg-Route eingeschlagen. Unfreiwillig natürlich, dank seinem Navi. Als der 42-Jährige dann plötzlich nur noch Weinberge vor sich sah, stieg er aus und wollte nach dem Weg schauen. Blöd nur, dass er die Handbremse nicht angezogen hatte. Folge: Sein 40 Tonnen schwerer Lastzug rollte gut 15 Meter den Hang hinunter. Die junge Frau in diesem 200 000 Franken teuren Mercedes 500 SL wollte in Leicestershire (UK) dank Navi eine Furt für Landwirtschaftsfahrzeuge überqueren - trotz Hochwasser. Sie selbst konnte sich mit Mühe retten. Der Fahrer dieses 5er-BMWs verirrte sich in West Yorkshire (UK) auf einen steilen felsigen Weg. Er war auf der Suche nach dem Haus seines Freundes, vom GPS geführt, auf diesen rutschigen Abweg geraten. Nur ein Zaun verhinderte, dass der 43-Jährige mit seinem Auto über einen Fels fast 40 Meter in die Tiefe stürzte. Mitten in einer Feriensiedlung in Bayern landete dieser navigeleitete Sattelzug im April 2009. Auf den engen Strassen ins Feriendorf «Am Wurmberg» hatte der Fahrer (25) schon eine Strassenlampe und einen Vorgarten beschädigt. Um den LKW wieder auf den rechten Weg zu bringen, musste unter anderem ein Gartenzaun abgebaut werden. Es entstand ein Sachschaden von 2000 Euro. Der Fahrer dieses Lieferwagens folgte in Lancashire (UK)seinem GPS-System blind ins dichte Buschwerk - bis es nicht mehr weiter ging. Der Lieferwagen gehört zu einer Supermarktkette, die sich rühmt, alle überall zu beliefern. Wollte der Fahrer zeigen, dass er den Werbeslogan ernst nimmt?

Blindes Vertrauen in das Navi kann in die Irre führen, wie unsere Bildstrecke mit einigen Beispielen der letzten Jahre zeigt.

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75,5 Kilometer lang ist die Strecke von Solre-sur-Sambre im Süden Belgiens bis nach Brüssel. Sabine Moreau steht um fünf Uhr auf, um in der Hauptstadt einen Freund abzuholen. Und weil sie den Weg zum Bahnhof dort nicht kennt, lässt sie sich von einem Navi lotsen.

So weit, so alltäglich. Doch nun nimmt die Geschichte eine Weggabelung, welche die 67-Jährige durch fünf Länder führt, an ein Ziel, das mehr als 1300 Kilometer vom eigentlichen entfernt ist. Dass ihr Navi sie an einen falschen Ort lotsen könnte, auf diesen Gedanken kommt Moreau nie, wie sie der «Nouvelle Gazette» erzählt: «Ich bin meinem Navi gefolgt, damit es mich nach Brüssel führt.»

«In Zagreb realisierte ich plötzlich, dass ich nicht mehr in Belgien bin»

Weder dass sie auf der vermeintlich rund einstündigen Fahrt mehrmals tanken muss, noch dass sie Strassenschilder auf deutsch und slowenisch liest, kommt Moreau spanisch vor. Stundenlang ist sie unterwegs und fährt und fährt immer weiter. Längst machen sich ihre Angehörigen Sorgen. «Ich habe versucht sie anzurufen», sagt ihr Sohn, «aber sie geht sowieso nie ans Telefon.» Alles, was die Familie gewusst habe, sei, dass seine Mutter nach Brüssel wollte und dass der Mann, den sie abholen wollte, dort nicht von ihr abgeholt wurde, ergänzte der Sohn.

Schliesslich wurde die Polizei eingeschaltet. Diese konnte Sabine Moreau schliesslich dank der Kreditkartenrechnung in Kroatien ausfindig machen. Von dort meldete sich die Belgierin bei ihren Angehörigen. «Ich habe wirklich nichts Auffälliges bemerkt, bis ich plötzlich in Zagreb war und realisierte, dass ich nicht mehr in Belgien bin», habe sie gesagt.

1323 Kilometer lang ist die Strecke von Solre-sur-Sambre nach Zagreb. Ob Sabine Moreau sich den Weg eingeprägt hat, den sie nicht nur hin, sondern auch wieder zurück fuhr, ist fraglich. Denn sie hat ja ein Navi.

(rme)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Evel k am 16.01.2013 05:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weg

    Führerschein sofort entziehen. Offensichtlich ist sie nicht mehr fahrtauglich.

  • manu am 15.01.2013 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    ich will ja gar nicht wissen wer die

    geschichte überprüft hat. statt 1 h fahrt ca. 10 h, mit sehr hoher reisegeschwindigkeit, oder 20 h bei normale fahrweise, und sie hat nichts bemerkt, statt nicht zu tanken min. 1mal tanken, ungefähre kenntnisse der europäischen geografie, nächste ausfahrt nürnberg, der grenzübertritt etc. kommt schon, den bären habt ihr euch jetzt nicht wirklich aufbinden lassen

  • Götz Georgipopulos, Athen am 15.01.2013 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Hirn einschalten

    Frau fährt viel besser (vorsichtiger) als Mann. Frau + Navi ist manchmal aber, wie: Frau am Steuer = Ungeheuer...

Die neusten Leser-Kommentare

  • M. H. am 18.01.2013 17:46 Report Diesen Beitrag melden

    War ja klar...

    Frau am Steuer, das wird (/war) teuer...

  • Thomas Neuenschwander am 17.01.2013 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Ausweis weg

    Und genau wegen sowas sollte man mit der Pension den Führerausweis abgeben müssen.

  • Mara am 16.01.2013 15:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So en seich..

    nach salzburg steht ganz gross SLOWENIEN in richtung villach ;) da hätte sie es schon merken müssen + in belgien spricht man ja kein deutsch!! Beim bezahlen müsste sie es auch merken! Ich denke das diese geschichte nicht stimmt!!!

  • Pit Rorschach am 16.01.2013 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Besser mit ÖV

    Die Frau soll sich das Nächstemal dem ÖV anbertrauen, denn von Autofahren hat sie anscheinend keine Ahnung.

  • Peti Huber am 16.01.2013 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    Glaub ich nicht

    Wer's glaubt wird selig. Erstaunlich, dass nichts von einer Uebernachtung geschrieben wird. Oder ist sie die Strecke nach Zagreb mit durchschnittlich einem 100er gefahren ?