Missbrauchsprozess in Freiburg (D)

19. April 2018 14:02; Akt: 19.04.2018 17:04 Print

Gericht verurteilt ersten Täter zu zehn Jahren Haft

Im ersten Prozess um den Missbrauchsfall eines Neunjährigen ist ein Angeklagter zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Der Hauptbeschuldigte trat vorerst nur als Zeuge auf.

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Jahrelang ist ein heute Neunjähriger aus dem Grossraum Freiburg (Baden-Württemberg) sexuell missbraucht worden. Sein Stiefvater und seine Mutter hatten den Buben im Internet anderen Männern für Vergewaltigungen angeboten und ihn mehreren Männern überlassen.

Einer davon ist Markus K. Der 41-jährige Deutsche stand am Mittwoch als Erster vor dem Landgericht Freiburg. Es verurteilte K. zu zehn Jahren Haft und ordnete eine anschliessende Sicherheitsverwahrung an. K. wurde unter anderem wegen Vergewaltigung und schweren sexuellen Missbrauchs verurteilt.

K. gehörte demnach zu einem Pädophilenring, dessen Mitglieder sich an dem Jungen vergingen. Der Verurteilte war bereits einschlägig vorbestraft und wurde von einem Gutachter als voll schuldfähig eingestuft.

Stiefvater missbrauchte Buben ein Mal pro Woche

Der Hauptbeschuldigte Christian L. war vorerst nur als Zeuge vorgeladen. L. gestand mehreren Berichten zufolge, dass er und andere Männer seinen Stiefsohn über mehr als zwei Jahre sexuell missbraucht hätten. Es habe mehr als 60 Taten gegeben, schätzte er. Er selbst habe sich im Schnitt einmal pro Woche an dem Kind vergangen.

Treffen in den Weinbergen

Der Angeklagte Markus K. gestand ebenfalls, den Jungen vergewaltigt zu haben. Er und L. lernten sich 2009 in Untersuchungshaft in der JVA Freiburg kennen. Nach der Entlassung bricht der Kontakt vorerst ab. Die Männer begegnen sich erst 2016 zufällig wieder, im Warteraum einer psychologischen Gemeinschaftspraxis.

Markus K. fragt seinen Bekannten L. nach dessen Aussage irgendwann, «ob ich nicht einen Jungen wüsste». L. berichtet von seinem Stiefsohn, sagt, dieser habe «Erfahrungen mit anderen Männern». Am 23. Juli 2016 treffen sie sich zum ersten Mal in den Weinbergen in der Region, wo K. den Buben missbraucht.

Das Kind muss eine Maske anziehen, damit man es später auf Aufnahmen nicht erkennt. L. hält die Tat auf Video fest. «Nur für den Eigengebrauch», wird er zitiert. Für sich selbst, die Mutter und Markus K.

Markus K. musste nicht bezahlen

Zum zweiten Mal missbraucht K. den Buben in dessen Kinderzimmer. Berrin T., die Mutter des Buben, habe sich den Kunden erst angeschaut, bevor sie ihn mit ihrem Sohn allein liess. Zuvor hatte sie für K. Handschellen und Fussfesseln bereitgelegt. Dieser hatte den Wunsch geäussert, den Jungen besser fixieren zu können. Wieder wird die Tat aufgezeichnet. Nach K. vergeht sich L. an dem Kind. Währenddessen habe T. das Abendessen zubereitet, gemeinsam habe man später gegessen.

Während andere Kunden dem Paar bis zu 10'000 Euro zahlten, um den Jungen zu missbrauchen, musste K. für seine Taten nichts bezahlen – aus Freundschaft. Zu einem dritten Treffen kommt es nicht, die Polizei kommt den Angeklagten zuvor.

Das Urteil gegen Markus K. wird noch am Donnerstag erwartet. Der Prozess gegen Christian L. und Berrin T. beginnt am 11. Juni.

(kko)