Saas-Grund VS

10. September 2017 11:37; Akt: 15.09.2017 13:46 Print

Triftgletscher ist nur noch 2,5 Kilometer lang

von J. Furer / S. Ehrbar, Saas-Grund - Ein Grossteil der instabilen Gletscherzunge ist in Form einer Eislawine niedergegangen. Die Häuser in Saas-Grund VS sind verschont geblieben.

«Das schlimmste Szenario ist nicht eingetreten»: Die Behörden informierten auf einer Pressekonferenz. (Video: Tamedia/20 Minuten)
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Am Triftgletscher oberhalb des Walliser Dorfs Saas-Grund sind am Sonntagmorgen gut zwei Drittel der gefährdeten Gletschermasse abgebrochen, trafen aber keine Siedlungen. Die Seilbahn bleibt weiterhin gesperrt, ebenso die Alp und die Wanderwege in der Region. Die Bewohner von Saas-Grund dürfen zurück in ihre Häuser. Das bestätigt Zivilschutz-Kommandant Bernhard Zen-Ruffinen gegenüber 20 Minuten.

Am Sonntagmorgen hat die Feuerwehr die gesperrte Kantonsstrasse freigegeben. Spezialisten untersuchen im Verlauf des Vormittags den verbliebene Drittel des Gletschers, der abzubrechen drohte vom Helikopter aus.

Niemand im Gefahrengebiet

Wegen der Gefahr, die vom Triftgletscher oberhalb des Walliser Dorfs ausgeht, sind am Samstag rund 220 Menschen evakuiert worden. Touristen haben die Nacht in Hotels im nicht evakuierten Teil des Dorfs verbracht, Anwohner des Weiler Unter dem Berg konnten bei Bekannten untergebracht werden.

Die Gebietssperre unterhalb des Triftgletschers und auf ihm gilt weiterhin. Das Betreten durch Menschen und Nutztiere ist verboten. Auch die Hohensaas-Bergbahnen und das Wandergebiet bleiben geschlossen, bis der Führungsstab vollständige Entwarnung gibt. Im Wandergebiet sind namentlich die Normalroute zum und vom Weissmies sowie der Höhenwanderweg Kreuzboden-Almagelleralp gesperrt.

Gletscherabbruch droht – Teile von Saas-Grund VS vor Evakuierung

Während der Nacht hätten sich keine Menschen mehr im Gefahrengebiet befunden, schreibt der Informationsdienst des Regionalen Führungsstabs Saas. Über die ganze Nacht hinweg wurde der Berg von der Seilbahn aus beleuchtet. Die Feuerwehr hat die Absperrungen überwacht.

Abbruch um fünf Uhr früh

Der gesamte Triftgletscher wurde intensiv mit einem sensiblen Radargerät und Kameras überwacht. Die Fliessgeschwindigkeit der instabilen Gletscherzunge nahm seit Samstagvormittag laufend zu. Bis am Abend beschleunigte sie sich von rund einem auf über zwei Meter pro Tag, wie der Führungsstab mitteilt.

Die Radarmessung um Mitternacht zeigte dann bereits Werte von bis drei Meter. Im Verlauf der Nacht nahm die Geschwindigkeit auf bis zu fünf Meter pro Tag zu. «Um zirka fünf Uhr heute morgen sind etwa zwei Drittel der gefährdeten Gletschermasse abgebrochen», sagte Simon Bumann, der Leiter des Krisenstabs an einer Pressekonferenz. Der restliche Teil sei immer noch absturzgefährdet. Die Experten seien aber zuversichtlich, dass dieser keine grösseren Schäden verursachen werde. Es sei eher mit geordneten Abstürzen zu rechnen.

Einwohner sind angespannt

Das Abbruchmaterial kam auf dem darunterliegenden Gletscher zum Stillstand, ohne die tiefer gelegenen Gebiete in der Gefahrenzone zu erreichen. Rund 70 Rettungskräfte wurden für den Einsatz in Saas-Grund aufgeboten und stehen teilweise noch in Bereitschaft.

Gespenstische Stimmung: Der Berg war die ganze Nacht hindurch beleuchtet. (Bild: 20 Minuten)

Die Stimmung am Morgen war gespenstisch, die Einwohner waren angespannt. «Es liegt etwas in der Luft», sagt eine Hotelbesitzerin zu 20-Minuten-Reportern vor Ort. Man fühle sich an vergangene Unglücke erinnert. Etwa an den Gletscher-Abbruch bei Mattmark. Bei dem Unglück verloren im Jahr 1965 88 Menschen ihr Leben.

Der Triftgletscher mit einem Ausgangspunkt am Gipfel des Weissmies auf 4020 Metern Höhe geht seit 1986 kontinuierlich zurück. Insgesamt ist er bis 2015 um mehr als zwei Kilometer geschrumpft, wie die Statistik zeigt. Er hat noch eine Länge von etwa 2,5 Kilometern und bedeckt rund 2,5 Quadratkilometer Fläche.

In der Hektik Autoschlüssel vergessen

Der Triftgletscher stand wegen drohendem Abbruch bereits 2014 unter intensiver Beobachtung. Vor etwa drei Wochen habe man anhand von Luftaufnahmen festgestellt, dass eine auffällige Bewegung des Gletschers im Gange ist, sagt ETH-Professor und Glaziologe Martin Funk zu <%=misc::zitat%>. Deswegen wurde am Donnerstagabend zusätzlich eine Radarüberwachung installiert.

Im Hotel Dom haben 200 Feriengäste aus Holland übernachtet. «Ich hätte nicht damit gerechnet, dass so etwas in meinen Ferien passiert», sagte einer von ihnen. Nachdem er evakuiert wurde, bangte er um sein Auto: «Es ist alles so hektisch gewesen, dass ich meinen Autoschlüssel im Hotel vergessen habe.» Am Sonntagmorgen fand er etwas Gelassenheit: «Jetzt habe ich Abenteuerferien.» Seine Pläne wollte er trotzdem nicht ändern: Er will das Foodfestival in Saas-Fee besuchen und bis Dienstag noch einen Ausflug unternehmen.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Realist am 10.09.2017 08:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toller Job gemacht!

    Kompliment an die Leute / Organisationen welche beteiligt waren. Niemand verletzt, alles soweit es geht unter Kontrolle.

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  • j.s am 10.09.2017 09:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke...

    an alle Sicherheitsleute die, die ganze Nacht ihren Job gemacht haben.

  • Spikey am 10.09.2017 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chapeau

    Chapeau den Profis die zur rechten Zeit das Dorf in Alarm setzten! Nicht auszudenken was auch in dieser Region hätte passieren können...! Good luck auch weiterhin den Dörflern im Tal

Die neusten Leser-Kommentare

  • Laokon am 10.09.2017 19:36 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist die Katastrophenministerin

    Fliegt jetzt Doris Leuthardt auch nach Saas Grund? Die Klimaveränderung findet ja hoffentlich nicht nur in Bondo statt. Diese paar Liter Most, pah!

    • Derdjok am 10.09.2017 20:56 Report Diesen Beitrag melden

      Aber eine Katastrophe ist sie

      Klimaveränderungen finden eh nie in der Natur statt, dort liegt das Wetter

    • Rüedu am 11.09.2017 02:43 Report Diesen Beitrag melden

      Derdjok

      ""Im Kopf des Unwissenden degeneriert Philosophie zur Torheit, die Wissenschaft zu reinem Aberglauben und die Kunst zur Pedanterie" G. B. Shaw. Wer nicht mal weiss, dass Klima die Sammlung aller Wetterdaten und Phänomene über einen bestimmten Zeitraum ist, sollte sich nochmals ernsthaft mit dem Thema befassen. Wetter verhält sich zu Klima, wie individuelle Dummheit zum schweizerischen Bildungsniveau.

    • Migu am 11.09.2017 10:58 Report Diesen Beitrag melden

      @Rüedu

      Schön gesagt Rüedu.... Aber ich vermute mit dem, hier absolut treffenden Ausspruch von Mr. Shaw ist der Schreiber bereits überfordert... Wer Klima nicht versteht, kann mit Worten wie Pendanterie erst recht nichts anfangen :-)

    • ChickenPie am 12.09.2017 13:13 Report Diesen Beitrag melden

      Klima

      Also ich finde das Klima in diesem Forum ziemlich frostig. Hat zwar nicht viel mit dem Wetter zu tun, trotzdem bedenklich wieviel gehässiger Mist sich da so stapelt...

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  • Alesandro Pianari am 10.09.2017 18:50 Report Diesen Beitrag melden

    Am wachsen!

    Und in den letzten Jahren beginnt er oben wieder Schnee anzusammeln! In 50 Jahren reicht er wieder bis Saas Grund. In den letzten Jahren gibt es in der Höhe viel Schnee

    • Derdjok am 10.09.2017 20:57 Report Diesen Beitrag melden

      Ende Eiszeit halt

      Hoffentlich nicht, denn die Eismenge ist ja immer noch eine Vielzahl höher als vor der kleinen Eiszeit und die Temperaturen sind im Vergleich zu vor dieser kleinen Eiszeit immer noch über 5 Grad im Schnitt zu kalt

    • Rüedu am 11.09.2017 03:20 Report Diesen Beitrag melden

      Derdjok

      Lol 5 Grad... Woher haben Sie diese absurde Zahl? Die Temperaturschwankungen der letzten 2000 Jahre bewegte sich im Bereich von 1,2 bis 1,7 Grad je nach Standort. Der Grad der Vergletscherung lässt NICHT auf die Eismenge schliessen, da die Dauer der Vergletscherung entscheidend für die Massenproduktion des Eises ist.

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  • Sepp sauber am 10.09.2017 18:50 Report Diesen Beitrag melden

    Kann sein :

    Hat der Basler Wessel , den Abbruch nach Frankreich verschenkt ? Kann ihm nichts Strafbares nachgewiesen werden , hat Freunde in der SP und Staatsanwaltschaft !

  • Amataur Filmer am 10.09.2017 18:02 Report Diesen Beitrag melden

    Video Qualität ungenügend

    Guter Textbeitrag, Video inhaltlich auch in Ordnung, aber sorry Leute, die Qualität ist sehr peinlich. Dass machnmal ein nicht idealer Ort für eine Präsentation gewählt werden muss kann vorkommen. Aber der übersteurte, scherbelnde Ton und die wackelige Aufnahme ist leider für einen Zeitungsartikel wie hier unbrauchbar. Ich kann nur hoffen, dass dies keine professionellen Medienleute waren, die diese Aufnahme "verbrochen" haben.

    • Peinlicher Autor am 21.09.2017 13:52 Report Diesen Beitrag melden

      Nichts verbrochen, abgebrochen!

      @Amateur- filmer, sind wir auch, was muss es sein, dass Sie zufrieden sind? Verbrochen ist nichts, aber abgebrochen!

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  • SebinaSG am 10.09.2017 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    Klimaerwärmung

    Und wer behauptet immer noch,dass es die Klimaerwärmung nicht gibt?

    • Roger am 10.09.2017 17:45 Report Diesen Beitrag melden

      Aber warum ?

      Die Frage ist nur warum ? Ist es die Überbevölkerung Tos, Flugzeuge, Häuser oder nur die Sonne die seit Jahren mehr wärme abgibt ?

    • steve am 10.09.2017 17:47 Report Diesen Beitrag melden

      erwärmung oder veränderung?

      Wir befinden uns schon seit der Eiszeit in einer Klimaerwärmung... die Frage ist ob und wieviel die Menschen Einfluss haben

    • Forscher am 10.09.2017 18:04 Report Diesen Beitrag melden

      Und das Klima erwärmt sich doch

      @Roger: falls Die Frage wirklich ernst gemeint ist, schreibe bitte eine email an die Klima und Umweltphysik (KUP) Abteilung in Bern, da gibt es Leute, die das gut und auch allgemein verständlich erklären können. Da email Adressen hier nicht erlaubt sind, musst Du schnell googeln, was Du natürlich auch mit der Frage selbst machen kannst.

    • Derdjok am 10.09.2017 21:00 Report Diesen Beitrag melden

      Googel nach Trudy Gerster, du Forscher

      Zum Glück sind die Temperaturen immer noch 5 Grad unter dem Durchschnitt der letzten 2000 Jahre und weit unter der Zeit vor der kleinen Eiszeit. Das Klima kann sich nicht erwärmen, ausser du verbrennst Statistiken, aber Denken ist wohl nicht deine Kernkompetenz @Forscher (oder CO2 Sektenanhänger)

    • Klaus am 10.09.2017 21:01 Report Diesen Beitrag melden

      Halte mich an Fakten

      Denken Sie mal darüber nach welchen Anteil das co2 in der Atmosphäre hat 0.04% also nur ein Spurengas und der von Menschen erzeugte Anteil ist noch viel weniger. Da sich das co2, aufgrund der Tatsache das es schwerer als der Rest der Luft ist, nur in den untersten luftschichten befindet, ist seine klimawirkung völlig absurd. Es gibt bis heute keinen wissenschaftlichen Beweis für seinen Anteil an der Klima Erwärmung, das sind unwiderlegbare Fakten und da braucht man nicht an irgendwelche angstszenarien zu glauben,welche von Leuten verbreitet werden die uns auch sonst dauernd anlügen.

    • Rüedu am 11.09.2017 03:34 Report Diesen Beitrag melden

      Derdjok

      Faktisch Falsch! Die Temperaturen der letzte 30 Jahre liegt höher als gleichlange Perioden der mittelalterlichen Warmzeit und weit über dem Durchschnitt der letzten 2000 Jahre. Nur alleine die letzten 10 Jahre liegen über 0,7 bis 1,1 Grad höher als die Warmperiode des Frühmittelalters. "Das Klima kann sich nicht erwärmen"(sic) Und Sie wollen ernsthaft den Mangel von Kompetenz bei Anderen kitisieren. Typisches Dunning- Kruger Opfer.

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