Prozess gegen U-Boot-Tüftler

08. März 2018 10:18; Akt: 09.03.2018 02:42 Print

«Wir gehen jetzt runter. Ich liebe Dich!!!!!!»

Zum Auftakt seines Mordprozesses in Kopenhagen hat Peter Madsen den Vorwurf des Mordes an der Schwedin Kim Wall zurückgewiesen.

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Grosser Andrang am ersten Prozesstag, 8. März, vor dem Gerichtsgebäude in Kopenhagen. Auch jetzt ist das Interesse an dem Fall gross. Madsen steht am zweiten Prozesstag erneut im Zeugenstand. Unter Mordverdacht: Peter Madsen (rechts) spricht am Kopenhagener Hafen zu einem Polizisten. Ist an Bord des U-Boots gestorben: Die schwedische Journalistin Kim Wall. Madsen bestreitet den Mord und behauptet, Wall habe sich auf dem U-Boot tödlich verletzt. Der Erfinder steht in seinem U-Boot. (Archivbild) Peter Madsen gab jedoch in einem Verhör zu, Walls Leiche zerstückelt zu haben: Ein Helikopter fliegt vor der Küste von Kopenhagen. (11. August 2017) Taucher stehen im Einsatz, nachdem der Torso der Toten gefunden wurde. (23. August 2017) Der schwedische Seerettungsdienst sucht in der Lundakra-Bucht nach der schwedischen Journalistin. Polizeichef Jens Moeller informiert die Medien in Kopenhagen über den Fall. Die Polizei sucht entlang der dänischen Küste in der Nähe von Kopenhagen. (21. August 2017) Dänische Sicherheitskräfte unterstützen die Polizei bei der Suche. (21. August 2017) Dänische Sicherheitskräfte unterstützen die Polizei bei der Suche. (21. August 2017) Dänische Sicherheitskräfte unterstützen die Polizei bei der Suche. (21. August 2017) Spezialisten der Polizei untersuchen das U-Boot UC3 Nautilus im Hafen von Kopenhagen. U-Boot am Trockenen: Mithilfe von Tauchern konnte die UC3 Nautilus vor der dänischen Küste geborgen werden. Polizeiliche Untersuchung: Der Ermittlungsleiter der Kopenhagener Polizei, sagte vor den Medien, dass es so aussehe, als habe eine bewusste Handlung das U-Boot zum Sinken gebracht. (13. August 2017) Der Erbauer und Besitzer des U-Bootes: Peter Madsen. Er konnte von der Marine gerettet werden. Grösstes selbst gebautes U-Boot der Welt: Die UC3 Nautilus ist knapp 18 Meter lang und 38 Tonnen schwer. Hatte keine Verbindung zum Festland: Madsen erklärte, er habe aufgrund «technischer Schwierigkeiten» keinen Funkkontakt aufbauen können. Wegen eines Problems im Ballasttank sei die Nautilus schliesslich gesunken.

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Zum Auftakt seines Mordprozesses in Kopenhagen hat der dänische U-Boot-Tüftler Peter Madsen eine weitere Version des Todes der schwedischen Journalistin Kim Wall präsentiert, deren Ermordung er weiter bestreitet. Sie sei nach einem Druckabfall im Inneren des U-Bootes an giftigen Gasen erstickt, sagte der 47-Jährige am Donnerstag. Die Staatsanwaltschaft zeichnete dagegen das Bild eines sexuell perversen Sadisten, der von Enthauptungen besessen war.

Er bleibe dabei, dass er Wall nicht getötet habe, sagte Madsen vor Gericht. In Polizeiverhören habe er sich nur deshalb mehrfach widersprüchlich zu Walls Schicksal geäussert, um deren Angehörigen die «schrecklichen» Umstände ihres Todes durch einen Unfall zu ersparen. Die junge Frau sei nach einem plötzlichen Druckabfall erstickt. Er sei zu dem Zeitpunkt an Deck gewesen und habe die Luke aufgrund von Unterdruck nicht öffnen können.

Widersprüchliche Angaben

Wall hatte Madsen am 10. August vergangenen Jahres auf dessen U-Boot besucht, um ein Interview mit ihm zu führen. Einen Tag später sank das U-Boot in der Köge-Bucht vor Kopenhagen, Madsen wurde gerettet. Er gab zunächst an, die Journalistin am Vorabend wohlbehalten an Land abgesetzt zu haben.

Teile von Walls Leiche wurden später im Meer entdeckt, sie wiesen Schnitt- und Stichverletzungen auf. Madsen machte in Verhören widersprüchliche Äusserungen zum Schicksal der Journalistin. Unter anderem gab er an, sie sei gestorben, als ihr die Luke des U-Boots auf den Kopf gefallen sei. Ihr später gefundener Schädel wies jedoch keine entsprechenden Verletzungen auf.

Leiche zerstückelt

Dem 47-Jährigen wird vorgeworfen, Wall an Bord seines selbst gebauten U-Boots gefesselt, misshandelt und ermordet zu haben, bevor er ihre Leiche zerstückelte und in Plastiksäcken im Meer versenkte.

Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen zitierte vor Gericht aus einem psychologischen Gutachten, wonach Madsen «extrem unzuverlässig» und «hochgradig sexuell abartig» sei. Der 47-Jährige weise narzissistische und psychopathische Züge auf, sei manipulativ und habe einen «schweren Mangel an Mitgefühl und Reue».

Das letzte SMS

Der Staatsanwaltschaft zufolge suchte Madsen am Morgen des 10. August – wenige Stunden vor Walls Tod – mit den Stichworten «geköpftes Mädchen Todeskampf» im Internet, woraufhin er sich ein entsprechendes Video angesehen habe. Wenige Tage vorher, am 26. Juli, habe er ähnliche Videos angeschaut, sagte Buch-Jepsen. Auf die Frage, warum er diese Videos geschaut habe, antwortete Madsen, «um zu weinen und Gefühle zu empfinden». Mit sexuellen Fantasien habe dies nichts zu tun.

Im Gerichtssaal anwesend waren auch die Eltern von Kim Wall. Auf einem Bildschirm wurden die letzten SMS gezeigt, welche die 30-Jährige von Bord des U-Boots an ihren Freund geschickt hatte, bevor es auf Tauchfahrt ging. «Ich lebe übrigens noch», schrieb sie am 10. August um 20.15 Uhr augenzwinkernd. «Wir gehen jetzt runter. Ich liebe Dich!!!!!!»

Mord geplant

Die Anklage wirft Madsen neben Mord schweren sexuellen Missbrauch sowie Leichenschändung vor. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft folterte und tötete der 47-Jährige die junge Frau, um seine sexuellen Fantasien auszuleben. Er habe den Mord geplant und eigens Messer, spitze Schraubenzieher, Plastikschnüre und Rohre an Bord gebracht, um seinen Plan in die Tat umsetzen zu können.

Eine Autopsie der zerstückelten Leiche brachte keine Klarheit über die Todesursache. Die Ermittler gehen davon aus, dass Madsen Wall erwürgte oder ihr die Kehle durchschnitt. In dem Prozess wird am 25. April ein Urteil erwartet. Insgesamt 37 Zeugen sind geladen, darunter Gerichtsmediziner und andere Experten.

(nag/sda)