Schüler-Beeinflussung

07. März 2018 09:48; Akt: 07.03.2018 09:48 Print

US-Lehrerin (25) betreibt heimlich rechten Podcast

Tagsüber unterrichtete Dayanna Volitich Sozialkunde, in ihrer Freizeit verbreitete sie Hetze über Juden und Muslime. Jetzt flog die Lehrerin aus Florida auf.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Tiana Dalichov hat radikale Ansichten: Sie glaubt an antisemitische Verschwörungstheorien und findet, Muslime sollten ausradiert werden und bestimmte Rassen seien klüger als andere. Ihre Meinung tat die junge Frau bis vor kurzem in ihrem «Unapologetic»-Podcast kund. Doch Tiana Dalichov ist nicht Tiana Dalichov.

Am Wochenende enttarnte die «Huffington Post» ihr Doppelleben und ihre wahre Identität. Dalichov heisst eigentlich Dayanna Volitich und arbeitete als Sozialkunde-Lehrerin an einer Mittelschule in Crystal River in Florida.

«Ich tanzte wie eine kleine Marionette»

US-Medien beschreiben, wie es in ihrer Online-Show und auf anderen Podcasts, in denen sie zu Wort kam, zu- und herging. In ihrem ersten Jahr als Lehrerin habe sie regelmässig unter der Aufsicht von erfahreneren Kollegen und Behördenmitarbeitern unterrichtet, gab sie in einer ihrer Sendungen im Februar zu Protokoll.

«Ich wusste, wann sie kamen», zitiert die «Washington Post» Volitich. «Ich tat, was von mir erwartet wurde. Ich tanzte wie eine kleine Marionette und wartete, bis sie gegangen waren.» Sei sie unbeobachtet gewesen, habe sie versucht, ihren Schülern ihre nationalistische Weltsicht nahezubringen.

Rechtfertigung: «Politische Satire»

Wenige Tage nach ihrer Enttarnung hat sich Volitich gemäss «Daily Mail» über ihren Anwalt zu Wort gemeldet: Ihre Äusserungen als Tiana Dalichov seien als politische Satire und Übertreibung gemeint gewesen, die vornehmlich dazu gedient hätten, Hörer und Follower zu gewinnen und Diskussionen mit diesen anzustossen. Zudem habe sie ihre persönlichen Ansichten im Unterricht nie thematisiert.

Dementgegen stehen ihre Podcast-Äusserungen. In diversen Audio-Clips stellte sie sich als Missionarin dar, die ihre Schüler indoktrinieren wollte. Sie brüstete sich damit, dass ihr das gelang, ohne dass ihre Kollegen Bescheid wussten. Es sei sogar vorgekommen, sagte Volitich einmal im Gespräch mit einem Gast, dass besorgte Eltern den Direktor informiert hätten. Dafür habe sie eine simple Lösung gehabt: Lügen und noch einmal davonkommen. In der Sendung pflichtete Volitich alias Dalichov ausserdem ihrer Gesprächspartnerin bei, dass mehr Rechtsextreme Lehrer werden sollten.

Lehrerin ist suspendiert

Ihren Schülern habe sie sogar offen gesagt, dass sie sich anders verhalten würde, sobald beobachtende Kollegen im Klassenzimmer seien. «Beim ersten Mal waren sie irritiert, weil ich mich in eine völlig andere Lehrerin verwandelte», gab Volitich in einer anderen Sendung zu.

Auch auf Twitter postete Volitich als Tiana Dalichov aufwiegelnde Botschaften (siehe Bildstrecke). «Weisse Privilegien? Beweist mir, dass sie existieren. Zeigt mir Statistiken, die beweisen, dass Weisse wirtschaftlich nur wegen ihrer Rasse profitieren», schreibt sie etwa im November 2017. Oder im Februar 2018: «Es ist nicht rassistisch oder hasserfüllt, deine eigenen Leute gegenüber anderen zu bevorzugen.»

Die Schule hat die 25-Jährige inzwischen suspendiert und eine Untersuchung eingeleitet. Sowohl ihr Twitter-Profil als auch ihr Podcast sind mittlerweile offline.

(mlr)