Freiheit statt Dressur

13. Januar 2015 22:43; Akt: 14.01.2015 14:31 Print

Umdenken bei Delfinarien und Meeresaquarien

von Jennifer Kay, AP - Seit Jahrzehnten kämpft der ehemalige «Flipper»-Trainer Ric O'Barry für die Freiheit der Delfine und mit seinem schlechten Gewissen. Und das mit Erfolg.

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SeaWorld Orlando kämpft seit einer Dokumentation mit sinkenden Einnahmen. (Bild: Keystone/Phelan M. Ebenhack)

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In den 1960er-Jahren war Ric O'Barry Delfindompteur und begeisterte mit der TV-Serie «Flipper» eine ganze Generation für Delfinarien und Meeresaquarien. Doch als eines der Tiere nach jahrelanger Gefangenschaft in seinen Armen starb, wandelte er sich zum radikalen Tierschützer und organisierte fortan zahllose Protestaktionen und Medienkampagnen. In der Dokumentation «Die Bucht» aus dem Jahr 2009, die das Töten von Delfinen in Japan zeigt, tritt er als Tierbefreier auf.

Inzwischen haben die Kampagnen Erfolg. So sondiert eines der grössten Aquarien der USA, das National Aquarium in Baltimore, die Möglichkeit für ein Schutzgebiet, in dem acht Delfine ihre letzten Tage verbringen könnten.

Wale haben Recht auf Freiheit

Auch Volksvertreter überall im Land machen sich Gedanken über das Schicksal der Meeressäuger. Im November verabschiedete der Stadtrat von San Francisco eine nicht-bindende Resolution, wonach Wale und Delfine ein Recht auf ein Leben in Freiheit haben. Das kalifornische Malibu erliess im Februar eine ähnliche Proklamation.

«Das bestätigt mich! Ich hatte Recht! Das fühlt sich grossartig an», jubelt der 75-jährige O'Barry in der Stadt South Miami. «Es hat nur 50 Jahre gedauert, aber endlich kapieren sie es. Sie gehören nicht in Gefangenschaft, das räumen sie jetzt ein.»

Die Branche sieht das anders: «Ich bin nicht sicher, ob man sich um ihre mentalen und physischen Bedürfnisse kümmert, wenn man fordert, dass sich Delfine zur Ruhe setzen sollen», entgegnet Rita Irwin, Präsidentin der internationalen Vereinigung von Parks und Aquarien für Meeressäuger, der weltweit mehr als 60 solche Einrichtungen angehören. Daneben leitet sie das Delfin-Forschungszentrum der Inselgruppe Florida Keys, das in den 1990er-Jahren einen Delfin aufnahm, den O'Barry ausgewildert hatte. Nach Ansicht des Forschungszentrums war das Tier damals unterernährt, nach Einschätzung O'Barrys bei guter Gesundheit.

Pädagogisch fragwürdig

O'Barry zufolge haben Delfine in Gefangenschaft keinen pädagogischen Wert, weil die Vorführungen nichts mit dem Verhalten der Tiere im Meer gemein hätten: «Die Musik spielt und Sie haben frei, sind mit der Familie unterwegs, die Sonne scheint, das Wasser ist von einem wunderschönen, magischen, glitzernden Blau, und der Delfin lächelt Sie an. Es scheint kein Problem zu geben. Wenn Sie den Delfin nicht gerade mit einem Baseball-Schläger schlagen, sehen sie die optische Täuschung nicht, die ich sehe», so O'Barry.

Nach seinem Willen sollten für die Auswilderung geeignete Delfine in die Freiheit entlassen und die anderen in Meerwassergehegen gehalten werden, wo sie vor Raubfischen sicher sind. Tatsächlich schwenken manche Einrichtungen auf seine Linie ein. Das National Aquarium in Baltimore stellte Delfinshows vor zwei Jahren ein und gewährt Besuchern stattdessen Einblick in die Arbeit der Trainer. Nun plant es ein Schutzgebiet oder ein Delfin-Zentrum.

Wer stehen bleibt, geht unter

«Die Generation der Babyboomer wuchs mit «Flipper» auf, für um die Jahrtausendwende Geborene waren es hingegen «Free Willy» und «Die Bucht». Unser Publikum entwickelt sich dramatisch, und wenn wir weiter relevant bleiben wollen, müssen wir uns auch weiterentwickeln», schreibt Geschäftsführer John Racanelli.

Das Clearwater Marine Aquarium in Florida, das die Stars «Winter» und «Hope» aus den «Mein Freund, der Delfin»-Filmen beherbergt, will seine Trainerarbeit weiterhin öffentlich zeigen, doch «grosse Broadway-Shows machen wir nicht», betont Geschäftsführer David Yates.

SeaWorld in Orlando kündigte im vergangenen Sommer den Bau grösserer Becken für seine Killerwale an. Damit reagierte das Management auf sinkende Einnahmen und Besucherzahlen nach der Dokumentation «Blackfish», die 2013 die Haltung von Meeressäugern in Gefangenschaft als inhuman anprangerte.

O'Barry ist froh über das Umdenken in Gesellschaft und Industrie: «Ich habe dazu beigetragen, dass es so weit kam», bekennt er. «Nun tat ich, was ich konnte, um es zu beenden.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hope am 13.01.2015 23:44 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte kauft KEIN Ticket für Delfinarien!

    Bitte geht NICHT in Delfinarien. Sonst unterstützt Ihr damit die Taiji Delfintreibjagd in Japan, ein Milliardengeschäft. Sie liefern gefangene Delfine in alle Welt. Gerade in diesem Moment wird wieder eine Delfinfamilie zusammengetrieben :( Schaut auf Twitter CoveGuardians Es ist furchtbar. Ric O'Barry macht einen wichtigen Job. Dokufilme wie The Cove (über Taiji) und Blackfish (über gefangene Orcas in SeaWorld) sind wichtig. Bitte informiert Euch. und bitte: DON'T BUY A TICKET!

  • Kurt Spalinger am 13.01.2015 23:20 Report Diesen Beitrag melden

    NEIN zu Zoo- und zu Zirkustieren

    Die Versklavung der Haus- und Zootiere finde ich respektlos. Ich erkenne in der Evolution keinen Grund, der das Halten von Lebewesen zur Befriedigung unserer Schuldgefühle gegenüber der Zerstörung des natürlichen Lebensraumes (Schuldgefühle durch die Ausrottung der Tierarten, durch den Entzug des natürlichen Lebensraumes infolge Rodung und Umweltverschmutzung) oder zur Belustigung rechtfertigt. Wenn eine Tierart evolutionsbedingt ausstirbt ist das der Lauf der Natur, doch nachhelfen müssen wir da nicht. Wann werden wir erkennen, dass wir die Versklavung der Haus- und Zootiere stoppen sollten.

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  • Proud human am 14.01.2015 07:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so!

    Wird auch langsam Zeit! Vielen Dank an dieser Stelle auch an Sea Sheperd und Rob Stewart! Keep up the good work!

Die neusten Leser-Kommentare

  • gg am 14.01.2015 19:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld regiert die Welt!

    Anstatt dass die Leute einen neuen Beruf suchen, halten sie an ihren Gefängnissen fest, weil sie damit Geld verdienen! Schande!

  • Delfino am 14.01.2015 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    ach, ich weiss nicht

    wenn man darüber nachdenkt finde ich auch, dass es für die Tiere kein echter Spass ist und sie so nicht wirklich glücklich leben können... jedoch ertrage ich dieses Gekeife der Tierliebhaber nicht mehr, ich seh', hör und les' nur noch "kreisch, Gacker, Zeter!"... alte Comic-Angewohnheit :P

  • Michel Scholler am 14.01.2015 18:03 Report Diesen Beitrag melden

    Besucht bitte keine Delphinshows

    Ich verfolge seit einigen Jahren die Geschehnisse in Taiji, Japan. Es ist herzzerreissend mit anzusehen, wie diese wunderbaren Geschöpfe eingefangen, die stärksten Tiere für die Delphinarien selektiert und der Rest abgeschlachtet wird. Eingehende Informationen dazu findet Ihr auf Wer ein Delphinarium besucht, macht sich des tausendfachen Massenmordes an Delphinen mitschuldig!

  • Nat am 14.01.2015 16:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles gehört verboten

    Alle Zoos , Tierzirkuse etc gehören abgeschafft!!!Ich verstehe nicht, wie man für so etwas bezahlen kann und /oder den Kindern eine solche "Realität " zeigen kann

    • LiBu am 15.01.2015 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Richtig.

      Bin ganz deiner Meinung. Tiere im Zirkus gehören verboten, wie es kürzlich in den NL beschlossen wurde. Auch Zoos müssen umdenken und nur noch Tiere artgerecht beherbergen, bei denen es nicht anders geht. Wilde Tiere gehören in die Natur! Und das Letzte sind sicher diese Wal- und Delphinshows. Eine einzige habe ich gesehen, um mir ein Bild davon zu machen. Schrecklich, wie die eingepfercht werden. Diese Tiere gehören zumindest in ein grosses Meerbecken, wenn sie nicht ausgewildert werden können. Auf solche Shows kann jeder verzichten.

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  • Röufu am 14.01.2015 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist kein Umdenken!

    Sie hatten ja keine Wahl. Die Gewinne sind vollkommen eingebrochen. Hoffentlich geht die ganze Industrie unter!