Horror-Haus

25. Januar 2018 08:24; Akt: 25.01.2018 10:19 Print

Eltern ist Kontakt zu den 13 Kindern verboten

Im Fall der 13 gefolterten Kinder in Kalifornien machen die Ermittler langsam Fortschritte. Für die Eltern gibt es neue Auflagen.

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Eltern droht Gefängnis bis ans Lebensende: Gerichtliche Anhörung im Verwaltungsbezirks Riverside. (18. Januar 2018) Elizabeth Jane Flores, Schwester der festgenommenen Louise Turpin und selbst Mutter von sieben Kindern, hat ihre Nichten und Neffen seit 19 Jahren nicht zu Gesicht bekommen. Teresa Robinette, eine zweite Schwester, sagt zu NBC: «Ich fühle mich wie in einem bösen Traum.» Im Jahr 2011 besuchte die Familie Disneyland in Kalifornien. Laut der Grossmutter Betty Turpin machte die Familie jedes Jahr Ausflüge dorthin. Sollen während Jahren die Kinder gefangen gehalten haben: David Allen Turpin (57) ist zusammen mit seiner Frau Louise Anna Turpin (49) festgenommen worden. Die Eltern können nicht erklären, weshalb sie ihre Kinder eingesperrt haben. Das Ehepaar hielt seine 13 Kinder unter schlimmsten Bedingungen im eigenen Zuhause gefangen. Die Kinder im Alter zwischen zwei und 29 Jahren wurden in der Stadt Perris entdeckt. Auf Facebook findet sich ausserdem dieses Familienfoto. Eine 17 Jahre alte Tochter der Familie hatte sich befreien und die Polizei alarmieren können. Laut Polizeibericht waren einige der Kinder mit Eisenketten und Vorhängeschlössern an ihre Betten gefesselt gewesen. Anwohner und Medienvertreter vor dem Haus der Familie. Alle Kinder schienen unterernährt: Polizisten, die von der geflohenen 17-Jährigen angesprochen wurden, schätzten das Mädchen aufgrund seiner Grösse zunächst auf etwa zehn Jahre. Fassungslosigkeit bei den Nachbarn. Sie beschreiben die Familie als sehr verschlossen. «Sie haben kein Wort gesagt», sagte ein Anwohner. Unterlagen des kalifornischen Bildungsministeriums zeigten, dass unter der Adresse des Wohnhauses der Familie auch eine Tagesschule angemeldet war. Für die Eltern wurde jeweils eine Kaution von neun Millionen Dollar festgelegt.

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Nach der Entdeckung von 13 verwahrlosten Kindern und jungen Erwachsenen in einem Haus in Kalifornien haben die US-Behörden den Eltern jeglichen Kontakt zu ihren Nachkommen verboten. Ein Richter unterzeichnete am Mittwoch eine Anordnung, die den Eltern lediglich erlaubt, sie per Anwalt oder über Ermittler zu kontaktieren. Bezirksstaatsanwalt Mike Hestrin sagte, alle Kinder seien weiter im Krankenhaus und froh, aus dem Haus zu sein, das die Behörden als «Folterkammer» beschrieben.

Den Ermittlungen zufolge hat das Paar seine Kinder im Alter zwischen zwei und 29 Jahren gefoltert und so schlecht versorgt, dass sie in ihrer Entwicklung zurück sind. Langsam erzählten die Opfer den Ermittlern aber ihre Geschichte. «Sie erzählen sie in ihrer eigenen Geschwindigkeit. Es kommt raus, wenn es herauskommt», so Hestrin gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

«Kein Verständnis, wie die Welt funktioniert»

Jüngst hätten die Ermittler erfahren, dass die Eltern die Kinder voneinander isolierten – etwa in unterschiedlichen Gruppen in unterschiedliche Räume einschlossen. Sie hätten keinen Zugang zu Fernsehen oder Radio gehabt, könnten aber lesen und schreiben. «Für mich sieht es so aus, als hätten sie keinerlei Verständnis dafür, wie die Welt funktioniert», sagte Hestrin.

Ein älterer Sohn habe etwas Unterricht in einer Schule gehabt, die Mutter habe ihn aber zu dem Gebäude gebracht und bis zum Ende auf ihn gewartet. Bei den Behörden hatte das Ehepaar angegeben, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten.

Die 13 Kinder waren Mitte Januar aus ihrem Elternhaus in der Stadt Perris im Bezirk Riverside County befreit worden, nachdem einer 17-Jährigen die Flucht gelungen war und die Polizei gerufen hatte. Drei der Kinder waren an Betten gefesselt. Die Eltern müssen sich vor Gericht verantworten.

(chk / bla/sda)