Virenjäger auf der Flucht

14. November 2012 14:44; Akt: 15.11.2012 07:19 Print

Die verrückte Welt des talentierten Mr. McAfee

von Manuel Jakob - Einst war er IT-Millionär – jetzt ist John McAfee ganz, ganz unten: Er steht unter Mordverdacht und ist auf der Flucht. Nun hat der Softwareentwickler beim «Wired»-Chefredaktor angerufen.

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McAfee posiert mit Schrotflinte und nacktem Oberkörper. (Bild: Screenshot wired.com)

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Mit einem Programm wurde er berühmt: Seine auf Millionen von Computern installierte Software macht seit den 90er-Jahren Jagd auf Viren. Jetzt ist der Gründer der PC-Sicherheitsfirma McAfee selber zur Zielscheibe geworden.

In seiner Wahlheimat Belize wird der 67-jährige John McAfee von der Polizei gesucht. Er soll seinen Nachbarn – ebenfalls ein US-Bürger – ermordet haben, hiess es am Montag aus Polizeikreisen des zentralamerikanischen Kleinstaats. Kurz darauf teilten die Behörden mit, dass McAfee nicht angeklagt sei, sondern lediglich eine «Person von Interesse».

Nach 18 Stunden die Flucht gewagt

Doch John McAfee bleibt misstrauisch. Der Mann, der von seinen Nachbarn laut Nachrichtenagentur AP als «schwieriger Zeitgenosse» bezeichnet wird, entzog sich einem Zugriff der Polizei, indem er sich auf seinem Anwesen im Sand verbuddelte und seinen Kopf unter einem Karton versteckte, wie das US-Magazin «Wired» berichtete.

Am frühen Dienstagmorgen meldete sich der Gejagte telefonisch bei Joshua Davis, dem Chefredaktor von «Wired» (s. Video unten). Er habe sich in den letzten Stunden auf Booten und in Autos versteckt und auf Matratzen voller Läuse gelegen. Rund 18 Stunden habe er sich zunächst auf seinem Anwesen versteckt, bevor er die Flucht gewagt habe.

McAfee in Todesangst

Er sei genug erfahren, um zu wissen, was ihn erwarte, erzählt er weiter: «Sie wissen, was in Gefängnissen Zentralamerikas geschieht, um an Informationen zu gelangen. Ich bin mir absolut sicher, dass ich Aussagen unterschreiben müsste, die Gott weiss was besagen.» Wer einem Menschen genügend Schmerzen zufüge, kriege aus diesem alles heraus, was er will. Was McAfee meint, ist klar: Er fürchtet sich davor, dass er im Gefängnis gefoltert oder gar getötet wird.

«Sie werden mich verfolgen, bis sie mich haben – es ist nur eine Frage der Zeit.» Die Angst spricht aus den Aussagen des 67-Jährigen. «Ich kann nicht aus diesem Haus raus. Ich bin einer der wenigen Ausländer, die hier leben. Die Medien, die Polizei, alle haben mein Bild», so McAfee weiter. «Sobald ich mich auf der Strasse zeige, bin ich geliefert.»

Affinität für zweifelhaften Menschen

McAfees Ruf ist nicht der beste. Er soll sein Vermögen für ein leichtes Leben ausgegeben haben. Waffen und Drogen, Frauen und schnelle Autos prägen die Berichterstattung über den ehemaligen Virenjäger. Als er 2011 erstmals von der Polizei Besuch erhält, findet diese zahlreiche Waffen.

Mit diesen Vorwürfen konfrontiert, entgegnet der 67-Jährige: «Ich umgebe mich nicht nur mit zweifelhaften Personen, wie mir vorgeworfen wird. Aber es ist halt schwierig, nichts mit solchen Menschen zu tun zu haben, in einem Land, in dem praktisch alle zweifelhaft sind.»

Porträt mit Schrotflinte

Ob die Angst McAfees berechtigt ist, ist unklar. Die Technikwebseite «Gizmodo» spekuliert, dass McAfee unter Verfolgungswahn leide. Und das nicht von ungefähr: Seit zwei Jahren experimentiere der US-Bürger mit Drogen – unter anderem mit dem als Badesalz bekannt gewordenen MDPV. Dass «Wired» seine Artikel über den Gejagten mit Bildern illustriert – wohl mit der Genehmigung McAfees –, auf denen er mit nacktem Oberkörper, Sonnenbrille, tätowierten Armen und einer Schrotflinte posiert, dürfte nicht dazu beitragen, die Behörden von Belize weniger misstrauisch zu stimmen.

Das telefonische Interview mit McAfee
(Video: Wired.com)