18 Tote in Bayern

04. Juli 2017 08:57; Akt: 05.07.2017 07:35 Print

Warum brannte der Bus so schnell?

Nach dem tragischen Unfall in Bayern gibt es drei Thesen, weshalb der Reisecar Feuer fing.

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Sie wollten an den Gardasee. Noch nicht einmal auf der Hälfte ihrer Reise kollidierte der Reisecar der Senioren aus Dresden mit einem Sattelschlepper und brannte aus. 18 Menschen starben, 30 wurden zum Teil schwer verletzt. Warum konnte der Bus so schnell ausbrennen, dass ihn die Insassen nicht mehr verlassen konnten?


46 Fahrgäste und zwei Fahrer in dem Bus befunden. (Video: Tamedia/AP)

Die Staatsanwaltschaft untersucht den Unfallhergang. Experten haben mehrere Theorien. Gemäss einer ersten könnte das Feuer noch vor dem Aufprall ausgebrochen sein.

Feuer kann unbemerkt bleiben

Wenn das Feuer im Motor ausbricht, kann das sehr lange unentdeckt bleiben. Denn Niederflurmotoren befinden sich im Heck. «Der Fahrtwind drückt das Feuer zunächst nach hinten, sodass man lange braucht, um so einen Brand wahrzunehmen», sagt Siegfried Brockmann, Leiter Unfallforschung der Versicherer, der «Welt». Auch habe er brennende Teile hinter dem Bus gesehen, was für dieses Szenario spreche.

Laut einer weiteren Theorie könnte die Treibstoffleitung abgerissen sein. «Wenn der Kraftstoff unter dem Bus herläuft und alles brennt, geht es rasend schnell», sagt ein anderer Experte.

Feuer kann sich bis zum Tank durchfressen

Auch einen Kurzschluss halten Sicherheitsexperten für möglich. Entzündeten sich die Materialien, breite sich das Feuer rasend schnell aus, obschon sie feuerhemmend seien. Dazu komme der Rauch, der sich im Innenraum ausbreite und Löschversuche behindere.

Ein weiterer Sicherheitsexperte sagte der «Bild», die Elektronik sitze hinter dem Armaturenbrett, von wo aus sich das Feuer nach einem Kurzschluss unbemerkt bis zum Tank durchfressen könne. «Die Materialien im Innenraum von Bussen sind deutlich leichter entflammbar als die, die die Deutsche Bahn verbauen muss», sagt Brockmann.

Fahrer versuchte auszuweichen

Der Bus war auf das Ende eines Staus aufgefahren. Nach dem aktuellen Ermittlungsstand ist der vor ihm fahrende Lastwagen mit 30 Kilometern pro Stunde auf der rechten Spur gefahren, wie «Bild» schreibt. Der Reisecar fuhr mit 60 Kilometern pro Stunde und der Fahrer hatte noch versucht, auf den Pannenstreifen auszuweichen.

Die Passagiere waren zwischen 41 und 81 Jahre alt. Was besonders tragisch ist: Als die Ersten von ihnen aus dem Fahrzeug flohen, fachten sie womöglich Feuer an, als beim Öffnen der Türen Sauerstoff ins Innere gelangte.

Für sicheres Fahren ausgezeichnet

Der Car war laut dem deutschen Verband der Busunternehmer drei Jahre alt und ist erst im April von der Fahrzeugkontrolle überprüft worden. Der Fahrer war seit mehr als zehn Jahren bei der Firma angestellt. Und er wurde vor vier Jahren für langjähriges unfallfreies und sicheres Fahren ausgezeichnet. Der 55-Jährige kam beim Unfall ums Leben.

(oli)