Konflikt in der Notaufnahme

02. Dezember 2017 17:11; Akt: 02.12.2017 17:11 Print

Was tun bei einem «Nicht wiederbeleben»-Tattoo?

Ein bewusstloser Patient landet in der Notaufnahme – ohne Ausweis, dafür mit einem Tattoo auf der Brust, auf dem «Nicht wiederbeleben» steht. Die Ärzte stehen vor einem Dilemma.

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Die Ärzte in der Notaufnahme des Universitätsspitals in Miami hatten kürzlich eine schwierige Entscheidung zu treffen: Sollten sie einem bewusstlosen Patienten das Leben retten oder nicht?

Der Mann hatte im Moment seiner Aufnahme keinen Ausweis dabei, doch auf seiner Brust war in grossen Buchstaben die Anweisung «NICHT wiederbeleben» eintätowiert. Darunter stand sogar seine Unterschrift.

Spitalverwaltung zögerte

Der 70 Jahre alte Patient wurde mit der Ambulanz ins Spital gebracht, berichtet das «New England Journal of Medicine». Der Mann war stark alkoholisiert und hatte eine lange Vorgeschichte von Diabetes und Lungenerkrankungen.

Die Spitalverwaltung konnte zunächst die Angehörigen des Mannes nicht lokalisieren, da seine Identität nicht bekannt war, heisst es im Bericht weiter. Um auf lebensrettende Massnahmen zu verzichten, müsse jedoch eine schriftliche Anordnung zum Verzicht auf Wiederbelebung des Patienten beim Gesundheitsdepartement des Staates Florida vorliegen, lautete der erste Entscheid des Personals.

Sitzung mit Ethikkommission einberufen

Die Mediziner verabreichten darum dem 70-Jährigen Antibiotika und intravenöse Flüssigkeiten. Dennoch waren die Zweifel der Ärzte gross: Sollten sie nicht eigentlich der tätowierten Anweisung folgen? Schliesslich hatte sich der Patient ziemlich viel Mühe gegeben, um klarzumachen, dass er im Falle eines Notfalls nicht wiederbelebt werden wolle.

Eine Sitzung mit der Ethikkommission wurde einberufen. In der Zwischenzeit konnte aber die Verwaltung des Unispitals den Mann identifizieren. Nach einer Anfrage beim Gesundheitsdepartement war klar: Der Patient hatte dort tatsächlich seinen Wunsch zum Verzicht auf Wiederbelebung deponiert.

Patient durfte sterben

Wie es weiter im Bericht heisst, habe sich im Laufe der Stunden der Zustand des Mannes verschlechtert. Auf eine künstliche Beatmung wurde aber verzichtet. Der Patient starb kurz danach. «Wir waren sehr erleichtert, als wir erfuhren, dass er eine schriftliche Anweisung hinterlassen hatte», schrieben die Ärzte am Schluss.

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Worm77 am 02.12.2017 17:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tattoo

    Das einzige Tattoo, das Sinn macht. Möchte auch keine Wiederbelebung. Wenn's zu Ende sein soll, dann soll's eben so sein.

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  • Eine am 02.12.2017 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    ......

    Ich kenne einen Fall, bei dem ein über 80 jähriger Mann in einer Beiz vom Stuhl kippte und starb. Welch schöner Tod...... wäre es gewesen, wenn es nicht noch solche gegeben hätte, die ihn wiederbeleben wollten. Man überlege, der Mann war gesund und tot. Hätte er die Wiederbelebung überlebt, wie wäre es ihm danach ergangen? Krankenhaus? Pflege? Ein dahin siechen bis es ihn noch einmal erwischt? Ganz ehrlich. Ich hoffe es geht mir auch einmal so. Wenn ich alt bin. Zack bumm und weg. Und dann hoffe ich, das man mich in Ruhe lässt.

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  • Cleo am 02.12.2017 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Akzeptieren

    Nicht wiederbeleben. Ganz einfach.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • E.P. am 03.12.2017 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respektieren.

    Jeder hat das Recht zu sterben.

  • lino am 03.12.2017 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naja...nicht so sauber das ganze

    und was ist wenn er das ganze vor 20 jahren gemacht hat , und vergessen hat es zu deaktivieren? vielleicht hätte noch nach der reanimation 20 jahre noch gelebt???

  • tina am 03.12.2017 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respect

    eine Wiederbelebung muss innerhalb weniger Minuten erfolgen. Zuerst herum telefonieren ob jemand eine Patientenverfügung hat...... Tattoo ist eindeutig, finde ich super, schnell ersichtlich.

  • theo am 03.12.2017 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    realist

    hatten alle beim heutigen Weihnachtsschwimmen eine Patientenverfügung in der Badehose? Ein Tattoo ist in jrdemfall dabei indsollte respekriert werden.

  • Pfirsich am 03.12.2017 19:22 Report Diesen Beitrag melden

    Klare Ansage

    Ich bin kein Tattoohasser und auch kein Freund. Aber so eine Message würde ich sofort stechen lassen. Mehr geht nicht und diesen Herrn hätte ich nicht mehr reanimiert