Spanien

19. Juni 2014 18:24; Akt: 20.06.2014 14:30 Print

Website verschweigt, dass Luxushotel KZ war

Ein deutscher Gast im Hotel Parador von León wollte in einem Kommentar auf dessen KZ-Vergangenheit aufmerksam machen. Doch das liess Booking.com nicht zu.

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Raten Sie mal, wem sich Buchungswebsites verpflichtet fühlen – den Gästen oder den Anbietern? Richtig: Der Vertrag mit den touristischen Etablissements ist ihnen im Zweifelsfall wichtiger.

Diese für viele enttäuschende Wahrheit erfuhr der Deutsche Wilfried Stuckmann nach einem Besuch der nordwestspanischen Stadt León. Wie die «Frankfurter Rundschau» berichtet, hatte der 63-jährige Tourist über booking.com ein Zimmer im Parador-Luxushotel der Stadt gebucht. Bei seinem Besuch Mitte April fand er das im früheren Kloster San Marcos untergebrachte Hotel «gut», obwohl es ihm auch als «ziemlicher Massenbetrieb» vorkam.

Jedes Zimmer als Kerker genutzt

Entsetzt war Stuckmann aber nach dem Besuch des Kreuzgangs. Dort erinnert eine Gedenktafel an die «dunkelste Epoche in der fünfhundertjährigen Geschichte des Klosters». In vier Jahren des spanischen Bürgerkriegs ab 1936 sei «jede letzte Ecke» des Gebäudes als Kerker genutzt worden, stand da. In der Provinz León seien den Franco-Faschisten 3000 Menschen zum Opfer gefallen, «ein guter Teil davon in den Kerkern von San Marcos».

«Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir niemals in diesem Hotel ein Zimmer gebucht!», sagte er der «Rundschau». Wie es sich für einen Hauptschullehrer gehört, verfasste er einen Kommentar auf Booking.com mit Details zum blutigen Hintergrund des Parador.

Politische und historische Themen tabu

Doch die in Amsterdam ansässige Website weigerte sich, Stuckmanns Anmerkungen zu veröffentlichen. In E-Mails verwiesen Mitarbeiter von Booking.com darauf, dass «solch sensible politische und historische Themen nicht in den Bewertungen diskutiert werden sollten, da dies für einige Menschen verletzend sein könnte». Stuckmann gab zurück: «In einem Konzentrationslager übernachtet zu haben, hat mich mehr verletzt, als es die üblicherweise beschriebenen Mängel jemals könnten.»

Doch Booking.com liess sich nicht erweichen und weigerte sich, den Kommentar erscheinen zu lassen. Ein klarer Fall von Zensur, findet Stockmann. «Damit sind Kundenbewertungen auf den Seiten von Booking.com generell absolut wertlos, weil sie nicht objektiv sind, sondern zensiert und manipuliert», sagte der verärgerte Gast der Zeitung.

Versuch der Besänftigung

Die Interessenverhältnisse waren somit klargestellt. Um den vergraulten Kunden zu besänftigen, bot Booking.com die Rückerstattung der Übernachtungskosten an. Stockmann habe akzeptiert, schreibt die «Rundschau», und die 396 Euro an einen spanischen «Verein zur Wiedererlangung des Historischen Gedächtnisses» gespendet.

Etwas Zusätzliches bewirkte Stockmanns Engagement ebenfalls: Auf der Website des Parador erwähnt jetzt ein Halbsatz die «Zweckentfremdung als Konzentrationslager während des Spanischen Bürgerkriegs».

(sut)