Cold Case in Frankreich

18. Juni 2017 21:20; Akt: 18.06.2017 21:20 Print

Welches Familienmitglied ermordete Grégory (4)?

32 Jahre nach einem mysteriösen Kindsmord in Frankreich sitzen zwei Familienmitglieder in U-Haft – darunter eine 85 Jahre alte Grosstante.

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In mysteriösen Mordfall Grégory Villemin hat die Polizei in Frankreich am 15. Juni 2017 drei am Vortag festgenommene Verwandte des 1984 getöteten Buben verhört. Die Ermordung des kleinen Grégory ist einer der aufsehenerregendsten Kriminalfälle in der jüngeren französischen Geschichte. Der Vierjährige wurde im Oktober 1984 an Händen und Füssen gefesselt tot in einem Bach in der Nähe seines Elternhauses in Ostfrankreich gefunden. Das Kind wurde am 20. Oktober 1984 in Lépanges-sur-Vologne begraben. Schnell geriet damals ein Cousin seines Vaters unter Verdacht. Bernard Laroche wurde am 5. November 1984 formell des Mordes beschuldigt, aber nach drei Monaten wieder auf freien Fuss gesetzt. Daraufhin wurde der Mann von Grégorys Vater (im Bild) in einem Akt der Selbstjustiz erschossen. Kurz danach fiel der Verdacht in einer spektakulären Wendung auf Grégroys Mutter. Die Ermittlungen gegen sie wurden acht Jahre später aber fallen gelassen. Die Justiz sprach sie von allen Vorwürfen frei. Der Fall wurde 2008 auf Betreiben der Eltern neu aufgerollt. Untersucht wurden DNA-Spuren, anonyme Drohbriefe, die die Familie vor der Tat erhalten hatte, sowie ein mysteriöser Bekennerbrief, der am Tag des Mordes abgeschickt worden war. Ausserdem nahmen die Ermittler mithilfe einer Software die früheren Angaben aller Beteiligten unter die Lupe. Sie interessierten sich insbesondere für den Aufenthaltsort und die Aufenthaltsdauer der Tatverdächtigen vor und nach der Tat. Dabei fielen Unstimmigkeiten auf, die zu den Festnahmen vom 14. Juni 2017 führten.

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Überraschende Wende im Fall des 1984 ermordeten Grégory Villemin: Die französische Polizei hat vor wenigen Tagen zwei Verwandte des Jungen in Gewahrsam genommen. Sie werden unter anderem der Beihilfe zum Mord, der Entführung und der Verheimlichung eines Verbrechens verdächtigt.

Wie Staatsanwalt Jean-Jacques Bosc laut «Figaro» erklärte, handelt es sich um Marcel Jacob, einen Grossonkel des ermordeten Kindes, und um dessen Frau Jacqueline (85). Ermittler verhörten die beiden am Donnerstag im ostfranzösischen Dijon zusammen mit Ginette Villemin, einer Schwägerin von Grégorys Vater. Ginette wurde aber kurz danach wieder auf freien Fuss gesetzt.

Nach dem Verhör stellte Staatsanwalt Bosc klar, dass der Fall noch nicht gelöst sei: «Ich weiss nicht, wer der Täter ist», sagte er, denn die Verdächtigen hätten beim Verhör die Aussage verweigert. «Ich kann mich an nichts mehr erinnern», soll der Grossonkel laut «Le Monde» gesagt haben.

Eine schreckliche Familie

Die Ermordung des kleinen Grégory ist einer der aufsehenerregendsten Kriminalfälle in der jüngeren französischen Geschichte. Der Vierjährige wurde im Oktober 1984 an Händen und Füssen gefesselt tot in einem Bach in der Nähe seines Elternhauses in Ostfrankreich gefunden. Schnell geriet Bernard Laroche, ein Cousin seines Vaters, unter Verdacht.

Er wurde formell beschuldigt, aber auf freien Fuss gesetzt und daraufhin von Grégorys Vater in einem Akt der Selbstjustiz erschossen. Kurz danach fiel der Verdacht in einer spektakulären Wendung auf Grégorys Mutter. Die Ermittlungen gegen sie wurden acht Jahre später aber fallen gelassen. Die Justiz sprach sie von allen Vorwürfen frei.

Der Fall wurde 2008 auf Betreiben der Eltern neu aufgerollt. Untersucht wurden DNA-Spuren, anonyme Drohbriefe, die die Familie vor der Tat erhalten hatte, sowie ein mysteriöser Bekennerbrief, der am Tag des Mordes abgeschickt worden war.

Ausserdem nahmen die Ermittler mithilfe einer Software die früheren Angaben aller Beteiligten unter die Lupe. Sie interessierten sich insbesondere für den Aufenthaltsort und die Aufenthaltsdauer der Tatverdächtigen, vor und nach der Tat. Dabei fielen Unstimmigkeiten auf, die zu den Festnahmen vom Mittwoch führten.

(kle)