Saatgut-Verordnung

24. April 2013 17:33; Akt: 25.04.2013 10:25 Print

Wenn dir Brüssel in die Beete brünzelt

von P. Dahm - Während hierzulande alte und seltene Saatgut-Sorten noch gefördert werden, weht in der EU ein anderer Wind. Brüssel will Bauern wie Bürgern einheitliches Saatgut vorschreiben.

Im Juli 2012 protestieren Menschen vor der Syngenta-Zentrale auf Hawaii. Nomi von den Babes Against Biotech erklärt, worum es geht. Quelle: YouTube/H. Doug Matsuoka
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Die EU-Kommission plant eine neue Verordnung, nach der Landwirte und Privatleute nur noch amtlich zugelassenes Saatgut kaufen oder verkaufen sollen. Bis dato galt die bestehende Richtlinie nicht für alte oder seltene Sorten, doch wenn das entsprechende Vorhaben umgesetzt wird, darf selbst gewonnenes Saatgut noch nicht einmal verschenkt werden, berichtet «Deutsche Wirtschafts Nachrichten».

Begünstigt werden durch die neue Regelung vor allem Saatgut-Konzerne, die nun die Früchte ihrer Lobbyarbeit einfahren. Die drei Grossen im Geschäft sind Syngenta aus Basel sowie Monsanto und Dupont aus den USA. Sie teilen den Markt untereinander auf: Zwischen 2005 meldete Monsanto 150 Patente an, bei Dupont waren es 170, bei Syngenta 60. 25 Prozent der Anmeldungen der amerikanischen Firmen betrafen konventionelle Züchtungen, bei den Schweizern war es gar jedes zweite Patent. 1996 bestritt das Trio 22 Prozent aller Saatgut-Verkäufe, 2009 waren es schon 53 Prozent, meldete «Kassensturz».

Umweltschützer befürchten, dass Landwirte in eine Abhängigkeit geraten, der Verbraucher hat weniger Auswahl hat und Neu-Entwicklungen behindert werden. Marktführer Monsanto hält laut «Deutsche Wirtschafts Nachrichten» die Rechte an der Hälfte aller Blumenkohl- sowie an einem Drittel aller Tomaten- und Paprika-Sorten. Bis 2013 seien bereits 142 Personen wegen angeblicher Verletzung der Patente von Monsanto angezeigt worden.

Immer mehr Patente auf konventionelle Züchtungen

Die Organisation «no patents on seed», die von Swissaid und der Organisation «Erklärung von Bern» mitgegründet worden ist, fordert deshalb in einem Offenen Brief die EU-Kommission auf, ihre Pläne zu überdenken.

«Wir sind sehr besorgt darüber, dass das Europäische Patentamt sogar immer mehr Patente auf die konventionelle Zucht von Pflanzen und Tieren erteilt», steht dort. «Dies ist eine alarmierende Entwicklung, da die konventionelle Zucht (ohne gentechnische Veränderungen) bisher als nicht patentierbar galt. In vielen Fällen erstrecken sich diese Patente auf die gesamte Kette der Lebensmittelerzeugung.»

Petition gegen die Biotech-Abzocke

Auch «Seed For All» hat den Brüsseler Bürokraten den Kampf angesagt. «Die Überarbeitung des Europäischen Saatgutverkehrsrechts muss eine bessere Ausgewogenheit und die Berücksichtigung von Umwelt und VerbraucherInnen-Interessen sicherstellen», heisst es in einem Offenen Brief, «Freiräume für Nutzung, Austausch und Verkauf von Saatgut alter, seltener und bäuerlicher Züchtungen schaffen und die Diversifizierung der Landwirtschaft fördern». Sollten Umweltschützer mit ihren Protesten und Petitionen keinen Erfolg haben, dürfen EU-Bürger kein Obst oder Gemüse verkaufen, das nicht konform mit der neuen Verordnung ist.

Wer nun glaubt, das braucht Herrn und Frau Schweizer nicht zu interessieren, denkt zu kurz: Brüssel macht Bern mit unschöner Regelmässigkeit Druck, sich anzupassen. Wenn die Verbraucher sich nicht gegen die Abzocke wehren, werden die Konzerne den Europäern diktieren, was sie anzupflanzen haben. Bleibt zu hoffen: Wer den Wind sät, der erntet auch den Sturm.