Bürgerwehr

28. April 2018 17:10; Akt: 28.04.2018 17:10 Print

Wie die Briten Jagd auf Pädophile machen

Die britische Polizei nimmt die Arbeit von zivilen Pädophilen-Jägern ernst: Allein im letzten Jahr wurde bei 150 Ermittlungen Beweismaterial der Bürgerwehr verwendet.

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Tagsüber gehen sie ihrer Arbeit nach, in ihrer Freizeit jagen sie Kinderschänder: In Grossbritannien schliessen sich immer mehr Bürger in Gruppen zusammen, um pädophile Übergriffe zu bekämpfen. Begonnen hat das bereits vor einigen Jahren mit der Aufdeckung von zahlreichen Pädophilenskandalen im ganzen Land. Nachdem die Missbräuche durch BBC-Moderator Jimmy Savile ans Licht gekommen waren, wurden Hunderte Fälle von Übergriffen in Schulen und Fussballvereinen bekannt.

Wie «The Guardian» jetzt berichtet, arbeiten viele der selbst ernannten Pädophilen-Jäger mittlerweile so effizient, dass die Polizei sich ihrer Beweismittel bedient. Allein im vergangenen Jahr soll das 150-mal der Fall gewesen sein. Aus der Statistik der Polizei geht hervor, dass die Hälfte der Ermittlungen, bei denen es am Schluss zu einer Anklage kam, sich auf Beweise stützten, die eine Bürgerwehr geliefert hatte.

Gruppe lockte Pädophilen in die Falle

Auch wenn die Behörde die Bürger laufend warnt, sie würden mit ihren eigenen Ermittlungen «ein grosses Risiko» eingehen, werden die privaten Fahnder immer mehr. Einer sagte dem Portal «The News» seine Gruppe namens Skid Community werde nicht ruhen, «bis diese Epidemie von Sextätern aufhört».

«Solange die Polizei nicht das richtige Training bekommt, um Pädophilie zu bekämpfen, ist meine Arbeit und die meines Teams wichtig», sagt der Mann, der anonym bleiben will. Stolz gibt er an, dass mit seiner Hilfe kürzlich ein Kinderschänder für fünf Jahre hinter Gitter landete. Dieser hatte vergangenen Sommer auf der Toilette des Bahnhofs Portsmouth einen autistischen Jungen sexuell missbraucht.

Der 34-Jährige konnte aufgrund einer Überwachungskamera identifiziert werden, kam kurz nach seiner Festnahme aber auf Kaution frei. Skid-Mitglieder kreierten auf einer Dating-App daraufhin einen falschen Account und gaben sich als 14-jährigen Buben aus. Im Januar stellten sie dem Mann schliesslich eine Falle, vereinbarten als angeblicher Teenager ein Treffen mit ihm – und lieferten die Beweise der Polizei.

(kle)