Moderne Sklaverei

05. März 2016 21:36; Akt: 07.03.2016 10:50 Print

Zuhälter pflanzt Frau Chip in Hüfte ein

Eine Frau kommt in den USA in die Notfallstation: Sie behauptet, ihr sei ein Ortungs-Chip eingesetzt worden.

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«Ich trage einen Ortungschip in mir!» – Als Dr. A.* die Notiz las, die die Frau dem Notfallarzt in einem US-Spital zugesteckt hatte, war er zunächst genervt. «In unserem Spital sind Patienten mit einer psychischen Störung so häufig wie Sand am Meer.» Und doch war etwas an dieser Frau anders: Sie wirkte gefasst, klar im Kopf, als sie auf einen kleinen Schnitt an der Seite ihres Oberkörpers zeigte.

Dr. A. entschloss sich, die Patientin zu röntgen. «Eingepflanzt in ihrer rechten Hüfte entdeckten wir ein kleines, metallenes Objekt, etwas grösser als ein Reiskorn. Es war unbestreitbar da. Sie hatte tatsächlich einen Chip in sich. Auf einmal wurde es ganz still in dem Raum der Notfallstation – und das will was heissen», erzählt der junge Arzt.

Die Frau war in ihren Zwanzigern. Es stellte sich heraus, dass ihr Freund sie zur Prostitution zwang – und ihr einen RFID-Chip unter die Haut gespritzt hatte. RFID bezeichnet eine Technologie für Sender-Empfänger-Systeme zur Identifizierung und Lokalisierung von Objekten und Lebewesen mit Radiowellen. Es geht dabei weniger um das Lokalisieren – das ist nur auf eine kurze Distanz möglich – als ums Identifizieren*. RFID-Chips werden so etwa bei Katzen und Hunden verwendet. «Jemand hatte sie gechipt, als wäre sie ein Haustier», empört sich Doktor A.

Zuhältern geht es dabei vor allem um eines: Macht und Kontrolle.

Zwangsprostitution als Form moderner Sklaverei

Das scheint kein Einzelfall zu sein, sondern Menschenhandel oder moderne Sklaverei. Diese hat viele Formen, sei es in der Sexindustrie, der Verarbeitungsbranche oder in Privathaushalten. Immer geht es darum, Menschen – meist Frauen – gegen Profit auszunutzen und totale Kontrolle über sie auszuüben.

Eigentlich ist es Aufgabe von Polizei und Behörden, Opfer von Zwangsprostitution zu befreien. Doch wie das von der University of Southern California unterstützte Portal Marketplace.org schreibt, kommt gerade den Notfallärzten und dem Pflegepersonal in Spitälern eine zunehmend wichtige Rolle zu. Denn sie sind es, die direkten Kontakt zu Opfern gerade von Zwangsprostitution haben. So belegt eine Studie der Universität Chicago, dass 88 Prozent der sexuell ausgebeuteten Personen früher oder später die Notfallstation oder eine Klinik aufsuchen.

«Ein erschreckender Weckruf»

«Ich kann garantieren, dass ich mehr Opfer sexueller Ausbeutung untersucht habe, als mir in dem Moment bewusst war», sagt Wendy Macias, Aktivistin und Ärztin am Massachusetts General Hospital in Boston. Anders als die Behörden seien die Ärzte in der speziellen Lage, direkt mit den Opfern in Kontakt zu treten. «Schlepper und Zuhälter sind clever. Sie bringen die Opfer, ihre Ware sozusagen, von einer Stadt in die nächste. Ärzte müssen also reagieren, solange sie das Opfer vor sich haben», so Macias. Nur sei sich die Mehrheit der Ärzte nicht bewusst, dass sie es mit einem solchen Opfer zu tun haben könnten.

Aktivsten und Ärzte hoffen nun, dass der Fall der jungen Frau, bei der der Chip entdeckt wurde, die Ärzteschaft aufrütteln und sensibilisieren wird. «Es gibt so viele Science-Fiction-Filme, in denen jemandem ein Chip eingepflanzt wird. Aber das ist kein Film, das ist real. Für mich war das ein erschreckender Weckruf und ich hoffe auch für meine Kollegen im ganzen Land», sagt Dale Carrison vom University Medical Center in Las Vegas.

*Der Arzt, das Spital und die Stadt wurden aus Gründen des Patientenschutzes anonymisiert.

* Korrektur: In einer früheren Version wurde dies missverständlich dargestellt.

(gux/20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bruder Mercurius am 06.03.2016 08:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur eine kleine Warnung

    Dieses Vorgehen verurteile ich aufs Schärfste. Andererseits ist das vielleicht schon ein Blick auf unsere nahe Zukunft: Mit einem ähnlichen Chip laufen wir vielleicht alle einmal herum. Nur hat er dann einen futuristisch klingenden Namen, und wir sind stolz darauf, damit bezahlen zu können, oder Tickets zu speichern. Dann hat mit diesem 'Bodypass' der Staat vollends unter Kontrolle.

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  • PeteZahad am 06.03.2016 08:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ortung mit RFID?

    Die Reichweite passiver implantierter RFID Chips liegt bei ca. 0.5m. Das reicht zur Identifizierung mit einem Handlesegerät, nicht aber für eine Ortung wie es mit den wesentlich grösseren GPS Trackern möglich ist. Entweder sollte der Frau damit Angst gemacht werden oder die Story ist eine Ente.

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  • Andrea Mordasini am 06.03.2016 08:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach schlimm :(!

    Horror :(! Unglaublich, zu was so kranke, perverse "Menschen" fähig sind. Ich hoffe, dass die Frau das Erlebte einigermassen gut verkraften und verarbeiten wird und der Täter hart bestraft wird!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jane38 am 06.03.2016 14:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    war klar

    war ja nur eine frage der zeit dass so etwas passiert. eine riesen sauerei ist das

  • Andrea Mordasini am 06.03.2016 08:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach schlimm :(!

    Horror :(! Unglaublich, zu was so kranke, perverse "Menschen" fähig sind. Ich hoffe, dass die Frau das Erlebte einigermassen gut verkraften und verarbeiten wird und der Täter hart bestraft wird!

  • Danka am 06.03.2016 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin sprachlos

    Mich würde interessieren, was danach passiert ist, mit ihr, mit dem Zuhälter...

  • Bruder Mercurius am 06.03.2016 08:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur eine kleine Warnung

    Dieses Vorgehen verurteile ich aufs Schärfste. Andererseits ist das vielleicht schon ein Blick auf unsere nahe Zukunft: Mit einem ähnlichen Chip laufen wir vielleicht alle einmal herum. Nur hat er dann einen futuristisch klingenden Namen, und wir sind stolz darauf, damit bezahlen zu können, oder Tickets zu speichern. Dann hat mit diesem 'Bodypass' der Staat vollends unter Kontrolle.

    • Hell Seher am 06.03.2016 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ Bruder Mercurius

      Leider,leider haben Sie recht. Und die Leute werden jubeln...

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  • PeteZahad am 06.03.2016 08:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ortung mit RFID?

    Die Reichweite passiver implantierter RFID Chips liegt bei ca. 0.5m. Das reicht zur Identifizierung mit einem Handlesegerät, nicht aber für eine Ortung wie es mit den wesentlich grösseren GPS Trackern möglich ist. Entweder sollte der Frau damit Angst gemacht werden oder die Story ist eine Ente.

    • Stem am 06.03.2016 21:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @PeteZahad

      Dachte ich mir auch.

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