Tragödie in Thailand

13. Juni 2018 20:57; Akt: 14.06.2018 00:26 Print

Zweites Schweizer Kind stirbt nach Balkonsturz

Anfang Mai kam der fünfjährige Sohn eines Schweizers bei einem Unglück in Bangkok ums Leben – seine drei Geschwister wurden schwer verletzt.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am 1. Mai passierte in Bangkok ein tragischer Unfall: Vier Geschwister mit thailändisch-schweizerischer Herkunft fielen von einem Balkon im vierten Stock eines Gebäudes. Sie waren in der Obhut der Grossmutter, die die Kinder jedoch einen Moment unbeaufsichtigt liess. Ein fünfjähriger Bub erlag seinen schweren Kopfverletzungen, sein zehnjähriger Bruder und seine siebenjährige Schwester wurden in kritischem Zustand ins Spital gebracht. Eine Elfjährige erlitt zudem einen Beinbruch, wurde aber nicht lebensgefährlich verletzt.

Der Vater der Kinder ist ein Schweizer, er hat sich vor fünf Jahren von seiner Frau getrennt, die während des Unglücks bei der Arbeit war. Nun trifft die Familie ein weiterer Schock: Die siebenjährige Tochter, die seit dem Unfall im Koma lag, ist nun ihren Verletzungen erlegen. Das berichtet «The Nation». Ihr Zustand habe sich am Montag verschlechtert, bis ihr Herz am Dienstag aufgehört habe zu schlagen. Die beiden anderen Kinder hätten sich von ihren Verletzungen erholt.

Kinder stiegen auf Bretter am Balkon

Der Schweizer und seine Ex-Frau stehen seit langem in einem Sorgerechtsstreit. Die Mutter erlaubte dem Schweizer deshalb nicht, die Kinder zu sehen. Nach dem tragischen Unglück, bei dem er seinen Sohn verlor, reichte er bei der Polizei eine Beschwerde ein, berichtete die «Bangkok Post». Der Tod seiner Tochter habe ihn nun nochmals schwer getroffen, schreibt «The Nation». Die Zeitung «Coconuts Bangkok» zitiert eine Textnachricht des Schweizers vom Dienstag: «Mein zweites Baby hat es nicht geschafft. Es tut mir leid. Ruhe in Frieden.»

Der Grossvater der Kinder sagte vor ein paar Wochen, man werde das Sorgerecht nicht an den Schweizer abtreten, der als Englischlehrer in Bangkok arbeitet. Die Polizei hatte eine Untersuchung eröffnet. Sie vermutet, dass die Kinder auf Brettern standen, die am Balkon befestigt gewesen seien und wohl zur Aufbewahrung von Geschirr gedient hätten. Als diese nachgaben, fielen die Kinder in die Tiefe.

«Ich will, dass sie den Schweizer Pass erhalten»

Laut der «Coconuts Bangkok» will der Schweizer nicht aufgeben. Im August soll der Sorgerechtsfall vor Gericht verhandelt werden. Er wolle nicht nur das Sorgerecht für beide Kinder, sondern auch, dass jemand für das Unglück zur Rechenschaft gezogen werde. Dabei verweist der Schweizer auf einen Fall aus Frankreich, bei dem ein Kind beinahe vom Balkon fiel, während der Vater es unbeaufsichtigt liess. Mittlerweile sitzt dieser in Untersuchungshaft. «Er muss ins Gefängnis. Aber hier? Nein», wird der Schweizer zitiert. «Ich will, dass jemand dafür bezahlen muss, was passiert ist.»

Er könne seinen Kindern eine bessere Zukunft bieten, sagt er. Er wolle, dass seine Kinder den Schweizer Pass erhalten und damit Unterstützung vom Schweizer Staat erhalten. «Dann können sie reisen und meine Familie besuchen. Ich lebe in einem schönen Haus, die Schule ist nicht weit. Ich möchte ihnen ein besseres Leben bieten.» Derzeit würden die beiden älteren Kinder psychologisch betreut und lebten bei der Mutter.

Die Polizei habe noch keine Anklage gegen die Mutter oder die Grosseltern der Kinder erhoben, berichtet «Coconuts Bangkok». Die Befragung des zehnjährigen Sohnes stehe noch aus, er sei erst vor einer Woche aus dem Spital entlassen worden.

(vro)