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Fall Polanski
01. Oktober 2009 14:40; Akt: 01.10.2009 14:54 Print
Filmerin erstaunt über «Lüge» des Staatsanwalts
von Peter Blunschi - Mit ihrem Dokumentarfilm über den Fall Polanski sorgte Marina Zenovich für Aufsehen. Nun behauptet ein Staatsanwalt, er habe im Film gelogen. Bei einem Besuch in Zürich zeigte sich die Regisseurin darüber sehr erstaunt.
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Samantha Geimer
Der pensionierte Staatsanwalt David Wells erzählt im Film «Roman Polanski: Wanted and Desired», er habe auf den umstrittenen Richter Laurence Rittenband eingeredet, Polanski in den Knast zu schicken und sich nicht an den von Anklage und Verteidigung vereinbarten Deal zu halten, den polnischen Regisseur nicht wegen Vergewaltigung der 13-jährigen Samantha Gailey – heute Geimer – zu verurteilen, sondern nur wegen Sex mit einer Minderjährigen. Ein Fall von illegaler Absprache, der wesentlich dazu beitrug, dass Polanski 1978 vor der kalifornischen Justiz geflüchtet ist, behauptet zumindest der Film.
Marina Zenovich an der Medienkonferenz in Zürich. (Bild: 20 Minuten Online)
Nun aber zog der 71-jährige Wells gegenüber US-Medien seine Aussage zurück: «Ich habe gelogen, und das ist mir schrecklich peinlich.» Er habe seine Aussage im Film «aufgeblasen», um sie besser aussehen zu lassen, sagte er der Nachrichtenagentur AP. Auch habe er geglaubt, der 2008 erstmals aufgeführte Dokumentarfilm werde nur in Frankreich und nicht in den USA gezeigt, sagte Wells, der nur am Rande in das damalige Verfahren gegen Polanski involviert war.
Fall vor Berufungsgericht hängig
Filmemacherin Marina Zenovich zeigte sich an einer Medienkonferenz in Zürich, die kurzfristig vom Zurich Film Festival anberaumt worden war, verblüfft über die Kehrtwende von David Wells. «Ich habe ihn mehrmals getroffen, auch im Gericht in Malibu, wo er als Staatsanwalt tätig war.» Er sei in voller Robe vor der amerikanischen Flagge gestanden und habe ihre Fragen beantwortet. Es sei «sehr seltsam», dass er nun seine Aussagen zurücknehme, zumal der Film schon seit mehr als einem Jahr in den USA laufe.
Verwirrt zeigte sich die sichtlich unter Jetlag leidende Amerikanerin auch darüber, dass Roman Polanski ausgerechnet jetzt in Zürich verhaftet wurde. Denn die von seinen Anwälten aufgrund ihres Dokumentarfilms beantragte Einstellung des Verfahrens ist derzeit vor einem Berufungsgericht hängig. In der ersten Instanz hatte der zuständige Richter den Antrag im Februar noch abgelehnt. Er hatte «ernstliches Fehlverhalten» eingeräumt, aber darauf beharrt, dass Roman Polanski persönlich vor Gericht erscheinen muss.
Filmerin dreht Fortsetzung
Marina Zenovich betonte mit Bezug auf David Wells, das Fehlverhalten betreffe nicht nur die Staatsanwaltschaft, sondern auch den Richter. Es handle sich um einen «sehr komplizierten, aber auch faszinierenden Fall», weshalb sie bereits an einer Fortsetzung von «Roman Polanski: Wanted and Desired» arbeite. Dazu wollte sie auch mit Polanski selber reden, der im ersten Film nur in Archivaufnahmen zu Wort kam. Nun ist alles in der Schwebe. Ein Besuch im Gefängnis sei jedenfalls nicht geplant. Sie wisse auch nicht, wo er sich befinde, sagte Zenovich vor den Medien in Zürich.
Eines ist für die Regisseurin klar. «Es gibt in diesem Fall keine Gewinner, sondern nur Verlierer. Das betrifft besonders Roman Polanski und Samantha Geimer.» Das damalige Opfer habe sich nur zögerlich auf das Filmprojekt eingelassen, sei nun aber zu einer Freundin geworden, sagte Marina Zenovich. Nun würden wieder Reporter vor ihrer Tür campieren, wie es schon früher der Fall war: «Wie lange muss sie das noch aushalten?»

























