Conchita Wurst

15. April 2018 23:00; Akt: 16.04.2018 09:48 Print

«Ich bin seit vielen Jahren HIV-positiv»

Die österreichische Sängerin und Travestiekünstlerin Conchita Wurst ist HIV-positiv. Das hat die ESC-Gewinnerin von 2014 auf Instagram publik gemacht.

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«Heute ist der Tag gekommen, mich für den Rest meines Lebens von einem Damoklesschwert zu befreien: Ich bin seit vielen Jahren HIV-positiv», schreibt die österreichische Sängerin und Travestiekünstlerin Conchita Wurst auf Instagram. Eigentlich sei das für die Öffentlichkeit irrelevant, so Wurst weiter, aber «ein Ex-Freund droht mir, mit dieser privaten Information an die Öffentlichkeit zu gehen, und ich gebe auch in Zukunft niemandem das Recht, mir Angst zu machen und mein Leben derart zu beeinflussen.»

Seit sie die Diagnose erhalten habe, sei sie in medizinischer Behandlung. «Ich bin seit vielen Jahren unterbrechungsfrei unter der Nachweisgrenze, damit also nicht in der Lage, den Virus weiter zu geben.»

Familie schützen

Der Grund, weshalb sie diese Information bisher zurückhielt, liegt vor allem bei ihrer Familie, die von Anfang an Bescheid wusste und die Sängerin auch immer unterstützte. «Ihnen hätte ich die Aufmerksamkeit für den HIV-Status ihres Sohnes, Enkels und Bruders gerne erspart. Genauso wissen meine Freunde seit geraumer Zeit Bescheid und gehen in einer Unbefangenheit damit um, die ich jeder und jedem Betroffenen wünschen würde.» Mit ihrem Outing will Wurst vor allem auch anderen Betroffenen Mut machen und ein Zeichen setzen gegen die Stigmatisierung von Menschen, die sich mit dem HIV-Virus infiziert haben.

2014 gewann Wurst, die mit bürgerlichem Namen Thomas Neuwirth heisst, den Eurovision Song Contest in Kopenhagen. In jüngster Zeit machte sich der 29-Jährige Gedanken, sich von der bärtigen Kunstfigur zu lösen und neue Wege einzuschlagen. «Ich habe das Gefühl, eine neue Person schaffen zu wollen», sagte Neuwirth der «Welt».

Tom Neuwirth will Conchita Wurst «töten»

Zum Abschluss richtet sich Conchita auf ihrem Insta-Account noch an die Fans: «Es geht mir gesundheitlich gut, und ich bin stärker, motivierter und befreiter denn je. Danke für eure Unterstützung.»

heute ist der tag gekommen, mich für den rest meines lebens von einem damoklesschwert zu befreien: ich bin seit vielen jahren hiv-positiv. das ist für die öffentlichkeit eigentlich irrelevant, aber ein ex-freund droht mir, mit dieser privaten information an die öffentlichkeit zu gehen, und ich gebe auch in zukunft niemandem das recht, mir angst zu machen und mein leben derart zu beeinflussen. seit ich die diagnose erhalten habe, bin ich in medizinischer behandlung, und seit vielen jahren unterbrechungsfrei unter der nachweisgrenze, damit also nicht in der lage, den virus weiter zu geben. ich wollte aus mehreren gründen bisher nicht damit an die öffentlichkeit gehen, nur zwei davon will ich hier nennen: der wichtigste war mir meine familie, die seit dem ersten tag bescheid weiss und mich bedingungslos unterstützt hat. ihnen hätte ich die aufmerksamkeit für den hiv-status ihres sohnes, enkels und bruders gerne erspart. genauso wissen meine freunde seit geraumer zeit bescheid und gehen in einer unbefangenheit damit um, die ich jeder und jedem betroffenen wünschen würde. zweitens ist es eine information, die meiner meinung nach hauptsächlich für diejenigen menschen von relevanz ist, mit denen sexueller kontakt infrage kommt. coming out ist besser als von dritten geoutet zu werden. ich hoffe, mut zu machen und einen weiteren schritt zu setzen gegen die stigmatisierung von menschen, die sich durch ihr eigenes verhalten oder aber unverschuldet mit hiv infiziert haben. an meine fans: die information über meinen hiv-status mag neu für euch sein – mein status ist es nicht! es geht mir gesundheitlich gut, und ich bin stärker, motivierter und befreiter denn je. danke für eure unterstützung!

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Fans reagieren verständnisvoll

Fans von Conchita Wurst reagierten verständnisvoll und zollten ihm Respekt für den Entscheid, mit der Information an die Öffentlichkeit zu gehen. «Der heutige Tag wird dir als einer der besten Tage deines Lebens in Erinnerung bleiben und ganz sicher auch vielen anderen Mut machen, die Zügel selbst in die Hand zu nehmen», schrieb einer auf Wursts Instagramseite.

Ein anderer bedauerte, dass Wurst der Entscheid durch einen «grausamen Menschen abgenommen wurde». Wieder ein anderer meinte, HIV sollte heutzutage kein Druckmittel mehr sein dürfen. «Idioten wird es leider immer geben und Dummheit ist nicht behandelbar.»

(bee/chk/sda)