Michelle über die Zeit in der Sekte

09. November 2017 18:26; Akt: 09.11.2017 18:26 Print

«Ich hatte Panikattacken nach dem Ausstieg»

Sie wirkt immer fröhlich und scheint ein perfektes Leben zu führen. Doch in ihrem neuen Buch offenbart Michelle Hunziker, wie sie durch die Hölle ging.

Bildstrecke im Grossformat »
Dass Michelle Hunziker (40) Anfang der 2000er in die Fänge einer Sekte geraten war, ist bekannt. Nun hat sie in ihrem Enthüllungsbuch «Una vita all'apparenza perfetta» (dt. «Ein scheinbar perfektes Leben») und in diversen Interviews mehr über diese Zeit erzählt. Im Alter von 14 Jahren habe sie aufgehört, mit ihrem oft alkoholisierten Vater zu sprechen. «Ich war verletzt, wollte mir das aber nicht eingestehen.» In dieser Zeit sei sie auf die Pranatherapeutin Clelia von der Sekte getroffen, mit der sie über die Schwierigkeiten mit ihrem Papa reden wollte. So geriet sie in die Fänge der Gruppe. «Man musste rein bleiben und sich um Körperpflege und seine Ernährung kümmern. Auch sexuelle Enthaltsamkeit wurde gepredigt», erzählt Michelle über die Philosophie der Sekte «Krieger des Lichts». Wer sündigte, musste büssen. Von 1998 bis 2009 war Hunziker mit Eros Ramazzotti (hier 2009 bei einem Hallenstadion-Konzert) verheiratet, ab 2002 lebten sie getrennt. Der Grund für das Liebesaus war die Sekte. Damals habe Eros sie vor die Wahl gestellt: er oder die Sekte. «Ich habe mich für sie entschieden», so Michelle. Mit Ramazzotti hat Hunziker eine gemeinsame Tochter, Aurora. Die 20-Jährige ist heute wie Mama Michelle erfolgreich als Moderatorin tätig. Seit drei Jahren ist Hunziker mit Trussardi-Erbe Tomaso Trussardi (34) verheiratet und hat mit ihm zwei Töchter, Sole (4) und Celeste (2). Bislang habe sie erst mit Tomaso so offen über die dunkle Zeit in der Sekte gesprochen, sagt Michelle. «Ich hatte die Geschichte sogar vor meiner Mutter verborgen.»

Zum Thema
Fehler gesehen?

Es fällt ihr schwer, über die Zeit in der Sekte zu sprechen. Doch in der italienischen Talkshow «Verissimo» und in Interviews mit Zeitungen wie «Il Messagero» und dem «Corriere» offenbarte sich Michelle Hunziker (40) erstmals.

Umfrage
Hatten Sie auch schon Kontakt mit einer Sekte?

Bislang wusste nur ihr Ehemann Tomaso Trussardi (34) von ihrer dunkelsten Zeit. «Ich hatte eine schwere Kindheit. Ich habe meinen Vater sehr geliebt, leider war er oft alkoholisiert», sagt sie im Interview auf Canale 5.

Wegen der Sekte trennte sie sich von Eros

«Ich erzähle diese Geschichte zum ersten Mal. Bislang habe ich das sogar vor meiner Mutter verborgen», erzählt sie weiter, «der Einzige, mit dem ich darüber gesprochen habe, ist mein Mann. Als wir uns kennen gelernt haben, haben wir alles miteinander geteilt: er seine Trauer und ich meine fünfjährige Erfahrung in einer Sekte.»

2002 trennte sie sich von Eros Ramazzotti (54). Die Sekte «Krieger des Lichts» habe sie dazu gedrängt. In ihrem eben erschienenen Enthüllungsbuch «Una vita all'apparenza perfetta» (dt. «Ein scheinbar perfektes Leben») eröffnet sie, wie es ihr in ihrer Zeit bei der Sekte wirklich ging.

Die Anfänge

Es begann mit ihrem oft alkoholisierten Vater, so Michelle in der Talkshow auf Canale 5. In dieser Zeit sei sie auf die Pranatherapeutin Clelia von der Sekte getroffen, mit der sie über die Schwierigkeiten mit ihrem Papa reden wollte. «Mit 14 habe ich aufgehört, mit ihm zu sprechen. Ich war verletzt, wollte mir das aber nicht eingestehen.»

Sie habe nach Antworten gesucht und diese bei Clelia gefunden. Die Therapeutin habe ihr nichts geraten, was nicht auch von einem Psychologen hätte kommen können – aber sie gehörte eben zur Sekte.

Aktive Mitgliedschaft

Selbstreinigung sei ein Teil von deren Philosophie gewesen: «Man musste rein bleiben und sich um Körperpflege und seine Ernährung kümmern. Auch sexuelle Enthaltsamkeit wurde gepredigt.» Sie fühlte sich geschützt vom Glauben an höhere Mächte.

Täglich wurde sie daran erinnert, dass ihr Erfolg einzig auf diesem Weg beruhe. Sie selbst verfüge über keine Fähigkeiten, sondern sei lediglich Teil eines überlegenen Designs. Für Sünden musste sie büssen. Die Abhängigkeit wurde grösser.

Der Ausstieg

2006 verliess Michelle die Sekte. «Ich rief sofort meine Mutter und ein paar Freunde an», erinnert sie sich. Die Zeit der Entscheidung sei geprägt gewesen von Erniedrigung, Angst und dem Gefühl, eine Grenze überschritten zu haben. «Als ich raus war, versuchte ich, mein Leben wieder aufzubauen. Es war nicht leicht zu akzeptieren, dass mir das passiert war.»

Sie habe unter Panikattacken gelitten und jahrelang geglaubt, «dass ich bald sterben, bald ersticken würde» – das habe die Sekte ihr vorausgesagt. Normalität sei erst nach und nach wieder in ihr Leben zurückgekehrt, sie habe sie nach und nach «zurückerobern müssen».

(20 Minuten)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kk8000 am 09.11.2017 18:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bewundernswert!

    Da denkt man, dass so etwas einer gestandenen, erfolgreichen Frau nicht passieren kann. Jeder hat seine verletzliche Seite und dies nutzen solche Personen / Sekten schamlos aus. Anstatt zu helfen, wird man ausgenutzt und erniedrigt. Es geht immer um das liebe Geld. Sekten sind wie Parasiten. Ich finde es bewundernswert, dass sie darüber schreibt und spricht. Hoffentlich kann sie damit anderen Personen helfen und mit ihren Verletzungen abschliessen.

  • Cöne am 09.11.2017 22:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und ihr Mann?

    Und wie ging es ihrem damaligen Mann, Eros? Sehr schade um die Ehe zweier Menschen.

  • Spaniel am 10.11.2017 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sekten und Freikirchen

    Beide haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen Deine Zeit und Dein Geld. Darum muss raschmöglichst eine Abhängigkeit erzielt werden.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 10.11.2017 14:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe andere Hobbys...

    Eine Sekte ist das gleiche Gift wie die Droge. Wenn man mitmacht ists immer sehr schwierig wieder raus zukommen!!

  • b.d. am 10.11.2017 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Apropos Sekte

    Bin neu in eine Wohnung gezogen, nachdem mein ex und ich uns getrennt haben. Zuerst dachte ich, ich habe nette Nachbarn. Manchmal auch zu nett, da eindringlich. Nun entpuppen die sich als ZJ. Höre nur noch in der Bibel steht, es ist falsch alleine zu Leben, in der Bibel steht. Gestern war ich nicht so nett dann hat sie mir die Türe zugeknallt. Ich will gar keinen Streit, nur in Ruhe gelassen werden. Es ist mein Leben und ich lebe es so wie ich will. Natürlich kann man alleine überleben. Sonst wäre ich ja schon längst tot!

  • S.Kritischer. am 10.11.2017 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sekten und Kirchen.

    Sekten und Kirchen funktionieren nach dem gleichen Konzept.Unterschiedlich ist nur die Intensität wie sie ihre Mitglieder bearbeiten. Das Ziel ist das gleiche, es geht bei allen um Geld und Macht!

    • Martial2 am 10.11.2017 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @S.Kritischer.

      Darum nirgends dabei sein... Wir sind seit über 40 Jahre Atheisten und sehr glücklich dabei. Wir glauben an etwas aber nicht an Gott!!

    einklappen einklappen
  • Ostermundigerin am 10.11.2017 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Ich kenne Michelle und finde es traurig, was ihr wieder fahren ist. Was ich aber auch traurig finde ist, dass sie sich nun im Buch offenbar durch's Band als Opfer darstellen will... gemobbt und verprügelt in der Schule in Ostermundigen... sie gehörte zu den beliebtesten Mädchen an der Schule und wurde von Schülern und Lehrern gleichermaßen geschätzt. Eigentlich hatten sie alle gern, gerade weil sie so eine Liebe und Aufgeschlossene war. Dass mal ein blöder Spruch von irgendwem kam, will ich gar nicht in Abrede stellen, aber wer hat das nicht auch schon erlebt. Schade, dass das nun sein muss.

    • Martial2 am 11.11.2017 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ostermundigerin

      Bin gleicher Meinung, die Michelle hat vieles getan, tut immer noch, ist sehr sympathisch, mit viel Charme und Ausstrahlung. All diese negativ Kommentar Schreiber, haben sehr oft nicht viel bis nichts erreicht. So ist diese Welt, missgünstig, neidisch und armselig!!

    einklappen einklappen
  • N. Ostress am 10.11.2017 08:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Michelle

    Diese Dame hat kein Selbstwertgefühl, noch nie richtig gearbeitet und kennt Stress nur vom Hörensagen und Aurora folgt ihr nach. und dann Trussardi... Kein Self-made Millionär, sondern dem wurde alles bloss in die Wiege gelegt...

    • Martial2 am 10.11.2017 14:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @N. Ostress

      Hier stinkts nach Einversucht. Ob Sie selber viel erreicht haben? Das bleibt dahin gestellt!!

    einklappen einklappen