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«Wetten, dass …?»
28. Februar 2010 10:01; Akt: 28.02.2010 14:59 Print
Uncool ist Kult
Abgetakelte Rock-Opas, singende Hollywoodstars und die obligate Baggerwette: Gottschalk hat sich längst damit abgefunden, dass seine Samstagabend-Show niemals trendy sein wird. Doch gerade diese Erkenntnis könnte «Wetten, dass…?» zuträglich sein – dies und Michelle Hunziker, natürlich.
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Erste «Wetten, dass..?» mit Moderatorin Michelle
Ganz spurlos ist sie nicht an Thomas Gottschalk vorbeigegangen, jene nicht abflauen wollende Kritik von Seiten der Medien an den rüstigen Rentner der Samstagabendkisten, «Wetten, dass …?». Ein Monieren, das seit dem Neustart der Sendung im Herbst 2009 mit Sidekick Michelle Hunziker gar eher zugenommen hat: Zu altmodisch und bedächtig die Wett-Show; zu dominierend der Moderator, so der Tenor.
Quoten-Fiasko für «Wetten, dass ...?»Die 187. Ausgabe von Europas grösster Live-Show wurde für Moderator Thomas Gottschalk zu einem Fiasko. Laut Quotenmeter.de wollten weniger als acht Millionen Fernsehzuschauer - und damit so wenige wie noch nie - Gottschalks Revival-Party für ältere Semester sehen.
Allerdings hatte Gottschalk auch einen schweren Stand: Seine Sendung lief in direkter Konkurrenz zu Olympia in der ARD und «Deutschland sucht den Superstar» bei RTL. Während Gottschalk im Januar DSDS noch in die Schranken gewiesen hatte, konnte sich diesmal laut Quotenmeter.de Dieter Bohlens Casting-Show durchsetzen: Bei der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen sahen 20,2 Prozent «Wetten, dass...?» und 27,8 Prozent DSDS. Allerdings musste auch Bohlen mit diesem Wert unterhalb der 30-Prozent-Hürde das bisher schlechteste Ergebnis der neuen Staffel hinnehmen.
(ddp)
Und so begrüsste Gottschalk am 27. Februar in Erfurt die Zuschauer mit einer unumwundenen Bekenntnis zum Eskapismus: «Die Welt driftet immer mehr auseinander, doch hier [bei «Wetten, dass …?»] ist jeder zuhause.» Sprachs und stellte gleich das optische Verkaufsargument der Show vor, «eine Dame, die dafür sorgt, dass die südlichen Einflüsse immer stärker werden»: Michelle Hunziker. Längst wird die gebürtige Schweizerin nicht als solche wahrgenommen und dem deutschsprachigen Samstagabendpublikum als feurige Südländerin präsentiert.
Die in einem nun wirklich verdammt gut sitzenden dunkelblauen Kleid geschniegelte Michelle erwies sich auch als routinierte Ko-Moderatorin, deren sprudelnde Herzlichkeit tatsächlich glaubhaft wirkt. Manchmal bekundete sie aber doch ein wenig Mühe mit dem bedächtigen Tempo des deutschen Talkshows, was aber in Hinsicht auf ihren wesentlich zackigeren italienischen TV-Alltag bei «Striscia la notizia» durchaus verständlich ist.
Gepflegtes Mittelmass
Ansonsten zeichnete sich die Sendung durch gepflegtes Mittelmass aus. Die Wetten waren passabel. In Erinnerung blieb etwa die Zehnjährige, die Lego-Figürchen anhand von Zungenabtasten erkannte. Die obligate Baggerwette war dabei der Höhepunkt: Zwei Raupenbagger wechselten auf die jeweils andere Ladefläche von zwei fahrenden Sattelschleppern. Dabei sorgte die Wortkargheit der Baggerfahrer für unfreiwillige Komik.
Als Gäste und Wettpaten gab es da die auffällig manisch grinsende TV-Moderatorin Inka Bause im Angebot, Keinzweiohrhasenkücken-Schauspieler Matthias Schweighöfer, der den Sympatikus mimte, und Filmlegende Sophia Loren, der man die 75 Lenze am Äussern nun wirklich nicht ansieht (an der Gestik aber sehr wohl). Die nicht deutschsprachigen Gäste bleiben aber weiterhin problematisch. Zwar haben sie einen unangefochtenen Star-Status, doch durch die Simultanübersetzungen wirkt jeder Dialog platt und langweilig. So auch der mit Hollywoodstar Kevin Costner; wobei Matthias Schweighöfers Beharren, «Waterworld» sei ein grandioser Film, doch noch für ein paar Lacher sorgte.
Boxer Wladimir Klitschko war es aber, der allen die Show stahl: Mit ungezwungenem Charme und Schlagfertigkeit punktete er beim Publikum. Nun versteht wohl jeder, weshalb Hayden Pannettiere trotz Alters- und Grössenunterschied auf ihn flog …
Der mit der Gitarre tanzt
Obwohl man versucht, dem Publikum vom Gegenteil zu überzeugen, war «Wetten, dass …?» nie ein Hort grossartiger musikalischen Darbietungen. Jeder noch so grosse Star gibt sich dort zwar gerne die Ehre, doch sind die Auftritte eher eine gute Marketingmöglichkeit, die man gerne mit einer lustlosen Playback-Einlage abhakt. Und so bewiesen die musikalischen Beiträge vom 27. Februar 2010 – Pet Shop Boys, Jan Delay, die Glamrock-Opas von Kiss und der neuerdings sich als Countrymusiker versuchende Kevin Costner – vor allem an eines: Dass die schweigende Mehrheit am liebsten im stechenden Viervierteltakt klatscht.
Längst sind die Meinungen gemacht über den «VW-Käfer unter den deutschen Unterhaltungssendungen» («Die Welt»). Versuchte man der Samstagabendkiste mit Michelle Hunziker im Herbst 2009 etwas neuen Leben einzuhauchen, macht sich inzwischen Ernüchterung breit: So lange Gottschalk das Ruder in der Hand hält, wird sich so schnell nichts verändern. Michelle hat sich damit abgefunden und erledigt ihre Nischenrolle professionell. Kritiker werden weiterhin die Trägheit und Farblosigkeit der Sendung monieren, derweil Gottschalk die Flucht nach vorn antritt und Uncoolheit zu Kult erklärt: «Hier ist jeder zuhause.»
(obi)
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Alle 82 Kommentare



























Früher sass meine ganze Familie...
am Samstagabend vor dem TV und glotzte "Wetten Dass...?". Die Wetten waren witzig, ausgeklügelt und unterhaltsam. Zugegeben, ich habe mir die Show mit Gottschalk und Hunziker erst einmal angetan und irgendwie hat die Show mich nicht überzeugt. Die Wetten waren langweilig und Gottschalk hatte auch schon mal mehr Biss. Er ist ein guter Moderator, aber langsam könnte man über eine Aufwertung des Konzepts der gesamten Sendung nachdenken und eine Hunziker, so nett sie auch ist, reicht da einfach nicht aus.
Bildung
Groucho Marx hat mal gesagt: wenn der Fernsher angeschaltet wird, gehe ich ins Nebenzimmer und lese Bücher, das bildet ungemein. Wie gut beobachtet, schon vor einiger Zeit
Anbandeln
Michelle Hunziker ist eine schöne Frau. Dass Diese, anbandelungs Versuche von Robbie wiederstanden haben soll, ist wohl ein Witz. Diese karierengeile Frau lässt keine Gelegenheit aus wie auch immer. Im Angesicht unserer deutschen Nachbarn sind wir noch immer ein primitives Bauernvolk. Ausgerechnet da bekommt Michelle eine Vertragsverlängerung bis 2011. Nicht nur ich staune. Thomas und Michelle passen zusammen, in negativer Hinsicht. Wirklich gute Wetten. Nur passen diese seit langem nicht mehr in diese Sendung. Das Fernsehpublikum hat den Wettsieger gewählt. Klar, wer da noch zuschaut.