In die USA gezügelt

17. Januar 2014 12:11; Akt: 17.01.2014 14:09 Print

Johnny Hallyday hat Gstaad Adieu gesagt

Sänger Johnny Hallyday müsse seine steuerliche Situation klären, fordert sein Heimatland Frankreich. Hallyday wohnte bis vor Kurzem in Gstaad BE, jetzt ist er in die USA umgezogen.

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Der französische Sänger und Musiker Johnny Hallyday (70) wohnt nicht mehr in Gstaad. (Bild: Keystone/ian Langsdon)

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Der bekannte französische Sänger Johnny Hallyday wohnt seit vergangenem Jahr nicht mehr im Berner Oberland, sondern in den USA. Die bernische Steuerverwaltung hat am Freitag entsprechende Angaben des 70-Jährigen bestätigt.

Hallyday gab seinen neuen Wohnsitz am Freitag über Twitter bekannt, nachdem ein französischer Abgeordneter in einer Eingabe gefordert hatte, Hallyday solle seine steuerliche Situation klären. Der sozialistische Abgeordnete Yann Galut reagierte damit auf eine Sendung des Westschweizer Radios RTS vom Donnerstag.


Journalisten des RTS hatten während zweier Jahre verfolgt, welche Fotos Hallyday und seine Familie auf den Internetportalen Instagram und Twitter veröffentlichten. Sie kamen zum Schluss, Hallyday lebe kaum noch in Gstaad BE, wo er ein Chalet besitzt. Also sei fraglich, ob Hallyday die Bedingungen für eine Pauschalbesteuerung in der Schweiz erfülle.

Hallydays Fotos sind datiert und lassen sich Orten auf der ganzen Welt zuordnen. Galut forderte gestützt auf diese Recherche von Hallyday Angaben zu dessen Steuerdomizil.

Der bernische Steuerverwalter Bruno Knüsel sagte dazu auf Anfrage, Hallyday besitze weiterhin ein Haus in Gstaad. Die ganze Familie habe sich aber im Verlauf des vergangenen Jahres abgemeldet und wohne nun in den USA.

Kämpfer gegen Steuerflucht

Galut ist in Frankreich als grosser Kämpfer gegen Steuerflucht bekannt. Frankreich hat in letzter Zeit auch die Gesetze gegen Steuerbetrug und Steuerflucht verschärft. 11'000 Steuerflüchtige wurden seit Juni 2013 aufgefordert, ihre Papiere in Ordnung zu bringen.

Auf Johnny Hallyday angesprochen, verschanzte sich der französische Budgetminister Bernard Cazeneuve am Freitag hinter dem Steuergeheimnis. «Johnny Hallyday ist ein Bürger, der wie alle anderen auch seine Steuern gemäss den vom Parlament festgelegten Bedingungen abliefern muss», sagte er lediglich auf dem Sender Europe 1.

Kanton Bern für Pauschalbesteuerung

Im Kanton Bern wurde der Name des Sängers immer wieder im Zusammenhang mit der kantonalen Volksabstimmung über Änderungen des Steuergesetzes genannt, welche im September 2012 über die Bühne ging. Damals beschloss das Bernervolk unter anderem, die Pauschalbesteuerung reicher Ausländer nicht abzuschaffen, aber zu verschärfen.

Politiker und das Gewerbe im Berner Oberland setzten sich damals vehement für die Beibehaltung der Pauschalbesteuerung ein - das sichere den kleinen und mittleren Unternehmen im Oberland Aufträge.

Ob Pauschalbesteuerte auch tatsächlich im Ort wohnen, wird nicht kontrolliert

Der Gemeindepräsident von Saanen, Aldo Kropf, sagte am Freitag der Nachrichtenagentur SDA auf Anfrage, derzeit hätten etwa 180 Pauschalbesteuerte ihren Wohnsitz in seiner Gemeinde. Zur Gemeinde Saanen gehört auch der Nobel-Touristenort Gstaad. Ob diese Pauschalbesteuerten auch tatsächlich in der Gemeinde wohnten, werde nicht kontrolliert. So etwas sei schlicht nicht möglich.

Das müsse eine Gemeinde auch nicht, sagt der bernische Steuerverwalter Bruno Knüsel. Ihre Aufgabe sei es, alle Steuerpflichtigen zu erfassen, welche in einer Gemeinde wohnten, nicht aber Nachforschungen zu betreiben, ob jemand nicht in der Gemeinde lebe.

Allenfalls sei es an einem anderen Staat nachzuweisen, dass der Pauschalbesteuerte X. nicht in der Schweiz lebe.


(sda)