No Angels und Nadja Benaissa

03. September 2009 10:09; Akt: 03.09.2009 10:23 Print

«Fast schon ein bisschen mittelalterlich»«Fast schon ein bisschen mittelalterlich»

Weil die No Angels am 11. September ein neues Album herausbringen, haben sich die Bandmitglieder der Presse gestellt. Nadja Benaissa kritisierte dabei ihr HIV-Zwangsouting durch die Medien mit deutlichen Worten.

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Wenn der Vorfall um Nadja Benaissa ein «Beben» ausgelöst hat, wie der «Spiegel» schreibt, ist eine aktuelle Medienschau ein Seismograph. In der Fogegeschichte beleuchten die Hamburger mit Insider-Informationen ... ... den Charakter der Sängerin. Die BZ klärt dagegen über Grundlagen auf: «Eine HIV-Infektion kann zur ImmunschwächekrankheitAids führen.» Die «Frankfurter Rundschau» zur ersten Meldung der Polizei: «In einer ersten Stellungnahme des Polizeipräsidiums Südhessen am Dienstagmorgen deutete noch alles auf eine ganz gewöhnliche Musiker-Eskapade hin.» Die «Bild» schreibt: «Es ist ein Kriminalfall, wie es ihn in der deutschen Musikszene noch nie gegeben hat!» Der Kölner «Express»: «Um 10.58 Uhr schickte die Sekretärin der Staatsanwaltschaft Darmstadt eine kurze Pressemitteilung heraus, die einen Schock in der deutschen Musikszene auslöste.» Die Hamburger Zeitung «Die Welt» titelte: «Der böse Verdacht gegen Nadja Benaissa» und berichtet wie 20 Minuten Online von vorhergehenden Foren-Einträgen, die vor Nadjas Krankheit gewarnt haben. Das Hochglanzmagazin «Bunte» zitiert Benaissas Anwalt, der «keine irgendwie gearteten Anhaltspunkte» für eine Straftat sieht. Die «Süddeutsche Zeitung» behandelt das Thema auch in seinem Jugendmagazin «Jetzt», das auf Aufklärung setzt: «Trotzdem irritiert die Meldung. Vielleicht auch, weil sie einem drastisch vor Augen führt, dass man eigentlich ... ... ohne Test immer auf die Verwendung eines Kondoms bestehen sollte.» Die «Hamburger Morgenpost» sieht in Nadja einen möglichen Todesengel: «Der strahlend-schöne Engel Nadja - hat sie finstere Geheimnisse?» Das «Hamburger Abendblatt» weiss von Staatsanwalt Gerd Neuber, dass die Sängerin von der Polizei observiert worden ist. Im «Stern»-Magazin erklärt ein Anwalt über ungeschützten Verkehr als HIV-Positiver: «Dann kommt der Straftatbestand der gefährlichen Körperverletzung nach Paragraph 224 des Strafgesetzbuches in Betracht, auf den ... ... eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren steht.» Selbst US-Blogger Perez Hilton hat das Thema aufgegriffen und auch ... ... die seriöse britische BBC berichtet über den Fall. Die Stellungnahme von Nadjas Anwälten, die monieren: «Durch eine Indiskretion ist der Umstand der Festnahme unserer Mandantin an die Medien gelangt.»

Die Bildstrecke vom April 2009: «Todes-Angel Nadja? Eine Medienschau».

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Eigentlich ging es bei der Pressekonferenz in Berlin um das neue No-Angels-Album «Welcome to the Dance», das am 11. September erscheint. Sandy Mölling sieht dem Erscheinungstermin gelassen entgegen: «Wir sind eigentlich nicht nervös, ob der Sound gut ankommt. Bisher hatten wir ein sehr gutes Feedback», sagte sie laut «Welt Online».

Im Mittelpunkt des Medieninteresses stand jedoch einmal mehr Bandmitglied Nadja Benaissa, die mit den Journalisten wegen ihrer Berichterstattung über ihre HIV-Infektion hart ins Gericht ging: «Das war nicht in Ordnung, was da passiert ist. So ein Zwangsouting ist eine Sache, die nicht passieren dürfte», kritisierte die 27-Jährige. «Es gab viele Formen von Tiefschlägen und Diskriminierungen, fast schon ein bisschen mittelalterlich.»

Zwar ermittelt die Staatsanwaltschaft Darmstadt weiter gegen die Sängerin, die im Verdacht steht, einen Liebhaber wissentlich mit HIV angesteckt zu haben. Mittlerweile gehe es ihr persönlich aber wieder besser, berichtete Benaissa laut «Welt Online». «Das Ganze hat mich sehr mitgenommen und ausgezehrt. Ich bin froh, dass die Arbeit weitergeht, dass es eine Perspektive gibt und hoffe, dass sich die Dinge bald klären werden.»

(phi)