Teenie-Spektakel

11. November 2011 07:35; Akt: 11.11.2011 10:18 Print

Bambi, Bieber und Bushido

Es waren drei Fragen, die die 63. Bambi-Verleihung beherrschten. Wann kommt Justin Bieber? Was wird Lady Gaga tragen? Und: Ist es in Ordnung, dass Rapper Bushido einen Bambi für Integration bekommt?

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Am 10. November fand in Wiesbaden die alljährliche Bambi-Verleihung statt. Grosse Höhepunkte blieben während der rund zweieinhalbstündigen Gala aus - trotz Standing Ovations für Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Auch Gwyneth Paltrow, die für Hollywood-Flair sorgen sollte, fiel nur auf, weil sie kaum auffiel.

Justin Bieber jedenfalls kam zu spät zur Verleihung des Medien-Preises, nahm seinen Award mit einem kurzen «I love you» an seine Fans und einem Dankeschön an seine Eltern entgegen - und war nach einem Lied auch schon wieder verschwunden. Sein Publikum vor den Rhein-Main-Hallen liess aber keinen Zweifel daran, dass der Mädchenschwarm in der Stadt weilte. Das Gekreische der rund 4500 wartenden Fans bei der Ankunft des 17-Jährigen suchte seinesgleichen.

Bushido plädiert für zweite Chance

Bushido und sein Bambi für Integration waren hingegen das grosse Tuschel-Thema des Abends. «Es ist sicher richtig, dass Menschen einander neue Chancen geben», sagte Rosenstolz-Sänger und Bambi-Preisträger Peter Plate am Ende seiner Dankesrede. «Ich finde es aber nicht o.k., dass ein Musiker, der frauen- und schwulenfeindliche Texte schreibt, mit einem Bambi geehrt wird.» Die Gesamtverantwortliche des Medienpreises, «Bunte»-Chefredakteurin Patricia Riekel, äusserte nur einen einzigen Satz zu diesem Thema: «Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient.»

Bushido selbst, dessen Texte oft als schwulen- und frauenverachtend, sexistisch und gewaltverherrlichend kritisiert werden, sah das auch so. Er sei jetzt 33 Jahre alt und werde heute ganz bestimmt nicht mehr das sagen, was er vielleicht vor zehn Jahren gesagt habe. «Und ich habe gelernt, dass das, was ich gesagt habe, falsch war.» Alles in allem habe er aber keine Lust, sich zu rechtfertigen, die Kritik an seiner Person interessiere ihn nicht.

Preise für Gottschalk, Verhoeven und Bentzko

Neben dieser Klärung blieb in der rund zweieinhalbstündigen Show aber auch viel Platz für Lob und Anerkennung. Thomas Gottschalk bekam einen Bambi für die Moderation der «Wetten, dass..?»-Sommerausgabe aus Mallorca, der «Newcomer-Bambi» ging an Sänger Tim Bendzko. In der Kategorie «Bester Film» wurde Simon Verhoevens «Männerherzen» geehrt. Die 80-jährige Schauspielerin Ruth Maria Kubitschek bekam einen Bambi für ihr Lebenswerk.

Der 92-Jährige Schmidt wurde mit dem Millennium-Bambi für sein «unermüdliches Einmischen» in grosse gesellschaftliche Themen ausgezeichnet. Bei der Vergabe äusserte er sich dann auch politisch: Es gebe gegenwärtig in Europa eine Krise der Europäischen Union und ihrer Institutionen. «Die Krise kann nur mit viel Geduld gelöst werden, es gibt keine Patentrezepte», sagte Schmidt.

Lady Gaga übrigens - die Frau, mit der grosse Erwartungen verbunden waren - gab sich unerwartet brav. Im schwarzen, schulterfreien Kleid mit Corsage absolvierte die Popsängerin ihren Auftritt, nahm den Bambi in der Kategorie «Pop international» entgegen und ging. Den hungrigen Fotografen zeigte sie sich dann aber eine halbe Stunde nach ihrem Auftritt doch noch mal: In neuem Outfit stolzierte sie auf den roten Teppich und dankte den «monsters», wie sie ihre Fans gerne mal nennt. Dann war Ruhe.

(sim/dapd)